Crailsheim Der Wilde Markgraf und seine Leidenschaft

In der Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach war mit Christoph Anton Hirsch ein eigener Falkenmaler angestellt. Das Ölgemälde im Ansbacher Markgrafenmuseum zeigt einen Falkner mit zwölf edlen isländischen Gerfalken.
In der Markgrafschaft Brandenburg-Ansbach war mit Christoph Anton Hirsch ein eigener Falkenmaler angestellt. Das Ölgemälde im Ansbacher Markgrafenmuseum zeigt einen Falkner mit zwölf edlen isländischen Gerfalken. © Foto: Helga Steiger
Crailsheim / Helga Steiger 06.06.2018
Bussarde sollen in Crailsheim Tauben vergrämen. Die Jagd mit Greifvögeln ist eine seit langem gepflegte Kunst, was im Gebiet der ehemaligen Markgrafschaft in Bildern und Fayencen überliefert ist.

Zwei Bussarde fliegen zur Zeit durch Crailsheim, sie werden zur Taubenvergrämung eingesetzt. Kaum jemand kann sich der majestätischen Eleganz von Greifvögeln entziehen, wenn diese durch die Luft gleiten. Sie als Jagdtiere zu dressieren, wurde ursprünglich nur im Orient gepflegt und im Mittelalter von den Kreuzrittern nach Europa gebracht. Das erste in lateinischer Sprache geschriebene Buch über die Vogeljagd verfasste der staufische Kaiser Friedrich II. selbst.

Das (verlorene) Original entstand zwischen 1241 bis 1248 in Sizilien, eine kurz danach entstandene Abschrift ist mit ihren Abbildungen ein herausragendes historisches und kunsthistorisches Werk. Das sogenannte Falkenbuch Friedrichs II. blieb als Lehrbuch für die Beizjagd bis in die Neuzeit hinein das Standardwerk schlechthin. Die erste deutsche Übersetzung entstand über 500 Jahre später: Ein leidenschaftlicher Jäger, Markgraf Karl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach, veranlasste sie im Jahr 1756.

Ein kostspieliges Hobby

Der Markgraf, zu dessen Territorium auch Crailsheim gehörte, verwaltete europaweit eine der größten Falknereien – ein sehr kostspieliges Hobby, vor allem, wenn es so betrieben wurde wie in der Markgrafschaft. Der „wilde Markgraf“ Karl Wilhelm Friedrich besaß 100 Falken, 50 Bedienstete in der Jagd sowie einen eigenen Falkenmaler. Karl Wilhelm Friedrich soll den ganzen Tag mit einem Jagdvogel auf der Hand unterwegs gewesen sein. Im Laufe seines Lebens erbeizte er 34 429 Stück Wild, was in penibler Buchführung festgehalten wurde.

Auch die immensen Kosten sind bekannt: Die Ausgaben von über 50.000 Gulden jährlich nur für die Jagd brachten die Markgrafschaft schließlich in den Ruin.

Die Leidenschaft des Markgrafen schlug sich auch in zahlreichen Gemälden nieder. Auf einem Bild des Falkenmalers Christoph Anton Hirsch aus dem Jahr 1752 sieht man einen Falkner mit einer Falkentrage. Stolz schreitet der Diener des Markgrafen, in ein adrettes Kostüm gekleidet, mit einer umgehängten Trage voran. Auf den beiden Stangen sitzen in schöner Symmetrie zwölf isländische Gerfalken, ihre Kappen auf dem Kopf. Die edlen weißen Tiere mit eleganter schwarzer Federpunktierung sind in dramatischer Weise von einem rötlichen Licht hinterfangen.

Gemälde als Vorlage

Großformatige Gemälde wie diese dienten in der Markgrafschaft auch als Vorlage für Fayencefliesen. Das 1749 in Gunzenhausen errichtete Falkenhaus wurde mit violett bemalten Fayencefliesen ausgekleidet, die alle unterschiedliche Jagdmotive zeigen – darunter findet sich auch das des Falkenträgers. Die Fayencen in Gunzenhausen stammen aus der Crailsheimer Manufaktur des Johann Georg Weiß. Im Falkenhaus sind inzwischen Kopien zu sehen. Die Originale werden im Stadtmuseum in Gunzenhausen als einer der Höhepunkte der Ausstellung gezeigt.

Nur der Fürst darf in der Luft jagen

Die Jagd mit Greifvögeln wurde in die sogenannte „niedere“ und „hohe Beize“ unterschieden. Bei der „niederen Beize“ wurden Tiere am Boden wie Hasen und Laufvögel bejagt. Diese Art der Jagd durften Adlige ausüben. Die „hohe Beize“, bei der der Raubvogel seine fliegende Beute in der Luft schlägt, war allein dem Fürsten vorbehalten.

Mit den Falken sollten Tiere erlegt werden, die außerhalb der Reichweite von Schusswaffen gesichtet wurden. Entdeckten die Jäger beispielsweise einen Graureiher, nahm der Falkner seinem Vogel die Kappe ab und warf ihn empor. Der Falke schlug das Tier von oben und ließ sich mit ihm auf den Boden nieder.

Die Jagdgesellschaft preschte in eiligem Ritt heran und versuchte, an der voraussichtlichen Landestelle anzukommen. Dem Falken wurde mit einem Fleischbrocken als Belohnung die noch lebende Beute entwendet. Dann wurde der Reiher in anderen Fürstentümern beringt und wieder freigelassen, nicht jedoch vom beutelustigen Markgraf Karl Wilhelm Friedrich.

Übrigens gab es auch jagdbegeisterte Fürstinnen: Die Damen jagten mit kleineren und leichteren Sperbern.

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