Gschwend Der Weg der Götter

Dr. Bernhard Scheid während seines Vortrags im Gschwender Bilderhaus. Foto: Ralf Snurawa
Dr. Bernhard Scheid während seines Vortrags im Gschwender Bilderhaus. Foto: Ralf Snurawa
RALF SNURAWA 20.04.2012
Der Japanologe Dr. Bernhard Scheid aus Wien versuchte am Mittwochabend am Ende der Weltreligionen-Reihe des Bilderhauses eine Definition des Shintoismus zwischen Religion und Politik.

Zwei heiße Phasen habe es im Shintoismus gegeben, in denen man tatsächlich versucht hatte, die Verehrung des japanischen Kaiserhauses mit dem Glauben an die einheimischen Götter zu verbinden, resümierte der am Institut für Kultur- und Geistesgeschichte Asiens der Österreichischen Akademie der Wissenschaften tätige Wissenschaftler Dr. Bernhard Scheid in seinem Vortrag in Gschwend. Die eine lasse sich auf die japanische Antike festlegen, die andere auf die Moderne mit der Öffnung Japans gegenüber westlicher Kultur.

Über eine begriffliche Eingrenzung des "Shinto" als "Weg der Gottheit", aber auch als "neue Partei" oder "Osmose" und der üblicherweise verwendeten Definition von "Shinto" als "Urreligion" oder "animistische Naturverehrung", die in die Moderne gerettet worden sei, näherte sich Scheid dem eigentlichen Problem seines Vortrags "Führen alle Wege zum Tenno? - Der japanische Shinto zwischen Religion und Politik": der Widersprüchlichkeit des um den Tenno betriebenen Ahnenkultus zum Animismus.

Der Shintoismus erweise sich als urwüchsige Religion, die nichts mit dem Tod zu tun haben wolle. Allerdings vermutet Scheid hier eine Veränderung der Haltung durch den Einfluss des Buddhismus. Denn Japaner werden nach buddhistischem Ritual begraben. Seitdem wird alles, was mit dem Tod zu tun hat, vom Shintoismus tabuisiert. Er sei nur für die freudigen Dinge des Lebens zuständig.

Dennoch wurde im Shinto in den zwei genannten Phasen auf den Tenno fokussiert. Das erste Mal in der Tenmu-Dynastie (ab 672) kam es gleichzeitig zur Etablierung des antiken Staatswesens. Sie war geprägt durch eine militärische Bedrohung vonseiten Koreas und Chinas. Japanische Truppen wurden beim Rückeroberungsversuch des Festlandstützpunktes Kaya im Süden Koreas vernichtend geschlagen.

Unter der Tenmu-Dynastie kam es zum Ausbau des Ise-Schreins, des wichtigsten Shinto-Schreins in Japan, und zur besonderen Verehrung der Sonnengottheit Amaterasu. Die Göttermythen wurden neu verfasst und ein Götteramt bei Hof eingeführt. Außerdem orientierte man sich hinsichtlich Sprache, Schrift und des Rechts- und Verwaltungsapparats an China.

Parallelen zur japanischen Antike finden sich in der Moderne, der nach dem herrschenden Tenno benannten Meiji-Zeit. Japan öffnete sich aufgrund westlicher Bedrohung, vor allem durch die USA, 1853. Das westliche Bildungs-, Rechts- und Verwaltungssystem wurde übernommen und das Militär am Westen orientiert. Es kam zur Trennung von Buddhismus und Shintoismus. Der Staatsshinto mit seiner Verehrung von Staat und Tenno durch das Volk wurden eingeführt. Neue Schreine entstanden, darunter Yasukuni zur Verehrung der Kriegshelden und Meiji als Mausoleum des Kaiserhauses.

Zentralisierung, Nationalisierung trotz gleichzeitiger Internationalisierung und Modernisierung seien also, so Scheid, die ausschlaggebenden Elemente, um zu einer gottgleichen Verehrung des Tenno, des japanischen Kaisers, zu führen. Auf die "Kami", die Schreingötter, und einer damit verbundenen Art von Volksreligion hätten sich der kaiserliche Ahnenkult ebenso ausgewirkt wie Folklore und Legenden, der Buddhismus sowie die Moderne und der Staatsshinto.

Info Ausführlichere Informationen über den Shintoismus bietet Dr. Bernhard Scheid über die Homepage www.univie.ac.at/rel_jap/.