Skulptur Der geheimnisvolle Fischbezwinger

Der Kapellenbrunnen mit dem Fischbezwinger ist frühestes Beispiel für eine öffentliche Wasserversorgung in der Stadt.
Der Kapellenbrunnen mit dem Fischbezwinger ist frühestes Beispiel für eine öffentliche Wasserversorgung in der Stadt. © Foto: Helga Steiger
Crailsheim / Helga Steiger 27.07.2018
Der Kapellenbrunnen steht schon seit dem Mittelalter auf seinem Platz an der Liebfrauenkapelle. Er hat eine wechselhafte Geschichte, seit rund 30 Jahren krönt ihn wieder das „Brunnenmännle“.

Die Versorgung mit frischem, sauberem Wasser ist in einem Gemeinwesen seit jeher die wichtigste Lebensgrundlage und wird als Aufgabe der städtischen Verwaltung angesehen. Dass sich die Crailsheimer Stadtväter schon im Mittelalter um den Erhalt und Ausbau eines Wassernetzes kümmerten, belegen die Stadtrechnungen. Die Register mit den Ausgaben des Baumeisters zeigen, dass bereits 1450 regelmäßig Knechte für die Reinigung der hölzernen Wasserrinnen bezahlt werden, in denen das Frischwasser von Goldbach her in die Stadt geführt wurde. Und in größeren Abständen wurden Brunnenmeister von auswärts in die Stadt geholt, um die technisch anspruchsvollen Bohrungen vorzunehmen.

Beispiel für Wasserversorgung

In Crailsheim ist der Kapellenbrunnen das früheste Beispiel für eine öffentliche Wasserversorgung. Er wird bereits in den ältesten Stadtrechnungen erwähnt. Allerdings hatte er damals noch nicht das heutige Aussehen. Dieses lässt sich für die frühe Zeit nur rekonstruieren: In den Stadtrechnungen werden Bodenschwellen und Eichentröge genannt.

In der Renaissancezeit wurde der Brunnen neu gestaltet. Er erhielt ein sechseckiges steinernes Becken, in dessen Mitte eine hohe Brunnensäule errichtet wurde. Auf diese Säule wurde das „Brunnenmännchen“ gestellt: ein junger Mann, der auf einem Delphin steht. Dabei hat er sein rechtes Bein angewinkelt auf dem Kopf des Tieres aufgesetzt. Zwischen seinen Beinen ist der Schwanz des Delphins von hinten nach vorne durchgeführt, der Mann greift das nach oben gestreckte Ende. Seine rechte Hand hat er erhoben. Sein Körper ist nur teilweise von einem Mantel bedeckt. Der Delfin, das Wassertier, wurde offenbar von ihm bezwungen.

So könnte die Skulptur als ein Sinnbild für die Bändigung der Wassergewalt gedeutet werden. Seit dem Mittelalter finden sich an städtischen Brunnen christliche Bildprogramme, die das Eingebundensein einer Stadt in die göttliche Ordnung zeigen. Ab etwa 1500 präsentieren profane Brunnenfiguren auch selbstbewusst Stärke und Reichtum der Stadt.

Die Crailsheimer Skulptur, die sich heute auf der Säule befindet, wurde vom Steinmetzbetrieb Mietz als Kopie angefertigt. Denn der Kapellenbrunnen war 1901 abgebaut worden, als Crailsheim an die Fernwasserversorgung angeschlossen wurde – und das beschädigte Brunnenmännle kam ins Museum. Erst bei Bauarbeiten 1958 und 1987 kamen die Fundamente des Brunnens erneut zum Vorschein. Eine dabei freigelegte Holzkonstruktion dürfte als Trageständer für die Schöpfvorrichtung gedeutet werden.

Die zweite Entdeckung in den 1980er-Jahren führte zur archäologischen Untersuchung und zu einer Neuplanung des Platzes durch die Stadt, wie Karl Wiedmann in seinem Buch „Krail und Horaff“ berichtet: „Auf Empfehlung des Crailsheimer Historischen Vereins entschloss sich die Bauherrschaft, anstelle des vorgesehenen modernen Brunnens den alten Kapellenbrunnen wiederherzustellen.“

Brunnendach nicht hergestellt

Genaue Maßangaben zur Rekonstruktion lieferten Handwerkerrechnungen von 1804, als die steinernen Brunnenwände mit gusseisernen Platten aus den Wasseralfinger Hüttenwerken verkleidet wurden. Diese wurden beim Aufbau nicht rekonstruiert. Ebenfalls nicht wiederhergestellt wurde das hölzerne Brunnendach, das den Brunnenkasten dauerhaft bedeckte, sowie die am Brunnen aufgestellten drei Wassertröge, die das aus dem Kasten laufende Wasser aufnahmen.

Für Aufregung sorgte Ende der 1980er-Jahre die als zu hoch empfundene Brunnensäule, die ausgehend von einer alten Maßangabe mehr als vier Meter hoch rekonstruiert wurde. Das Brunnenmännle war damit „entrückt“. Es stand vielen zu weit oben. Der Blumenschmuck um die Säule wurde nach zahlreichen Diskussionen im Gemeinderat angebracht, um das Ganze optisch zu verkürzen.

Finden sich von daher auch zahlreiche Hinweise auf die Geschichte des Brunnens, so sind die Hintergründe zur Entstehung des Brunnenmännles bislang noch unerforscht: Es ist nicht bekannt, welcher Künstler zu welcher Zeit den Fischbezwinger geschaffen hat.

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