Einmal noch das letzte Wort haben – das ist Ehre und Bürde zugleich. Diese Erfahrung hat Dennis Cramer gemacht, als er am Donnerstag als letzter Redner bei seiner Verabschiedung als Rektor der Realschule zur Flügelau (RzF) ans Rednerpult trat. Zuvor hatte er viele herzliche Dankesworte über seine zehnjährige Schulleitertätigkeit hören, Erinnerungen teilen und gute Wünsche für die Zukunft entgegennehmen dürfen, die ihm seine Vorredner mit auf den Weg gegeben hatten.

Mit sehr persönlichen Worten nahm Cramer Abschied von seinen beruflichen Wegbegleitern und betonte, dass es ihm nicht leichtfalle, seine Schule in schwierigen Zeiten wie diesen allein zu lassen. Die Crailsheimer Schullandschaft und mit ihr die Realschule zur Flügelau stehen vor großen Veränderungen.

Doch er habe nicht widerstehen können, als Kirche und Berg gemeinsam riefen: Dennis Cramer wird Leiter des christlichen Bildungshauses Hotel Martha-­Maria in Hohenschwangau, im Dorf der Königsschlösser am Alpsee im Allgäu. Dafür gibt er seinen Lehrerberuf auf und verzichtet auf seinen Beamtenstatus.

Seinem Kollegium, einem „kreativen Schatz, der die Flügelau weiterhin beflügeln wird“, und seinem Nachfolger, der, so hofft er, schnell gefunden werde, hinterließ er drei Botschaften über letzte Worte: Sie sollten erst nach reiflicher Überlegung, nachdem man die Perspektive gewechselt habe und in einer Form, die garantiere, dass ein Miteinander möglich bleibe, gesprochen werden.

Dass Cramer seine Worte stets mit Bedacht wählte, ganz gleich ob er mit Schülern, Eltern, Lehrerkollegen, Vertretern des Schulträgers oder Schulamts sprach, bestätigten sämtliche Redner der Abschiedsfeier. „Die Realschule zur Flügelau hat sich unter Ihrer Leitung immer und stets weiterentwickelt – wenn auch nicht zur Ganztagesrealschule“, sagte Ursula Jordan. Die neu übertragene Führungsaufgabe möge Cramer genauso gut gelingen wie seine Aufgabe an der Realschule, so die Leiterin des staatlichen Schulamts Künzelsau.

Schule Dennis Cramer sagt „Auf Wiedersehen“

Hannes Bewersdorff, Ressortleiter Bildung und Wirtschaft, überbrachte Dank und gute Wünsche des Schulträgers und beugte Gerüchten vor, Cramers Ausscheiden aus dem Schuldienst hänge mit den bewegten Zeiten am Bildungsstandort Crailsheim zusammen: „Es gibt keinerlei Wirkzusammenhang.“ Er verglich die Realschule im Crailsheimer Westen mit einem kleinen gallischen Dorf, das dem Trend nicht nachgegeben habe und den Crailsheimer Weg der Ganztagesbetreuung nicht mitgegangen sei. „Sie haben sich damit eine Nische geschaffen.“ Bewersdorff hob lobend hervor, dass die soziale Verantwortung fest in den täglichen Schulbetrieb eingewoben sei.

Förderer religiöser Bildung

Dem konnte sich Schuldekan Hans-Jürgen Nonnenmann nur anschließen, der bedauerte, mit Cramer einen „Freund und Förderer der religiösen Bildung und Erziehung“ zu verlieren. Und der geschäftsführende Schulleiter der Crailsheimer Schulen Ulrich Kern ging der Frage nach, was seinen Realschulleiterkollegen dazu bewogen haben könnte, dem Schuldienst und der Stadt Crailsheim den Rücken zu kehren. Damit er im schönen Allgäu zwischen Bergen und Seen Crailsheim nicht vergesse, schenkte er ihm einen Horaff aus Muschelkalk.

„Ich wäre lieber nicht hier, denn Trauerfeiern sind nicht mein Ding“, gab der Elternbeiratsvorsitzende Uwe Reimesch seinem Bedauern über Cramers Weggang Ausdruck und sinnierte darüber, warum der Rektor auch in schwierigen Zeiten stets sein Lächeln behalten konnte. Am Ende war ihm klar: „Weil er eine tolle Zukunft vor sich hat.“

Cramers Stellvertreterin Anja Brückner bescheinigte ihrem Chef, dass er in seinem zehnjährigen Wirken und Tun an der RzF Mut bewiesen habe – etwa den Mut, unbequeme Wege zu gehen, Konflikte anzusprechen, für seine Ideale einzustehen oder auch ein Schüler-Feedback entgegenzunehmen.

Und was war nun das letzte Wort des scheidenden Schulleiters? Es war weder Rückblick noch Dank oder Bedauern, sondern ein echtes Anliegen: „Ich hoffe, dass bei der Diskussion über die Zukunft der Schule das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.“

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