Schwimm-Schiedsrichter Der wichtige Mann im Hintergrund

Heinz Deufel ist nun seit beinahe vier Jahrzehnten als Schiedsrichter im Schwimmsport unterwegs.
Heinz Deufel ist nun seit beinahe vier Jahrzehnten als Schiedsrichter im Schwimmsport unterwegs. © Foto: Ralf Mangold
Crailsheim / Ralf Mangold 22.01.2019
Heinz Deufel ist seit beinahe vier Jahrzehnten als Schiedsrichter am Beckenrand. Durch sein Ehrenamt hat er zahlreiche Schwimmstars kennengelernt und war viel auf Reisen durch ganz Deutschland.

Eigentlich ist er nur durch Zufall zum Schwimmen gekommen: „Ich habe als Vater meine Söhne zu verschiedenen Schwimmwettbewerben begleitet“, erinnert er sich. „Einmal fehlte ein Zeitnehmer und so drohte, dass der Wettkampf ausfallen muss. Da bin ich zum ersten Mal eingesprungen.“ Schnell hatte er Gefallen an seiner neuen Aufgabe gefunden.

Um diese Aufgabe gut ausfüllen zu können, entschloss sich Heinz Deufel bald dazu, eine Lizenz als Kampfrichter abzulegen. Zwei Jahre später, also im Dezember 1979, machte der Crailsheimer dann auch noch die Schwimm-­Schiedsrichterlizenz und hat sie seitdem alle zwei Jahre verlängert. „Beim Weihnachtsschwimmen Ende dieses Jahres sind es dann 40 Jahre. Ich denke, dass wäre ein guter Zeitpunkt, um aufzuhören“, will der rüstige Ruheständler möglicherweise etwas kürzertreten. Schließlich betreut der 78-Jährige auch noch das Kinderschwimmen.

Nachdem Deufel 1983 als Schiedsrichter sogar in den Nationalkader berufen wurde, war er in ganz Deutschland unterwegs. Im Einsatz war er bei so wichtigen Wettbewerben wie deutschen Meisterschaften oder sogar bei einer Olympia-Qualifikation. Dort galt es immer wieder verschiedene Aufgaben zu erledigen wie Zielrichter, Schwimmrichter oder auch Starter.

Aus- und Fortbildungen geleitet

Wenn Deufel als Schiedsrichter im Einsatz ist, dann hat er die Oberhand über alle Wettkämpfe, stellt das Kampfgericht zusammen und trifft in strittigen Fällen letztinstanzlich Entscheidungen vor Ort. Außerdem war Deufel auch 15 Jahre lang Kampfrichterobmann im Bezirk und so zuständig für Aus- und Fortbildungen. Immerhin sechs Leute, die seine Ausbildung durchlaufen ­haben, sind inzwischen im Nationalkader. Vor rund 13 Jahren musste er altersbedingt seine Tätigkeit als DSV-Schiedsrichter ­beenden. „Früher war ich manchmal bei 25 Wettkämpfen im Jahr im Einsatz“, erinnert sich Deufel. Inzwischen ist er „nur“ noch für den württembergischen Schwimmverband tätig und rund sieben, acht Mal im Jahr im Einsatz. „Ich will eigentlich kürzertreten, aber immer wieder werde ich von Vereinen angesprochen, ob ich wieder Schiedsrichter machen könne.“

Einmal führte ihn der Zufall sogar nach Österreich zu einem Schwimmturnier in Dornbirn. „Das war eine tolle Sache, und ich war dann 20 Jahre lang dabei.“ Meist reiste er allein zu den teilweise mehrtägigen Veranstaltungen, „da musste die Familie dann schon sehr darunter leiden“. Aber nach Österreich ging es meist mit der ganzen Familie und an die Wettkämpfe wurden dann noch ein paar Tage Skifahren angehängt.

Ein schönes Nebenprodukt seiner Schiedsrichtertätigkeit waren die vielen Reisen. „Da musste ich immer Urlaub nehmen. Es war zwar nicht immer einfach, mein Ehrenamt mit meinem Beruf als Zugführer in Einklang zu bringen, aber ich lerne gern neue Menschen und Städte kennen.“ So war es fast schon Usus, dass er nach den Wettkampftagen – manchmal bis zu einer Woche – sich noch ein, zwei Tage auf Erkundungstour durch den jeweiligen Veranstaltungsort machte.

Nah dran an den Topathleten

Unzählige berühmte Topathleten wie Michael Groß, Sandra Völker oder Franziska van Almsick hat er kennengelernt. Oftmals waren die Kampfrichter im gleichen ­Hotel wie die Sportler untergebracht, und man traf sich ganz ­ungezwungen am Frühstücks­büfett. Auch im Fernsehen oder bei Zeitungsberichten war ­
Deufel oftmals zu sehen – wenn auch nur als Mann im Hintergrund.

Jeden Tag geht er auch heute noch ins Crailsheimer Hallenbad zum Schwimmen. Auch wenn er selbst nie Wettkämpfe geschwommen hat, liebt er es einfach, sich im Wasser zu bewegen. Und dann hilft er ja auch noch beim Kinderschwimmkurs mit. Ein ganz wichtiges Anliegen ist es ihm nämlich, dass alle Kinder schwimmen lernen. „Ich kam selbst einmal in die Situation und musste ein Kind reanimieren, das untergegangen war.“

Viele Urkunden und Auszeichnungen, beispielsweise die silbernen Ehrennadeln des WSV und DSV, hat Heinz Deufel für sein ehrenamtliches Engagement in den vielen Jahren erhalten. „Das größte Lob ist allerdings, wenn nach einer Veranstaltung jeder sagt, dass alles in Ordnung war“, gibt er sich dennoch bescheiden als Mann im Hintergrund, der dafür sorgt, dass alles läuft.

Das könnte dich auch interessieren:

Themen in diesem Artikel
Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel