Der Teufel und die Antihelden

Szene aus dem Stück"Scherz, Satire, Ironie . . ." Foto: Freilichtspiele /Jürgen Weller
Szene aus dem Stück"Scherz, Satire, Ironie . . ." Foto: Freilichtspiele /Jürgen Weller
RALF SNURAWA 17.08.2012

Ein anderer deutscher Schriftsteller, der in seinen Mängeln eben so großartig ist wie in seinen Vorzügen, jedenfalls aber zu den Dichtern ersten Ranges gezählt werden muss, Herr Grabbe, hat den Teufel . . .ebenfalls vortrefflich gezeichnet." Schon Heinrich Heine wusste Christian Dietrich Grabbe und seine Werke richtig einzuschätzen. Bei den Freilichtspielen Schwäbisch Hall findet diese Einschätzung durch die Inszenierung des Lustspiels "Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung" durch Donald Berkenhoff im Globe-Theater eine Bestätigung.

Auf einem grünen Kunstrasen, umrahmt von leeren Flaschen, die einst Hochprozentiges beherbergten, und vor einem aufgemalten Theatervorhang wird hier die Selbstbespiegelung des Theaters im Jahr 1822 ausgebreitet. Grabbe verstand es geschickt, diese Selbstbespiegelung über weite Strecken hinter der Unterhaltungssucht des Barons und seiner Familie und den gern ausgekosteten Intrigen des Teufels zu verstecken.

Der Teufel war zuvor wegen eines Putzanfalls seiner Großmutter in der Hölle auf die allzu kalte Erde geflohen. Jonas Vietzke, herrlich auch in der Rolle als Gottliebchen, durfte sich als Teufel, der Ratzingers Schriften zum Einschlafen liest, lustvoll an seiner Figur ausleben. Grabbe hatte für den Teufel nach der herrlich kauzig von Henning Bormann und Steffen Scheumann dargebotenen Einstufung des Teufels durch die Naturhistoriker als Pfarrerstochter schließlich die sich aufs Theater beziehende Funktion des Generalsuperintendenten vorgesehen.

Eine der gewichtigeren Figuren des skurrilen Lustspiels ist der Schulmeister, der natürlich sofort erkennt, dass es sich hier nicht um den Generalsuperintendenten, sondern um den Teufel höchstpersönlich handelt. Jochen Neupert spielte ihn als dem Schnaps verfallenen Sadisten. Zusammen mit dem Schmied Konrad heckt er den Plan aus, den Teufel zu fangen und zur Jahrmarktsattraktion werden zu lassen.

Der Teufel selbst versucht, Liddy, die Nichte des Barons von Haldungen, erfrischend lebhaft und entschlossen von Stephanie Kämmer interpretiert, den buhlenden Liebhabern abspenstig zu machen. Da ist der mit Liddy schon verlobte Herr von Wernthal - immer knapp bei Kasse und durchaus nervös. Andreas Sindermann durfte als Schauspieler zu sich selbst in Konkurrenz treten und dessen Kontrahenten, den Freiherrn von Mordax, mit Lust am Morden von 13 Schneidergesellen darstellen. Ein weiterer in Liddy Verliebter ist Herr Mollfels, den Henning Bormann mit viel Sinn fürs Depressive ausstattete.

Auch am Hof des Barons ist der verzweifelte Dichter Rattengift, Christoph Schüchner, mit sich selbst kämpfend tätig. Da entfährt ihm schon einmal ein "Ich erschrecke an meiner poetischen Kraft." Oder lässt er Grüße an Goethe, Schiller, Lessing und Kleist in die Hölle entrichten. Der Dichter ist in Grabbes Stück - bis auf Liddy - einer der unzähligen Antihelden, der der von Ralf Siedhoff auf Drums und Klavier ständig intonierten "Musik ihrer Bewegungen" folgt.

Wirklich scherzhaft wird es im Stück aber erst mit dem Betrinken, dem sich Herr Mollfels gegen seine Depressionen hingibt, dicht gefolgt, wenn nicht gar überholt vom Schulmeister und dem Gottliebchen. Am romantischen Waldhäuschen in Lopsbrunn kommt es zum furiosen Finale, in dessen Verlauf Liddy sich Mordax durch Messerstich entledigt. Wernthal geht, ganz modern Fiktion und Realität verschmelzend, in die Verbannung ins Publikum, denn Mollfels erhält Liddys Hand. Schließlich erscheint Grabbe selbst, über den der Schulmeister feststellt, dass er auf alle Schriftsteller schimpfe und doch selbst nichts tauge. Grabbe wird erschossen. Das Stück ist damit zu Ende.

Info Weitere Aufführungen am heutigen Freitag, am 22., 23., 28., 29., 30. und 31. August sowie am 1. September jeweils um 20 Uhr im Globe.

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