Ernährung Insulin-Indianer klärt über Blutzucker auf

Theorie zum Anfassen gibt es in den Kursen von Birgit Köhnlein. Zum Verdeutlichen helfen ihr Legosteine.
Theorie zum Anfassen gibt es in den Kursen von Birgit Köhnlein. Zum Verdeutlichen helfen ihr Legosteine. © Foto: Julia Vogelmann
Crailsheim / Julia Vogelmann 14.02.2019
Birgit Köhnlein gibt Kurse zu gesunder Ernährung. Bewusster Umgang mit Nahrungsmitteln und die praktische Umsetzung gehen bei ihr Hand in Hand.

Ernährung, die Wirkung von Nahrungsmitteln auf den Organismus und der sichtbare Effekt auf die Gesundheit haben Birgit Köhnlein schon immer interessiert. Die Behandlung eines bösartigen Knotens an der Schilddrüse führte dazu, dass sie sich nicht nur als Wechseljahrberaterin ausbilden ließ, sondern auch zur Beschäftigung mit gesunder Ernährung.

„Der Fokus der Ausbildung lag tatsächlich in der Umstellung der eigenen Ernährung“, erinnert sich Birgit Köhnlein. Umstellung, das hieß von da an keine Convenience-­Produkte und kein helles Mehl mehr, Süßes reduzieren und den Gemüseanteil erhöhen. Als „natürliche Ernährung“ fasst sie das zusammen. Anderthalb Jahre hat die Umstellung gedauert. In dieser Zeit ließ die zweifache Mutter die Veränderungen schleichend in den Ernährungsplan einfließen und ersetzte Stück für Stück schlechte Gewohnheiten durch gute. „Jetzt ist es ein Automatismus, eine komplette Haltungsänderung“, sagt sie.

Insulin-Indianer als Hilfsmittel

Dass die Umstellung mit Disziplin zu tun hat, verneint sie. „Ich weiß um die Auswirkungen auf meinen Körper. Das hilft mir, es zu wollen. Ich bin fitter, leistungsfähiger, besser konzentriert und leichter“, betont sie. Was als persönliches Interesse begann, das Einlesen in Ernährungskonzepte, die Beschäftigung mit Nahrungsmitteln und ihren Wirkweisen, mündete schließlich in eine Ausbildung als Foodcoach.

„Ich wollte das nicht für mich behalten“, erklärt sie, weshalb sie beschloss, Kurse zu geben, in denen sie nicht nur praktische Kochtipps zu Clean Eating oder Food-Prep anbietet, sondern auch ihr fundiertes theoretisches Wissen weitergibt. Das passiert übrigens ganz anschaulich mit großen Legofiguren. Ein kleiner Insulin-­Indianer zeigt in seinem Boot, wie der Blutzuckermechanismus funktioniert. „Da gibt es viel Unwissen, und wenn Wissen da ist, dann scheitert es meist an der Umsetzung im Alltag“, zeigt die Kursleiterin Verständnis für die Startschwierigkeiten, die viele Menschen bei der Ernährungsumstellung haben.

Sie selbst schreibt sich jedes Wochenende einen Ernährungsplan für die Folgewoche. Sie plant, was sie kocht, wann sie Zeit hat, aufwendiger zu kochen oder wann ein Vollkornbrot mit Butter genügen muss. „Das ist sehr individuell. Jeder braucht was anderes, jeder mag was anderes“, macht sie Mut, sich nicht von der Angst vor einem Ernährungs-­Korsett abschrecken zu lassen.

Köhnlein will sensibilisieren

Was neben der Ernährung wichtig ist, ist Bewegung. „Damit habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht während meiner Krankheit. Ich habe deutlich gespürt, was Bewegung ausmacht“, sagt sie. Täglich fährt sie mit dem Fahrrad zur Arbeit als technische Zeichnerin, macht viel Nordic Walking, geht ins Fitnessstudio und zum Pilates.

Ihre Kurse an den Volkshochschulen in Crailsheim und Ellwangen sieht die Stimpfacherin als Einstieg für die Teilnehmer. „Wenn ich etwas erreichen will, dann geht es daheim erst richtig los“, sagt sie lachend. Dennoch findet sie es gut, wenn Leute sich anmelden, um einmal reinzuschnuppern, zu hören und zu lernen, wie zum Beispiel eine zuckerfreie Ernährungsphase aussehen könnte, ohne danach gleich ihr Leben komplett umzukrempeln.

„Mir ist es wichtig, zu erklären, zu sensibilisieren“, sagt sie und zeigt noch einmal auf die Legosteine, die sie aufgebaut hat. Verzicht ist dabei nicht der vordergründige Gedanke, sondern eine Entlastung des Körpers in mehrerlei Hinsicht. Mit Blick auf den Insulin-Indianer im Boot sagt sie: „Der will manchmal auch einfach nur chillen.“

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