Stimmungscheck Die Baubranche ist am zufriedensten

Spitzenreiter Baubranche: Bei der aktuellen Zufriedenheit liegen die Baufirmen vorne, beim optimistischen Blick in die Zukunft haben sie am stärksten zugelegt.  Foto: industrieblick - Fotolia
Spitzenreiter Baubranche: Bei der aktuellen Zufriedenheit liegen die Baufirmen vorne, beim optimistischen Blick in die Zukunft haben sie am stärksten zugelegt. Foto: industrieblick - Fotolia © Foto: Foto: industrieblick - Fotolia
Region / Frank Lutz 20.10.2016
Die Unternehmen aus der Region beurteilen ihre Geschäftslage in der IHK-Konjunkturumfrage zum dritten Quartal so gut wie zuletzt im Herbst 2011.

Brexit, Terrorismus, der ungewisse Ausgang der US-Wahl – die Gesellschaft befinde sich im „Krisenmodus“, sagte Detlef Schulz-Kuhnt beim gestrigen Pressegespräch zur Konjunkturumfrage der IHK Heilbronn-Franken. Doch die Unternehmen zeigten sich davon wenig beeindruckt, sagte der IHK-Pressesprecher: „Die deutsche Wirtschaft war bisher ein Fels in der Brandung.“

Was für ganz Deutschland gilt, spiegelt sich auch in der Region wider: Die Unternehmen beurteilen ihre Geschäftslage in der IHK-Konjunkturumfrage zum dritten Quartal so gut wie zuletzt im Herbst 2011. „Es geht uns trotz aller Risiken gut“, fasste IHK-Hauptgeschäftsführerin Elke Döring bei der gestrigen Präsentation der Ergebnisse zusammen. 429 Unternehmen, bei denen insgesamt fast 89 000 Menschen arbeiten, haben an der Umfrage teilgenommen. 52,3 Prozent – fast zwei Prozent mehr als im vorherigen Quartal – bewerten die aktuelle Geschäftslage als gut, nur 6,3 Prozent sind ganz unzufrieden.

Besonders optimistisch zeigen sich die Unternehmer in der Bauwirtschaft: 78,6 Prozent der Befragten – fast sechs Prozent mehr als im Vorquartal – sind mit der aktuellen Situation zufrieden, nur 2,4 Prozent bezeichnen sie als schlecht. Auf Platz zwei der Zufriedenheitsskala folgt der Dienstleistungssektor, mit einem Anteil von 42 Prozent an der Gesamtzahl der Arbeitnehmer die größte Branche in der Region: 54,8 Prozent der Betriebe – rund drei Prozent mehr als im Vorquartal – sind hier mit der aktuellen Geschäftslage zufrieden, nur 3,5 Prozent komplett unzufrieden. Auch in Industrie, Groß- und Einzelhandel zeigt sich ein ähnliches Bild: 48,9 Prozent der Industriebetriebe sind mit der derzeitigen Lage zufrieden, ebenso wie 53,2 Prozent der Groß- und 40 Prozent der Einzelhändler.

Doch während die meisten Unternehmen die aktuelle Situation positiv wahrnehmen, blicken deutlich weniger optimistisch in die Zukunft: 31,8 Prozent erwarten bessere Geschäfte in den kommenden zwölf Monaten – gut fünf Prozent weniger als im Vorquartal. 8,9 Prozent blicken pessimistisch in die Zukunft – ein Anstieg von fast zwei Prozent. Hier dürfte sich die unsichere weltpolitische Lage niederschlagen. Insgesamt übertreffen die Werte für die Zukunftserwartungen aber nach wie vor den langfristigen Durchschnitt.

Auffällig ist, dass auch hier der Bausektor das Gesamtbild aufhellt: 23,8 Prozent der Baubetriebe blicken optimistisch in die Zukunft, im Vorquartal waren es nur 12,1 Prozent. Den stärksten Einbruch hat dagegen die Dienstleistungsbranche zu verzeichnen: Vor drei Monaten erwarteten noch 40,9 Prozent der Unternehmen eine bessere Geschäftslage, diesmal waren es gerade einmal 25,3 Prozent. Da jedoch 66,3 Prozent – fast zehn Prozent mehr als im Vorquartal – von einer gleichbleibenden Geschäftslage ausgeht, bezeichnet Elke Döring die Entwicklung als „nicht beunruhigend“.

Profitieren aber auch die Arbeitnehmer? Die Ergebnisse der Konjunkturumfrage machen Hoffnung: 20 Prozent der Betriebe planen, in den kommenden zwölf Monaten neue Mitarbeiter einzustellen, nur drei Prozent weniger als vor einem Vierteljahr. Neun Prozent planen Entlassungen, ein Prozent weniger als im Vorquartal. „Der Handel ist besonders einstellungsfreudig“, sagt Döring: 29 Prozent der Groß- und 23 Prozent der Einzelhändler planen Neueinstellungen.

Stellt man die Betriebe, die neue Mitarbeiter einstellen wollen, denen gegenüber, die Entlassungen planen, ergibt sich für den Handel ein positiver Saldo von 24,1 Prozent. Dicht dahinter folgt das Baugewerbe mit 19 Prozent.

Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: 52,5 Prozent der Unternehmen geben an, offene Stellen nicht besetzen zu können. „Das gefällt mir natürlich gar nicht“, meint Döring. Im Durchschnitt geht es dabei pro Betrieb um rund fünf Arbeitsplätze. Unter diesem Gesichtspunkt wundert es auch nicht, dass 52,4 Prozent der Unternehmen den Fachkräftemangel als größtes Risiko bezeichnen – noch vor der Inlandsnachfrage und den Arbeitskosten.

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