Crailsheim DIE HT-UMFRAGE: Sogar Wahlhelfer geht auf das Fest

Crailsheim / GÖTZ GREINER 21.09.2013
Volksfest und Bundestagswahl an einem Tag: Geht das denn? Wir haben Passanten in Crailsheim befragt, wie sie ihre staatsbürgerliche Pflicht mit dem großen Fest verbinden werden.

Nach dem Festzug am Sonntag geht es zurück nach Roßfeld, um zu wählen, dann gemütlich vor den Fernseher. Zum Feuerwerk brechen sie wieder zum Volksfestplatz auf: So ist der Tag von Judith Friedrich und ihrer ganzen Familie geplant - auch die beiden Kinder sollen lernen, wie wichtig Wahlen sind. "Ein verantwortungsvoller Bürger geht wählen", meint die 43-jährige Sozialpädagogin. Daheim wurde über die Wahl diskutiert, aber die Entscheidung bleibt geheim.

Drei Feste feiert der bald 76-jährige Dr. Edgar Reiß - morgen ist nämlich auch sein Geburtstag. Fast jedes Jahr werden entweder seine Frau oder er während des Volksfests ein Jahr älter. Das letzte Mal als auch Wahl war, hat der Crailsheimer eine Wahlparty gefeiert. Doch das war keine so gute Idee: Wegen der politisch bunten Geburtstags-Gesellschaft war nur einem Teil zum Feiern zumute. Darum gehts am Sonntag auch früher los: "Wenn die Ergebnisse kommen, sind wir alle auf dem Fest."

Zum ersten Mal wählen geht die 18-jährige Katja Hermann, doch danach gehts direkt aufs Volksfest. Die Floristin aus Kirchberg muss auch früh dorthin: Sie läuft beim Umzug mit - ein letztes Mal, denn sie geht nicht mehr zur Schule. Für die Volksfestzeit hat sie sich frei genommen, "das gehört bei uns schon dazu". Um so lange wie möglich auf dem Fest sein zu können, steht sie für die Wahl früher auf.

Auch Erika Bocksrocker steht gern früher auf, um wählen zu gehen. Gleich danach geht sie aufs Volksfest, um Mittag zu essen. Die Betreuerin in einer Grundschule glaubt nicht, dass die Wahlbeteiligung wegen des Volksfestes sinkt: "Wer wählen will, lässt sich durch das Fest nicht davon abhalten", man habe ja genug Zeit. Und sogar der Schwiegersohn der 57-jährigen Frau aus Wallhausen schafft es, und der ist Wahlhelfer.

Für Dieter Rehberger hat die Wahl die höhere Priorität als das Fest. Er wohnt gleich beim Volksfestplatz und beim Wahllokal. Früher war der heute 68-Jährige von Freitagmittag bis Montagabend dort, heute ist er "Volksfestmuffel". Der Umzug am Samstag ist aber immer noch Pflicht. Und auch nach dem Wählen wird er sich wohl eine Wurst gönnen.

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