Crailsheim Dreirad fährt mit Sonne oder Strom

„Es ist sehr komfortabel damit zu fahren, die Solarmodule spenden Schatten“, sagt Heinrich Kochanek über sein Solar-Elektro-Dreirad. Den Korb hinten hat er angebaut, damit das Einkaufen noch leichter wird.
„Es ist sehr komfortabel damit zu fahren, die Solarmodule spenden Schatten“, sagt Heinrich Kochanek über sein Solar-Elektro-Dreirad. Den Korb hinten hat er angebaut, damit das Einkaufen noch leichter wird. © Foto: Luca Schmidt
Crailsheim / Luca Schmidt 21.08.2018
Heinrich Kochanek aus Crailsheim fährt mit Sonnenenergie, Strom und Muskelkraft. Er hat ein Unikat gebaut: ein Solar-Elektro-Dreirad. Dafür musste er einige Schwierigkeiten meistern.

Wenn die Sonne scheint, ist er nicht aufzuhalten, und wenn sie nicht scheint, kommt er ebenfalls gut voran: Heinrich Kochanek aus Crailsheim hat ein Solar-Elektro-­Dreirad gebaut, auf dem er durch die Stadt und die Umgebung fährt. Das Dreirad ist bei Weitem nicht das einzige ­Projekt, das der 60-jährige Referent in der Wasserversorgung bislang umgesetzt hat.

Die Idee für dieses Rad hatte er bereits vor geraumer Zeit. „Ich wollte es schon bauen, als ich 30 Jahre alt war. Damals war die Technik aber noch nicht so weit wie heute, viele Komponenten gab es nicht.“

Mit dem Bau angefangen hat Kochanek dann vor drei Jahren. „Ich habe damals eine Anzeige gesehen, in der jemand ein Dreirad verkauft hat, das für Behinderte gedacht war.“ So blieb ihm erspart, einen eigenen Rahmen zu konstruieren.

Allerdings fingen die Schwierigkeiten jetzt erst an. „Zunächst habe ich es mit einer Bleibatterie probiert – die war aber relativ schwer.“ Später stieg er auf einen Lithium-Ionen-Akku um. Der ist nicht nur leichter, sondern hat auch mehr Kapazität. Ein weiteres Problem: das Laden des Akkus mit der Sonnenenergie. Hierfür muss, vereinfacht gesagt, ein Teil eingebaut werden, dass die unkonstante Spannung des Solarmoduls so umwandelt, dass sie die Batterie lädt. „Die Hersteller geben nicht an, mit welcher Spannung der Akku geladen werden muss“, sagt der 60-Jährige. So habe er zwar eine 36-Volt-Batterie, diese müsse aber mit 42 Volt geladen werden – das habe er nach Versuchen herausgefunden. Das Teil musste er extra in den USA bestellen, weil in Deutschland 36-Volt-Batterien nicht unterstützt werden.

Mit dem Dreirad fährt Kochanek nicht nur zum Einkaufen, sondern auch weitere Strecken – 30 bis 70 Kilometer. 850 Kilometer ist er mit dem Dreirad bislang gefahren, ohne dass er den Akku aufladen musste. Wenn die Sonne einmal nicht scheint, dann fährt er mit Strom – und selber treten kann er auch. Unterwegs komme er immer wieder mit anderen ins Gespräch. „Die häufigste Frage lautet: Wo kriegt man das her und wie viel kostet das?“, sagt Kochanek.

Dabei ist das Dreirad nicht das erste Werk des 60-Jährigen – man muss sich nur in seinem Garten umschauen: Da ist zum Beispiel das Vogelhäuschen, das sich auf einer Teleskopstange nach oben fahren lässt. So können er und seine Partnerin Susanne Lutz beim Frühstücken auf dem von Kochanek gebauten Balkon den Vögeln zuschauen.

Garten voller Eigenkreationen

Außerdem stehen zahlreiche Figuren aus Ton und Stein in seinem Garten – die meisten sind von ihm gefertigt. Gebaut hat er auch schon ein Tandem, bei dem beide Fahrer lenken konnten. „Wer stärker lenkte, bestimmte die Richtung“, sagt Kochanek. Das Tandem habe er allerdings verkauft.

Ob die Tüftelei in seiner Familie liege, das wisse er nicht genau. Er habe jedenfalls in jungen Jahren damit angefangen. „Im Alter von zehn Jahren habe ich den Motor eines Mopeds auseinandergebaut“, sagt Kochanek – das war vermutlich der Moment, in dem seine Großmutter graue Haare bekommen hat. „Ich habe alles zerlegt, weil ich wissen musste, was drin ist“, betont ­der gelernte Sondermaschinenbauer.

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