Stadtfeiertag Der Po als echte Herausforderung

Die Schauspieler erhalten viel Applaus nach ihrer Darbietung im Hangar.
Die Schauspieler erhalten viel Applaus nach ihrer Darbietung im Hangar. © Foto: Guido Seyerle
Crailsheim / Guido Seyerle 08.02.2018

Erstes Bürgerfest zum Stadtfeiertag, Neubürgerempfang, Premiere des Theaterstücks „Keck und unerschrocken, die Horaffensaga“: Der  Dienstagabend hatte verschiedene Funktionen. Und dann gab es noch einen, der leise Servus sagte. Der vor einer Woche aus dem Amt des Oberbürgermeisters ausgeschiedene Rudolf Michl freute sich mit weiteren rund 800 Besuchern im Crailsheimer Hangar am abwechslungsreichen Programm.

Der bekannteste Neubürger dürfte Dr. Christoph Grimmer gewesen sein. „Ich bin seit sechs Tagen auch wieder einer von uns“, begrüßte er die Gäste von der Bühne. „Ich habe mich wieder eingebürgert und bin gespannt auf die Entdeckungen, die ich hier machen kann.“ Der Oberbürgermeister wünschte, dass sich möglichst viele Neubürger bei den Vereinen wie den Landfrauen und Institutionen wie dem THW informieren, die sich an der Seitenwand des Hangars präsentierten. Die Nachfrage zum Ende der ersten von zwei längeren Pausen beim Liederkranz Onolzheim zeigte, dass Interessierte Infoflyer mitgenommen haben – die Basis für mögliche neue Sängerinnen und Sänger.

Den zentralen Programmpunkt des Abends bildete die Horaffensaga, die von Stadtrat Gernot Mitsch (Text und Regie) als 20-minütiges Theaterstück inszeniert worden war. Vor dem kunstvoll vom Baubetriebshof gestalteten Bühnenbild kamen 25 Schauspieler zum Einsatz. Der damalige Bürgermeister von Crailsheim (Hans-Joachim Pauschinger) rang eindringlich mit der Situation der belagerten Stadt: „Wir starten den letzten Versuch der Befreiung.“ Stadthauptmann (Andreas Petrou) und weitere Mitbürger berichteten von katastrophalen Zuständen. Mensch und Tier hätten nichts mehr zu essen. „Ich weiß mir keinen Rat mehr.“ Doch die Frauen würden fordern, bis zum letzten Blutstropfen zu kämpfen.

Es gibt Horaffen für alle

Die Frau des Bürgermeisters, überzeugend dargestellt von Annegret Paerschke, hatte eine Idee: „Morgen ist der Tag der Gräfin Adelheid. Wir werden 50 Dutzend Stück Festtagsgebäck anfertigen lassen.“ Morgens um 6 Uhr standen die Crailsheimer auf der Stadtmauer, die Frau des Bürgermeisters entblößte ihr beeindruckendes Hinterteil. Die Zuschauer johlten, während die Einheimischen die Befreiung von den Dinkelsbühlern, Rothenburgern und Hallern feierten und Horaffen auf die Flüchtenden warfen. Moderatorin Bettina Klein schickte noch ein Schmankerl hinterher: „Der Lebensmittelüberschuss reicht auch heute noch für Sie.“ Es gab Horaffen mit Mohn- und Kräuter­überzug für alle.

Danach berichtete Annegret Paerschke von den rund zwei Monaten Vorbereitungszeit. Vor allem die Dimensionierung des Hinterteils stellte eine große Herausforderung dar: „Wir haben mehrere davon bestellt. Einige waren zu klein, andere passten nicht. Deshalb wurde letztendlich etwas passend gemacht.“ Dieses hatte die Form eines überdimensionierten Kissens.

Ein Gurt zur Sicherung

Vor allem das Herunterstrecken des Hinterteils von der vier Meter hohen Kulisse war eine Herausforderung. „Ich musste mich in die Hocke stellen und dann mit den Händen am Gerüst festhalten. Außerdem war ein Gurt zur Sicherung vorgeschrieben“, sagte die 45-Jährige, die über Büh­­nen­erfahrung verfügt. „Es war ein großer Spaß, und ich freue mich, dabei gewesen zu sein.“ Gernot Mitsch konnte nur zustimmen: „Ich bin mit der Leistung aller Beteiligten sehr zufrieden.“

Das Konzept des Bürgerfestes kam beim Publikum an. Die Mischung aus Tanz, Akrobatik und Musik war kurzweilig. Das Programm präsentierten heimische Vereine und Gruppen wie die Turnerinnen des VfR Altenmünster und das Movin. Außerdem waren Künstler von außerhalb wie der Akrobat Ihor Yakymenko verpflichtet worden (er vertrat den erkrankten Sebastian Stamm hervorragend).

„Crailsheim wünschte sich so eine Veranstaltung“, sagte Rudolf Michl – und fügte hinzu: „So ein Bürgerfest hat es in Crailsheim nach der Zeit von OB Zundel lange nicht mehr gegeben.“ Er selbst orientiert sich nun wieder in Richtung seiner Heimat Gelnhausen östlich von Frankfurt. Dort baut er gerade an einem Holzhaus. Michl, der in Zukunft öfter frühmorgens durch den Wald wandern möchte, zeigte sich vorgestern Abend aufgeräumt: „Das ist spannend zu beobachten.“ Und sein Nachfolger Grimmer? Der baut an der Zukunft Crailsheims.

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