Ellwangen Damit sie nicht vergessen werden

Die  Schülerguides erhielten vor der Stele (zur Erinnerung an die letzten jüdischen Schüler in Ellwangen, Erich, Erwin und Max Levi) ihre  Zertifikate. Rechts im Bild ist der Crailsheimer Stadtarchivar Folker Förtsch.
Die  Schülerguides erhielten vor der Stele (zur Erinnerung an die letzten jüdischen Schüler in Ellwangen, Erich, Erwin und Max Levi) ihre Zertifikate. Rechts im Bild ist der Crailsheimer Stadtarchivar Folker Förtsch. © Foto: Josef Schneider
Ellwangen / Josef Schneider 23.08.2018
16 Schüler des Ellwanger Peutinger-Gymnasiums haben sich zu Schülerguides an Gedenkstätten ausbilden lassen.

Gedenkstätten tragen zu einer lebendigen Erinnerungskultur bei, machen die Geschichte greifbar und regen zur kritischen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit an. 16 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 1 des Peutinger-Gymnasiums (PG) haben jetzt ihre Zertifizierung zum Schülerguide an Gedenkstätten erhalten. Sie setzten sich auf lokaler Ebene mit dem jüdischen Leben um 1900 und mit dem Gräuel des Nationalsozialismus auseinander.Die Schüler haben ein Jahr lang einen Seminarkurs zum Thema „Erinnerungskultur“ besucht. Der Kurs ist ein Pilotprojekt des Kompetenzzentrums des Kultusministeriums für geschichtliche Landeskunde im Unterricht mit der Landeszentrale für politische Bildung und der KZ-Gedenkstätte Hessental.

Außerdem nahmen die Schüler an einem Wochenend-Workshop der Landeszentrale teil und hielten selbst eine Führung in Ellwangen und an der Gedenkstätte in Hessental. Themen waren die KZ-Gedenkstätte Schwäbisch Hall-Hessental, der Hessentaler Todesmarsch, die beiden KZ-Außenlager in Ellwangen (Außenlager des KZ Dachau in der Kaserne, Außenlager des KZ Natzweiler im Goldrain), der Kinderfriedhof Bühlerzell-Gantenwald, das jüdische Leben in Ellwangen um 1900, der jüdische Friedhof in Ellwangen, der Rabenhof und die sogenannte Aktion T4 sowie der letzte jüdische Schüler des Peutinger-Gymnasiums, Erich Levi.

Recherche und viele Gespräche

Zu den Anforderungen gehörten unter anderem eigenständige Recherche und historische Aufbereitung des jeweiligen Themas, Erstellung eines Projektplans und einer Seminararbeit, Kontaktaufnahme und Vernetzung mit Historikern und kommunalen Verantwortungsträgern vor Ort. So führten die Schüler auch Gespräche mit Volker Lauster-Schulz vom Friedensforum Ellwangen und gingen ins Stadtarchiv. Die betreuenden Geschichtslehrer waren Michael Hoffmann und Jochen Mayer vom PG.

Laut Folker Förtsch vom Verein Initiative KZ-Gedenkstätte Hessental wird die im Jahr 2001 am Bahnhof Hessental eingerichtete Gedenkstätte sehr rege von Schulklassen besucht. Michael Hoffmann ist mit seinen Referendarinnen und Referendaren regelmäßig dort zu Besuch. Das Projekt soll steter Bestandteil des schulischen Lebens am PG werden, die Schülerguides zudem in die Konzeption zum nationalen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus im Januar 2019 eingebunden werden, den dieses Mal das PG ausrichtet.

PG-Schulleiterin Stella Herden zeigte sich beeindruckt von der Zusammenarbeit von der Landeszentrale für politische Bildung, der KZ-Gedenkstätte  Hessental und dem Peutinger-Gymnasium; gemeinsam wurden die Zertifikate ausgestellt.

Das Projekt sei übertragbar, sagt Hoffmann; in Baden-Württemberg gebe es eine dezentrale Gedenkstättenlandschaft mit vielen kleinen Gedenkstätten. So werden nächstes Schuljahr zwei weitere Schulen in Weinsberg und Oberkirch das Schülerguide­Konzept übernehmen. Die Zertifizierung zum Schülerguide an Gedenkstätten erhielten: Lukas Brenner-Schmid, Robin Conradi, Paul Funk, Leander Gerlach, Ronja Grimm, Lorenz Hauber, Carolin Hock, Annelie Jakob, Sarah Kaiser, Robin Kiehnoel, Isabell Klingler, Janina Maier, Christoph Meider, Nico Nagler, Lukas Wehner und Lea Zobel. Die Schülerguides können von Schulen, Vereinen und Kommunen für Führungen angefragt werden.

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