Crailsheim Die Deeskalation schlägt fehl

Lautstark machen die Streikenden ihrem Ärger Luft.
Lautstark machen die Streikenden ihrem Ärger Luft. © Foto: Alisa Grün
Crailsheim / Alisa Grün 20.06.2018
Und wieder wird gestreikt: Mit Fahnen und Trommeln fanden sich die Mitarbeiter von Constellium in Crailsheim am Dienstag direkt vor der Betriebseinfahrt zusammen, um ihrem Ärger über den Austritt des Betriebes aus dem Arbeitgeberverband IG Metall Luft zu machen.

Im Januar dieses Jahres verloren die rund 160 Beschäftigten des Herstellers für Strangpressprofile die Tarifbindung. Mehrere Gespräche zwischen IG Metall und Geschäftsleitung, die bereits von Warnstreiks begleitet wurden, blieben ohne Ergebnis.

Nun stimmten die IG-Metall-Mitglieder in der Belegschaft erneut ab: 93,1 Prozent waren bei der Urabstimmung für einen unbefristeten Arbeitskampf. Ziel ist die Wiederherstellung der Tarifbindung der Metall- und Elektroindustrie. Constellium hatte zuletzt unter anderem angeboten, den Beschäftigten statt der für die Branche vereinbarten 4,3 Prozent Entgelterhöhung lediglich einen Inflationsausgleich zu zahlen. Dieser würde die Entgelte dauer­­haft von der Branche abkoppeln.

Uwe Bauer, Geschäftsführer der IG Metall Schwäbisch Hall, sagt: „Der Arbeitgeber hat sich einer Lösung am Verhandlungstisch verweigert, jetzt muss er die Konsequenzen tragen. Die Kollegen machen gute Arbeit und lassen sich nicht mit Almosen abspeisen.“ Etwa 40 Mitarbeiter hatten sich vor dem Werk versammelt, lediglich vier Personen befanden sich innerhalb des Betriebes. Bauer sagt: „Die Produktion steht seit vier Uhr morgens.“

Auch der Betriebsratsvorsitzende Steffen Schmidt war am Dienstag zur Kundgebung vor Ort. Besonders ärgert ihn, dass der Austritt aus dem Tarifverband so überraschend verkündet wurde. Der Betriebsrat habe diesen lediglich eine halbe Stunde vor der Belegschaft kommuniziert bekommen. Schmidt sagt: „Ich habe es noch nie erlebt, dass ein Arbeitgeber innerhalb so kurzer Zeit das gesamte Vertrauen seiner Mitarbeiter verliert.“ Die Bedingungen, die nun für die Crailsheimer Constellium-Mitarbeiter herrschen, nennt Schmidt „unterirdisch“. So sollen Arbeitnehmer bei Neuanstellung beispielsweise eine höhere Wochenarbeitszeit bei gleichzeitig weniger Urlaubstagen haben. Schmidt fürchtet dadurch nun zu große Unterschiede und sagt: „Es muss sichergestellt werden, dass alle den gleichen Stand haben.“ Daher gebe es keine andere Lösung als die Rückkehr in die Tarifbindung. „Die Mannschaft“ wolle laut Schmidt nicht mehr für das Fehlmanagement der Führungsebene bezahlen.

Auch nach Crailsheim angereist sind Heinrich Holl, Betriebsratsvorsitzender von Constellium in Singen, und Raoul Ulbrich, zweiter Bevollmächtigter bei der IG Metall Singen. Holl sagt: „Gespräche führt man, bevor es so eskaliert wie heute.“ Laut Bauer hat die Geschäftsführung in Crailsheim zugesagt, deeskalierend vorzugehen. Davon ist seiner Ansicht nach gestern nichts zu spüren.

Die Dauer des Streikes bleibt vorerst offen. Bauer sagt aber zu den Streikenden: „Wir kämpfen hier so lange, bis ihr wieder eure gerechten Tarifverträge habt.“ Die Betriebsleitung von Constellium in Crailsheim stand am Dienstag für ein Statement nicht zur Verfügung.

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