3,30 Meter hoch, unten 38 Zentimeter und oben 20 Zentimeter breit, 620 Kilogramm schwer, hergestellt aus Muschelkalk, der bei Würzburg gebrochen wurde - das sind die äußerlichen Eckdaten der Skulptur, mit der Franz Raßl einen Wettbewerb der Stadt Künzelsau gewonnen hat.

Religiöse Symbole schieden für die Gestaltung des "Raums der Stille" aus, weil dieser Saal, in dem die Trauerfeiern stattfinden, Angehörigen aller Religionen dienen soll. Eine mit Platten aus Muschelkalk verkleidete Wand, die Raßl an die horizontale Schichtung des Gesteins erinnert, Licht, das von oben auf die Wand fällt, ohne das man sieht, woher das Licht kommt, das eine "extrem plastische Wirkung" hervorruft und das den Raum nach oben zu öffnen scheint - das ist das, was Raßl in dem Saal vorgefunden hat. Hier hat der 60-jährige Künstler eine Stele platziert, deren vertikale Ausrichtung die horizontale Gliederung der Wand durchbricht. Der Stein scheint vor der Wand zu schweben, weil er an einem einzigen, für den Betrachter unsichtbaren Bolzen aufgehängt ist.

Die Stele verjüngt sich nach oben und ist an den Seiten konkav zugeschliffen, was den Eindruck verstärkt, der Stein strebe nach oben. "In dieser Richtung nach oben sind Sehnsucht und Hoffnung manifestiert", sagt Raßl dazu. Der Muschelkalk erinnere dagegen mit seiner horizontalen Schichtung an Ablagerungen. "Hier setzt sich etwas zur Ruhe", meint Raßl, der bei Alfred Hrdlicka studiert hat.

Unübersehbar sind auf der Vorderseite der Stele die Bohrlöcher, mit deren Hilfe der Stein im Steinbruch gespalten worden ist. Raßl hat den Muschelkalk mit einem Bohrer gewissermaßen perforiert und dann mit Spaltkeilen geteilt. "Wie im Leben baut sich dabei im Stein eine Spannung auf, die nicht sichtbar ist", erzählt Raßl. Wenn der Stein dann reiße, dann sei das ein Symbol der Trennung, wie sie endgültiger nicht sein könne. "Die andere Hälfte des Steins ist für immer weg, aber man sieht noch eine Spur von ihr", meint der Künstler, "es bleibt etwas übrig.

Info Voraussichtlich im April soll die Stele öffentlich vorgestellt werden.