Crailsheim Dekan Dr. Winfried Dalferth geht in den Ruhestand - Nur noch freiberuflich bei Gott

Dekan Dr. Winfried Dalferth wird in zwölf Tagen in den Ruhestand verabschiedet.
Dekan Dr. Winfried Dalferth wird in zwölf Tagen in den Ruhestand verabschiedet. © Foto: Ute Schäfer
Crailsheim / UTE SCHÄFER 05.07.2016
Dekan Dr. Winfried Dalferth wird am 17. Juli in den Ruhestand verabschiedet. Danach kommt der Möbelwagen. Und dann wird nur noch freiberuflich gearbeitet.

Was bleibt nach acht Jahren Dekansarbeit, nach unzähligen Terminen und Sitzungen, nach Seelsorge-Gesprächen, Predigten und Gottesdiensten? „Tja, was bleibt?“, fragt Dr. Winfried Dalferth. Und sein erster Blick richtet sich auf seine Bücherwand. „Die Bücher bleiben natürlich“, sagt er. Eines mit Predigttexten („Von Wegen“) hat er 2014 im Baier-Verlag veröffentlicht, ein weiteres ist derzeit in Arbeit: Mit Kunsthistorikerin Anja Lechner und Pfarrer (und Historiker) Konrad von Streit beschreibt Dalferth darin die Kirchen und Kirchgemeinden des Kirchenbezirks.

„Bis zu meinem letzten Arbeitstag mache ich noch Entdeckungen“, sagt er und gerät ins Schwärmen – über Hohenlohe. „Diese Ecke im Land hat mehr im Laden als im Fenster“, sagt er und man meint, er ist nun angekommen im Kirchenbezirk, den er übernächste Woche verlassen wird.

Mit Dalferth geht auch seine Frau Silvia, die sich in der Arbeitsgemeinschaft biblischer Erzählfiguren und im Bezirksfrauenkreis engagiert hat und bei Terminen nicht von seiner Seite wegzudenken war – auch, als er eine der schwierigeren Stunden seiner Karriere zu verarbeiten hatte: die nicht erfolgte Wiederwahl in die Landessynode, in der er Sprecher des Arbeitskreises „Evangelium und Kirche“ war. „Das hat mich schon geschlaucht“, sagt er, und möglicherweise sei damals auch die Entscheidung gereift, in den Vorruhestand zu treten. Allerdings: „Ich gehe zwar in den Ruhestand. Aber gefühlt gehe ich in die freiberufliche Phase.“

Doch zurück zur Frage, was bleibt, außer vielleicht dem Behinderteneingang der Johanneskirche, „den wir ohne großes Aufsehen einfach gebaut haben.“ Die „Theologische Akademie Hohenlohe“ jedenfalls ist es nicht. Denn die gibt es nicht. Die wollte Dalferth zwar eigentlich ins Leben rufen, „aber das hat nicht geklappt, das muss man selbstkritisch sagen. Ich bedaure das sehr.“

Dafür wird sicher der Reformationsweg bleiben, und die Besinnung der Stadt auf dieses wichtige Kapitel ihrer Geschichte. Der Weg war zwar nicht Dalferths Idee, doch der Dekan hat früh schon das Potenzial erkannt und gefördert. „Ich wusste aber durch meine journalistische Zusatzausbildung, dass er nur Breitenwirkung haben kann, wenn er eine gemeinsame Sache von den beiden kirchlichen und der bürgerlichen Gemeinde ist.“ Und tatsächlich ist das einer der Erfolgsfaktoren des Reformationswegs, der mittlerweile bundes- und europaweit Beachtung findet.

Im Dezember zum Beispiel wird Crailsheim Haltepunkt auf dem Europäischen Stationenweg sein. „Da komme ich natürlich dazu, ehrenamtlich“, sagt Dalferth, auch zu anderen Terminen rund um den Reformationsweg, die es jetzt schon gibt. Denn seine Nachfolgerin, Pfarrerin Friederike Wagner, ist erst ab Ende Januar im Amt. Dalferth kennt Friederike Wagner schon lange – bevor er nach Crailsheim und sie nach Michelbach/Bilz kamen, bekleideten beide benachbarte Pfarrstellen, er in Nattheim, sie in Neresheim.

Dalferth, geboren 1953, hatte davor eine ganze Bandbreite an Dienstaufträgen absolviert: Campingpfarrer, Jugendpfarrer, Rundfunkpfarrer – 18 Umzüge gab es in seiner Berufszeit insgesamt. „Ich bin froh, dass wir nun dort bleiben, wo wir hinziehen“, sagt Dalfert. „Das eigene Haus umrunden zu können, das ist schon ein tolles Gefühl.“ Doch warum gerade Öhringen? „Dort lebten wir schon einmal und können anknüpfen“, sagt Dalferth. „Außerdem wollten wir aus Hohenlohe nicht mehr weg.“

Vorfreude auf freie Wochenenden

Überhaupt, sobald der Stecker des Computers herausgezogen (und in Öhringen wieder eingestöpselt) ist, „freue ich mich auf freie Wochenenden. Die hatte ich in den letzten Jahrzehnten kaum.“

So werde vielleicht wieder der Liedermacher „Daffy“ auferstehen, als der Dalferth bis 2002 regelmäßig mit der Gitarre auftrat. „Aber das mit der Musik muss sich entwickeln.“

Auch ehrenamtlich will er weiterarbeiten. Zum Beispiel als Vorsitzender des Islambeirats der Landeskirche. Oder wenn Anfragen aus dem Crailsheimer Bezirk kommen. Allerdings will er sich, den Empfehlungen der Landeskirche folgend, im ersten Jahr zurückhalten.

Dennoch, eines sei auch klar: „Ich gehe zwar als Dekan in den Ruhestand, oder genauer gesagt in den Vorruhestand. Doch ordinierter Pfarrer bleibt man sein Leben lang. Und solange Gott mich lässt, will ich auch predigen.“

Info Eine der letzten Amtshandlungen von Dekan Dr. Winfried Dalferth wird die Investitur von Birgit Rügner in der Ingersheimer Matthäuskirche am Sonntag, 10. Juli, um 17 Uhr, sein.

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