Crailsheim Deutsch ist eine notwendige Pflicht

Wer lernen will, der bekommt Unterstützung an der VHS (von links): Joana-Carmen Oltean, Gerlind Trescher, Regiane da Silva Florencio und Kadri Peterson.
Wer lernen will, der bekommt Unterstützung an der VHS (von links): Joana-Carmen Oltean, Gerlind Trescher, Regiane da Silva Florencio und Kadri Peterson. © Foto: Julia Vogelmann
Crailsheim / Julia Vogelmann 12.07.2018
VHS-Deutschkurse können neben einem Sprungbrett ins Leben auch einen beruflichen Einstieg ermöglichen und erleichtern. Beispiele zeigen, dass es mit Fleiß und Willen funktionieren kann.

Seit 2005 ist Gerlind Trescher als Kursleiterin für Deutsch- und Integrationskurse an der VHS Crailsheim tätig. Genauso lange unterrichtet sie nicht nur, sondern begleitet Menschen dabei, sich die deutsche Sprache, Kultur und den Alltag durch Kommunikation leichter zu erschließen. „Man bekommt mit der Zeit den Blick, wie zielstrebig und ehrgeizig jemand ist. Leider habe ich auch das Gespür dafür, wenn jemand kein Durchhaltevermögen hat und früh aufgibt“, erklärt Gerlind Trescher, wie die Jahre vor der Klasse sie in ihrer Menschenkenntnis geprägt haben.

Deutlich wird dabei, wie viel Respekt sie vor all jenen hat, die sich mit Fleiß und Ehrgeiz dafür einsetzen, so schnell wie möglich Deutsch zu lernen. Was diese Menschen meist gemeinsam haben, ist ein selbst gesetztes Ziel, das sie nur erreichen können, wenn sie die Sprache hier beherrschen. Eine solche Erfolgsgeschichte ist Joana-Carmen Oltean. Die 26-jährige hat ein Medizinstudium in Rumänien abgeschlossen und möchte in Deutschland als Ärztin arbeiten. Dafür hat sie bereits in ihrem Heimatland angefangen, Deutsch zu lernen. Sie kam mit einem guten A2-Niveau vor neun Monaten hier an.

„Ich habe mich hier gleich zum Deutsch-Kurs angemeldet, denn dafür bin ich hier“, erinnert sie sich an ihre Anfänge im neuen Land. „Es hilft, zu sehen, dass es allen schwer fällt, das zu lernen“, sagt sie darüber, was ihr im Kurs geholfen hat. Sie beschreibt sich selbst als „sehr ehrgeizig“ und erzählt davon, wie sie sich selbst immer wieder in Situationen begab, in denen sie gezwungen war, Deutsch zu sprechen. „Ich habe alle Termine bei Ämtern, bei der Bank, der Versicherung selbst angenommen – ohne Hilfe. Ich wollte es selbst können.“ Dazu hat sie sich Zuhause selbständig zum Lernen hingesetzt.

Inzwischen bereitet sie sich auf den B2-Kurs vor, hat das Material dafür schon daheim. „Die Grammatik ist schwer“, stöhnt sie, doch ihr Ziel, hier Ärztin zu werden, spornt sie an. Vor Kurzem durfte sie ein vierwöchiges Praktikum am Klinikum in Crailsheim absolvieren, wo sie sich sehr wohlgefühlt hat. „Ich hoffe, Anfang nächsten Jahres habe ich den weißen Kittel an“, sagt sie.

„Ich konnte nur guten Morgen“

Ihre ehemalige Kursleiterin Gerlind Trescher hat da keinen Zweifel. Den hat sie auch nicht bei Regiane da Silva Florencio. Die Brasilianerin ist seit April 2017 in Deutschland und begann im Mai 2018 Deutsch zu lernen. „Ich konnte nix, nur guten Morgen und Hallo“, erinnert sie sich und sagt weiter: „Es hat nicht lange gedauert, da habe ich gemerkt, ich will das, ich schaffe das.“

Neben dem Kurs begann sie, sich Material im Internet zu suchen, druckte sich Grammatiktabellen aus und paukte Vokabeln. „Ich wohne hier, ich muss es lernen. Das ist notwendig und meine Pflicht“, sagt sie bestimmt. Inzwischen fällt es ihr nicht mehr schwer, eine Unterhaltung zu führen und auch sie begibt sich freiwillig in Situationen, in denn sie Deutsch sprechen muss, auch wenn es ihr auf Englisch leichter fallen würde.

Inzwischen hat sie bereits ein Vorstellungsgespräch hinter sich und arbeitet in Rothenburg im Museum. „Da habe ich das erste Mal gemerkt, dass ich es kann, dass ich es lernen kann“, blickt sie zurück. Wichtig an diesem Punkt war auch das Verständnis, das ihr entgegenschlug, die Hilfe und Unterstützung, die sie bekam. Sie ist die erste Ausländerin, die die Chance erhalten hat, im Museum zu arbeiten. Momentan sitzt sie noch an der Kasse, doch sie lernt fleißig Zahlen, Daten und Fakten, damit sie in naher Zukunft auch Führungen machen kann.

Wieder den Beruf ausüben

Neben Portugiesisch, Englisch und Französisch wird sie das dann auch auf Deutsch versuchen, irgendwann. Ihren Beruf als Krankenschwester, den sie in Brasilien ausgeübt hat, vermisst sie. Sie träumt davon, eines Tages wieder in einem Krankenhaus zu arbeiten. Deshalb lernt sie fleißig weiter, denn sie weiß: „Wer dort arbeiten will, muss gut Deutsch können.“

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