Menschen Das Mädchen mit der Bierbank

Bernd Otterbach sowie Lena und Jonas Bolze (von links) packen beim Kuwo mit an.
Bernd Otterbach sowie Lena und Jonas Bolze (von links) packen beim Kuwo mit an. © Foto: Birgit Trinkle
Crailsheim / Birgit Trinkle 18.07.2017

Die Chancen stehen gut, dass es  Sitzplätze gibt, wenn ab Donnerstag Don & Giovanni auftreten und all die anderen, die das Kulturwochenende ausmachen. Das hängt vom Andrang ab, aber Tische und Bänke werden vorhanden sein, und die stellen sich nicht selber auf. Das übernehmen unter anderem die Zwillinge Lena und Jonas Bolze. Sie sind immer dabei, wenn’s heißt „Aufbanken fürs Kuwo“. Für die Mitglieder der Jugendfeuerwehr Crailsheim um Bernd Otterbach ist es eine Selbstverständlichkeit, mitanzupacken, wenn die Stadt für Spitalpark und Schweinemarktplatz Biertisch-Garnituren organisiert und dem Nachwuchs ihrer Feuerwehr das Aufstellen überlässt.

„Wir helfen der Stadt, und die Stadt hilft uns, wenn wir was brauchen“, sagt Lena Bolze, und dass das prima funktioniert. „Jeder hilft jedem“, nicht nur beim Kulturwochenende, das ist ihr generell sehr wichtig, und „einer für alle, alle für einen“ ist ja auch, wie bei den Musketieren, ein Wahlspruch der Feuerwehr. Im vergangenen Jahr hat zudem rund ein Dutzend Flüchtlingskinder geholfen, die im alten Telekom-Gebäude untergebracht waren, und auch wenn keiner den anderen verstand, hat’s wunderbar funktioniert.

Die 16-Jährige, die sich zur Erzieherin ausbilden lässt, ist seit 2010 bei der Jugendfeuerwehr – sie konnte es damals nicht erwarten, bis sie endlich alt genug war, einzutreten. Beide Eltern waren beziehungsweise sind wieder in der Feuerwehr, und die Zwillinge sind groß geworden mit dieser Idee, dass Menschen einstehen füreinander.

Feuerwehrleute gelten als ehrlich, uneigennützig und zuverlässig – das zeigen alljährlich Top-Platzierungen im Vertrauensranking der Berufe. Dieser gute Leumund allein hilft freilich wenig in einer Zeit, in der Freizeit als kostbares Gut gehandelt wird. Es ist zunehmend schwer, Freiwillige für den Dienst an der Gemeinschaft zu begeistern. Junge Leute wie Lena Bolze sind da ein Segen: Sie zeigen mit der Bierbank unterm Arm, dass gemeinsames Schaffen Spaß machen kann, wenn dabei gewitzelt und gelacht wird.

Zeltlager in Fichtenau

Wie am Wochenende beim Kreiszeltlager der Jugendfeuerwehren in Fichtenau. Unter den 430 Teilnehmern aus 25 Jugendfeuerwehren des Landkreises waren die Crailsheimer vorne mit dabei. Sie hatten – den müden Augen der Betreuer nach zu urteilen – offenbar rund um die Uhr Freude am Lagerleben rund um den Storchenweiher.

Auf- und Abbau waren zu bewältigen, all die Pflichten, die ein  großes Zeltlager mit sich bringt, vor allem aber die Lagerolympiade, deren zehn Disziplinen zentrale Aufgaben der aktiven Wehr anklingen ließen – den Ball mithilfe einer Kübelspritze über eine Wasserwand führen etwa, oder „Blinde Retter“, wo vier Jugendliche einen fünften, auf der Trage transportieren, der die Richtungen vorgibt.

Früh übt sich, wer seiner Stadt, seiner Gemeinde dereinst in Notsituationen beistehen wird, gern auch mal in strömendem Regen, bei Eis und Schnee, in tiefster Nacht. Fürs Kulturwochenende Bänke aufzustellen, ist da leichte Übung. Dass es nicht die Bequemen sind, die zur Wehr finden, die Unentschlossenen, die Verzagten, weiß Lena Bolze von klein an. Für sie ist das eine Herausforderung, an der sie wachsen will. Sie freut sich auf den Tag, an dem sie Teil der aktiven Wehr wird. Und bis dahin ist sie Kuwo-Helferin.