Crailsheim Die Ackerbohne ist das neue Soja

Crailsheim / Ursula Richter 29.06.2018
Zur Besichtigung des diesjährigen Öko-Landessortenversuches sind zahlreiche biodynamische Getreidezüchter und Ökobauern nach Crailsheim-Auhof gekommen.

Der Landwirtschaftliche Beratungsdienst Ökologischer Landbau in Ilshofen und das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg hatten eingeladen. Reiner Schmidt beginnt seine ungefähr zweistündige Führung über das ein Hektar große Versuchsfeld von Johanna Faure in der Biofelderregion bei Satteldorf mit den Körnerleguminosen, also den Hülsenfrüchten. Er steht mit seinem Mikrofon vor den Streifen mit insgesamt 16 Sorten Sojabohnen. Rund 15 Interessierte haben an der Veranstaltung teilgenommen.

Es geht um Vor- und Nachteile von sehr frühen oder frühen Sorten, um die Aussaatmenge, den Ertrag, den Proteingehalt und die Eigenschaften. Soja wird immer wichtiger. Nicht nur weil man die Importe aus Südamerika begrenzen will, sondern auch die genveränderten Sorten aus den USA ein Problem darstellen. Also werden heimische Alternativen gesucht.

Dazu gehört auch eine alte Frucht wie die Ackerbohne. Sie hat weniger Protein als Soja, ist jedoch ertragreicher. „Wenn man den Ertrag und das Protein zusammenrechnet, ist das Ergebnis ähnlich wie bei Soja“, stellt Schmidt fest. Nach den Futtererbsen, die in der Fruchtfolge eine immer wichtigere Rolle spielen, kommt der Weizen. Hier stehen auf den 1,50 Meter auf 10 Meter großen, durch Grasflächen sauber getrennten Parzellen jeweils vier Wiederholungen von 42 Sorten Winterweizen.

Schweizer sind auch dabei

Reiner Schmidt informiert der Reihe nach über die jeweilige Sorte. Falls jemand von den Züchtern oder Vermehrern da ist, bekommen auch die das Wort. Teilweise sind sie aus der Schweiz oder der Bodenseeregion angereist. Auch Wolfgang Kampmann erläutert seinen „Jagsttaler“. Der Demeterbauer aus Tiefenbach vermehrt diese „Erhaltungssorte“. Mit 42 Dezitonnen pro Hektar liegen der Ertrag 2017, der Kleberanteil und der Sediwert im Durchschnitt.

Beim Sedimentationswert geht es um die Proteinqualität, die Quellfähigkeit, die Backeigenschaften der Sorten. Der Proteingehalt ist etwas überdurchschnittlich. „Es gibt eine negative Korrelation zwischen Ertrag und Proteingehalt“, bedauert Schmidt. „Je höher der Ertrag, desto schwächer die Backqualität.“ In den Erläuterungen steht zum Jagsttaler: „Zügige Jugendentwicklung mit waagrechter Blattstellung.“ Kampmann erklärt: „Das ist im Frühjahr wichtig, damit er möglichst viel Sonne bekommt und gut das Unkraut unterdrückt.“

Es ist „eine frühreife, begrannte, lange Sorte.“ Die Grannen, die borstenartigen, mit Widerhäkchen versehenen Spitzen der Ähren, werden wieder wichtiger – auch wegen der Wildschweine, die diese nicht mögen. Die Sorte ist „blattgesund, kein Gelbrost“. Wolfgang Kampmann vermehrt verschiedene Sorten für den Bioanbau, die dann über die Bioland-Handelsgesellschaft und die OBEG in Schrozberg-Zell an die Landwirte ausgeliefert werden. Hobbymäßig beschäftigt er sich auch mit der Züchtung.

Ökoanbau von Weizen geprüft

Im Weizen- und Dinkelsortiment des Versuchs stehen neben konventionellen auch viele Ökozüchtungen, deren Eignung am Standort Crailsheim für den Ökoanbau geprüft werden. Anhand der erzielten Ergebnisse und des aktuellen Erscheinungsbildes der Sorten vor Ort können die anwesenden Landwirte sich entsprechend ihrer Standortverhältnisse für eine Sorte entscheiden. Auch Wilfried Blanc ist deswegen gekommen. Der Biobauer aus Haßfelden ist ein entschiedener Gegner der Gentechnik: „Ich bin für freien Saatguthandel“, betont er. Und für Züchtungen aus dem Ökolandbau. Die gibt es erst seit 25 Jahren.

Er benötigt zwei Sorten Winterweizen und vier Dinkelsorten. Dabei will er reinen Dinkel, keine Mischungen mit Weizenlinien. Sein Biohof verkauft an Mühlen und eine Großbäckerei. Blanc kommt jedes Jahr zu dieser Besichtigung. Er hat sich schon entschieden. Er wird im Herbst Saatgut einer neuen Dinkel- und einer neuen Weizensorte beziehen, die er hier gesehen hat. Der Termin hat sich für ihn gelohnt.

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