Crailsheim Die Gastronomie weckt bei Arbeitnehmern wenig Interesse

In der Küche ist es besonders schwer, Hilfe zu finden.
In der Küche ist es besonders schwer, Hilfe zu finden. © Foto: Archiv
Crailsheim / FRANZISKA SCHOCK 11.06.2016
Lange Nächte, arbeiten an Sonn- und Feiertagen. So sieht der Arbeitsalltag für die Mehrheit der Arbeitnehmer im Gastronomiebereich aus.

Schon seit längerer Zeit scheint es in der Gastronomiebranche zu kriseln, wenn es darum geht Arbeitnehmer zu finden. Auch in lokalen Betrieben ist dies zu spüren.

Billy Angelakis, Inhaber des Restaurants Mythos in Crailsheim, erklärt: „Generell ist es nicht schwer Personal zu finden, geeignetes dahingegen aber schon. Also Arbeitnehmer mit Vorerfahrung und die ihre Sache auch gut machen.“ Er findet zwar schnell Personal, oft geben die Arbeitnehmer jedoch an, sie haben bereits viel Erfahrung und bringen dann doch kaum oder gar keine mit in den Beruf.

Vor allem für die Küche findet der Inhaber schwer Hilfe, im Service-Bereich ist das seiner Erfahrung nach einfacher.

„Wenige haben Interesse daran, in die Gastronomie einzusteigen. Die meisten, die in dem Gewerbe arbeiten wollen, haben nirgends einen anderen  Job gefunden“, erläutert Angelakis.

Der Hauptgrund ist laut des Inhabers der selbe wie bei ähnlichen Berufen – die Bezahlung. „Im Vergleich zu anderen Jobs, ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht. Meistens sind 8,50 Euro der Standard und viel höher wird der Lohn auch nicht. In anderen EU-Ländern ist Essen gehen viel teurer, dafür verdienen die Arbeitnehmer auch mehr“, betont er.

Jasmine Koboldt vom Fränkischen Rigi in Onolzheim hingegen hat nicht mit der Angelegenheit zu kämpfen. „Wir haben eigentlich kein Problem damit, geeignetes Personal zu finden und standen auch noch nie vor solchen Missständen. Wenn jemand geht, der schon lange dabei war, dauert es zwar manchmal, bis jemand passendes gefunden wird. Aber wenn die Person geeignet ist, wird diese auch schnell eingelernt. Mit etwas Geduld geht das schon“, erklärt Koboldt. Sie ist der Meinung, dass bei guter Bezahlung, einem guten Arbeitsklima und wenn die Mitarbeiter gut behandelt werden und selbstständig arbeiten dürfen, die Arbeitnehmer auch gerne bleiben. „Der Beruf ist stressig. Dass viele schwer geeignete Mitarbeiter finden, liegt denke ich an den Arbeitszeiten und an vielen anderen Faktoren. Es gibt da, glaube ich, viele Gründe und diese sind oft hausgemacht“, betont Jasmine Koboldt. Viele Betriebe arbeiten demnach mit Aushilfen, die auf Mini-Basis angestellt sind. So ließe sich der Arbeitnehmermangel laut Koboldt teilweise umgehen.

Der  Geschäftsleiter von „das Steakhouse“ in Satteldorf, Christian Hahn, weiß, dass es auf jeden Fall schwer ist, Arbeitnehmer zu finden. Am gravierendsten ist das für ihn in der Küche. Denn: „Im Service kann Grundlegendes, wie Servieren und Abräumen, schnell erlernt werden. Ungelernten Fachkräften kann dies schnell beigebracht werden und mit Initiative können diese sich schnell gut integrieren. Für eine gewisse Qualität kann das Wissen in der Küche nicht so schnell angelernt werden. Da braucht es gelernte Köche“, betont Hahn.

Und ein großes Problem dabei sei, dass junge gelernte Köche zum Arbeiten eher in große Städte oder ins Ausland gehen. Ältere seien auch dem Druck manchmal nicht mehr gewachsen.

„Das Ganze ist auch eine Finanzfrage. In den kleinen Orten und Städten können wir den jungen Leute nicht das bieten, was sie erwarten. In Großstädten ist das anders. Dort gibt es andere Mittel und Wege“, betont der Geschäftsleiter.

Laut ihm belasten viele Auflagen und Steuern die Gastronomie, so bleibt am Ende des Monats nicht genug übrig, um einen Lohn zu bezahlen der mit dem der Großstädte mithalten kann.

Der Mangel an geeigneten Arbeitskräften ist also bei einigen spürbar. Die Schwierigkeit liegt hier aber eher bei Küchenmitarbeitern als im Servicebereich.