Menschen Der Stadt Sternstunden schenken

Romi Seebohm-Mitsch freut sich an jedem neuen Kultic-Programm.
Romi Seebohm-Mitsch freut sich an jedem neuen Kultic-Programm. © Foto: bt
Crailsheim / Birgit Trinkle 13.02.2018

Längst schon sieht sie sich als Crailsheimerin. Der Weg, den sie gewählt hat, um hier daheim zu sein, ist einer, der jeder Stadt guttut: mitdenken, mitreden, mitmachen. Romi Seebohm-Mitsch, die neue Vorsitzende von Kultic, hat praktisch von Anfang an in der Kultur­initiative mitgearbeitet und einiges zu erzählen aus nunmehr 20 Jahren, in denen unterschiedlichste Veranstaltungen das Leben in der Stadt bereichern.

In die Wiege gelegt wurde ihr Hohenlohe nicht: Dass sie nach dem Deutsch- und Mathematik-Studium in Heidelberg als Referendarin in den Landkreis Hall versetzt wurde, fand sie nicht eben begeisternd. Jedes Wochenende fuhr die geborene Mannheimerin zurück nach Heidelberg – was heute nicht nur aufgrund der verstopften Autobahnen, sondern auch der schieren Fahrleistung wegen eher abwegig wäre. Der Praxis-­Schock, den wohl alle jungen Pädagoginnen erleben, legte sich, aber das Stadtleben behielt seinen Reiz: Als junge Lehrerin lebte und unterrichtete sie für kurze Zeit in Heilbronn. Zunächst der Liebe wegen zog sie doch wieder nach Hohenlohe zurück, und dieses Mal kam sie, um zu bleiben. Sie unterrichtete in Fichtenau, Honhardt und Ingersheim, war bis zur Verabschiedung in den Ruhestand Konrektorin der Leonhard-Sachs-Schule. Sie hat zwei Kinder zur Welt gebracht und mit jedem Jahr mehr ihren Lebensmittelpunkt in Crailsheim gefunden.

Für Kulturfreunde

Das Kulturprogramm sei klasse, sagt sie und bezieht sich damit nicht nur auf Kultic, sondern auch auf die Theatergemeinde, die Konzertgemeinde und den Verein „Adieu Tristesse“, alles Institutionen, die von Menschen leben, die sich nicht einfach zurücklehnen und auf Bespaßung warten.

Generell trägt auch sie nach Kräften zu einem lebens- und liebenswerten Crailsheim bei. Als politisch denkender Mensch, auch als passionierte Radfahrerin setzte sie sich schon vor Jahren in der damals noch aktiven BUND-Ortsgruppe für einen effizienteren ÖPNV und für ein Radwegekonzept ein. Seit ihrer Pensionierung kann die 63-Jährige grundsätzlich dem Ehrenamt mehr Zeit schenken, und so ließ sie sich im vergangenen Jahr als Nachfolgerin von Wolfgang Hägele zur Vorsitzenden der Kultur­initiative in Crailsheim, Kultic, wählen – im Vorstand engagiert ist sie seit Langem. Sie liebt Kleinkunst, und in all den Jahren, so sinniert sie, war die Kultic-Arbeit immer mehr Bereicherung als Belastung. Ganz gleich, ob nach Ulrich Tukurs Auftritt noch lange gelacht und geredet wurde, oder ob ab und an das von ihr so geschätzte Tanztheater nach Crailsheim gebracht werden kann: Es gab und gibt viele Sternstunden.

Ein Händchen für Talente

Das Kultic-Team ist stolz darauf, immer wieder Talente zu erkennen und zu engagieren, die später so bekannt und gefragt sind, dass sie das Budget der Initiative sprengen. Das „Händchen“ bei der Programmauswahl kommt mit der Erfahrung und mit der Freude an Kleinkunst, sagt Seebohm-Mitsch. „Den müsst ihr nehmen“ reicht den Kultic-Leuten nicht, auch nicht ein You­tube-Video: Sie schauen sich selbst an, live, was sie in die Horaffenstadt holen. An Blues, Jazz, Lesung und Kabarett gibt es nur den einen Anspruch: Gut muss es sein. Viele Ideen finden die Ehrenamtlichen bei der Kulturbörse in Freiburg. Immer wieder stehen Ausfahrten in den Großraum Stuttgart oder Nürnberg an, Gagen und Termine werden abgestimmt, bis beim „Programm-Wochenende“ im März mit dem Instrument der demokratischen Abstimmung der Ver­an­­stal­tungskalender für die neue Saison festgezurrt wird.

Seebohm-Mitsch ist „sehr froh“ über die finanzielle Unterstützung durch die Stadt, ohne den dieses Kleinkunstprogramm nicht zu stemmen wäre. Kein Gespräch mit Kulturschaffenden über ihre Arbeit in Crailsheim, ohne dass die fehlende Stadthalle Thema ist. Eine Stadthalle mit fester Beleuchtung und Beschallung wäre wunderbar, meint auch Seebohm-Mitsch, aber mit Rathaussaal und Ratskeller kommt der Verein klar. Für die Bühnen-Technik muss dann halt professionelle Hilfe bemüht werden, die das jährliche Budget allerdings stark belastet.

Die Anforderungen steigen

In den ersten Jahren haben die Mitglieder Hand angelegt, die Ausrüstung für Ton und Licht selbst durchs Rathaus geschleift. Aber mit zunehmender Komplexität der Anlagen war das kaum noch möglich. Zwischen 60 und 100 Zuschauer sind es heute, es gab schon über 200, auch mal eine Veranstaltung im Hangar, „aber das ist nicht unsers“.

Typisch Kultic ist der Jazz mit Stephan-Max Wirth am 24. Februar im Forum der Sparkasse. Mit Vince Ebert, der Kabarett und Wissenschaft zusammenbringt, stemmt Kultic am 17. März die erste Kulturveranstaltung in der neuen Halle in Jagstheim, und Philip Simon und die Hohenloher Lokalmatadoren  von „Grand Malheur“ locken in dieser Saison. Romi Seebohm-Mitsch freut sich auf all diese Veranstaltungen. Aber nicht nur das lässt sie so oft und so gern lächeln. Seit eineinhalb Jahren findet sie den „Omadienst“ beglückend – regelmäßig und gern kümmert sie sich ums Enkelkind.