Was für eine Tradition! Wenn die Siebenbürger Sachsen Crailsheim zu ihrem Fasching rufen, dann ist die Turn- und Festhalle in Ingersheim bis auf den letzten Platz gefüllt. Am Samstag war bei der 40. Faschingsparty erneut die beliebte Band „Schlager-Taxi“ gebucht worden. Ihr Arbeitspensum: eine Stunde Schlager spielen ohne Pause, dann maximal 10 bis 15 Minuten Pause. Zwei Jahre im Voraus muss die doppelte Vater-Sohn-Combo unter Vertrag genommen werden. Die meisten der 350 Gäste tanzten dementsprechend intensiv, vor allem Standard. Dazwischen blieb kurz Zeit, sich zu unterhalten – oder die würzig-feine Siebenbürger Bratwurst plus den Sächsischen Krapfen als Nachtisch zu verspeisen. „Von der Jugend bis zum Alter sind alle da“, beschrieb Reinhold Bruckner die Altersspanne. Der Vorsitzende der Siebenbürger Sachsen in Crailsheim war mit seinem Team für die Vorbereitung zuständig. Ihr Motto: „Tradition und Spaß“.

Wer je mit Müdigkeit zu kämpfen habe, dem empfahl er mit einem Augenzwinkern einen „Pali“ (übersetzt: Birnenschnaps). Während Bruckner am Eingang saß, kamen immer wieder engagierte Tanzpaare an ihm vorbei, die sich kurz an der frischen Luft abkühlten und dem Vorstand anerkennend auf die Schulter klopften. Diese Faschingsveranstaltung hat einen Ruf weit über die Region hinaus. Sogar Gäste aus dem Stuttgarter und Würzburger Raum reisten an.

„Wir wussten, dass diese Band spielt. Und wir kommen gerne hierher“, sagte der Heidenheimer Patrick Dengel. Der 23-Jährige gehört zu einer Tanzgruppe, die engen Kontakt zur Crailsheimer Gruppe pflegt. Man kennt sich und man besucht sich gerne. Spätestens beim Kronenfest im Juni/Juli oder beim Katharinenball im November wird man sich wieder sehen. Wobei es den älteren Verantwortlichen sehr wichtig ist, die Jugend früh genug in das Vereinsleben einzubeziehen. Reinhold Bruckners Sohn Marc antwortete spontan auf die Frage, wie viele Siebenbürger-Faschinge er, diesen mitgezählt, schon erlebt habe: „18.“ Marc wird demnächst 19. Er war bereits im Kinderwagen mit dabei, bestätigte sein Vater.

Die Jungen haben Spaß

Doch für die ganz jungen Feiernden war das Fest vor Mitternacht zu Ende. Renate Jäger musste ihre Enkel ins Bett bringen. Davor sagte sie noch: „Das Fest hat sich immer weiterentwickelt. Der Generationswechsel ist gut gelungen. Geselligkeit und Gemeinschaft sind stark.“ Das bestätigte auch Friedrich Wegendt, der vor Bruckner das Amt des Vorsitzenden acht Jahre lang innehatte: „Die Jugend übernimmt immer mehr Verantwortung.“ Das Verpassen des Faschings ist für ihn keine Option: „Auch mit einer Erkältung muss man hin. Da muss schon etwas Schlimmeres kommen.“ Bis 2 Uhr nachts wurde dann das Tanzbein geschwungen.