Planlos Das Gefängnis ist ein Ladenhüter

Ellwangen / Fred Ohnewald 22.10.2016
Planlos: Nach der Schließung des Ellwanger Knastes hat das Land nicht die leiseste Idee, wie es mit dem denkmalgeschützten Bauwerk weitergehen könnte.

Da steht das Ding, und keiner will es haben. Das Ellwanger Gefängnis, am 31. März dieses Jahres nach 135 Jahren Knastgeschichte dichtgemacht, ist Eigentum des Landes Baden-Württemberg, und seit es leer steht, weiß keiner, was man damit anfangen soll. Beim Land zuckt man ratlos mit den Schultern.

„Da kann man nicht einfach einen Kindergarten reinbauen.“
- Claus Schüßler, Leiter des Amtes Vermögen und Bau

Das ist freilich Wasser auf die Mühlen derjenigen, die sich in Ellwangen gegen die Schließung dieser Außenstelle der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Gmünd gestemmt haben, zumal das Land Baden-Württemberg zurzeit heftig darüber klagt, dass zu wenig Haftplätze vorhanden sind und die zur Entlastung vorgesehenen Gefängnisneubauten, zum Beispiel in Heilbronn, aus vielerlei Gründen noch auf sich warten lassen.

Hätte man angesichts dieser – abzusehenden – Probleme das Ellwanger Gefängnis nicht, zumindest für einige Jahre, weiterbetreiben können?

Claus Schüßler äußerst sich nicht dazu, muss er auch nicht, denn die Schließung des Knasts war die Entscheidung des Justizministeriums, er selbst ist dagegen Leiter des Amtes Vermögen und Bau, Sitz Schwäbisch Gmünd, das die Immobilien des Landes verwaltet. Ihm liegt das Ellwanger Gefängnis nun sozusagen wie ein Ladenhüter im Regal.

Das hinter einer fünf Meter hohen Betonmauer verborgene Gebäude liegt direkt an der Südtangente; Durchreisende ahnen nicht, dass die Mauern bis vor Kurzem noch von NATO-Drahtrollen gekrönt waren und dahinter einst bis zu 54 Gefangene, zuletzt aber nur noch rund 15 Untersuchungsgefangene, die Welt durch Milchglasfenster und Gitter betrachtet haben.

Kulisse für einen Gangsterfilm

Auf der anderen Seite des Ge­bäudes befindet sich das Amtsgericht, und beide Häuser verbindet eine Eigenschaft: Sie sind denkmalgeschützt. Und just dieser Umstand macht es für Claus Schüßlers Amt nicht eben einfach, eine neue Verwendung zu ersinnen oder gar einen Käufer zu finden. „Das war schon eine ganze spezielle Art der Nutzung, da kann man nicht einfach einen Kindergarten reinbauen“, witzelt er.

Abgeschabte Böden in den Gängen, Gitter und Stahltüren, ­Gemeinschaftsdusche, Küche, Arztraum, Fitnessraum, Hof und Mauer. Das könnte als Kulisse für einen Gangsterfilm dienen, aber alles andere scheint schwer vorstellbar, zumal die Denkmalschutzbehörde es nicht zulassen wird, dass hier groß eingegriffen oder sogar der ganze Bau abgerissen wird – auch wenn es rein städtebaulich für Ellwangen sicher nicht uninteressant wäre, dort etwas ganz Neues zu schaffen.

Die Problematik für den Justizstandort

Der Justizstandort Ellwangen sieht sich in Gefahr. In dem Knast wurden bislang vor allem Untersuchungsgefangene untergebracht, deren Fälle vor Amts- oder Landgericht in Ellwangen verhandelt wurden. Seit Schließung des Knastes müssen die Gefangenen von weiter her, vor allem aus Schwäbisch Hall, hergebracht und abgeholt werden. Ellwangen sieht dies als Schwächung des Justizstandortes, nachdem schon die Referendarausbildung beschnitten wurde. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz, ebenso wie jenes des benachbarten Amtsgerichtes. Es wurde in den Jahren 1880 und 1881 unter König Karl errichtet und diente bis zum 31. März 2016 als Gefängnis. new

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