Mobbing Cybermobbing: Internet senkt Hemmschwelle der Täter

Landkreis / LISANNE EKLUND 12.09.2012
Cybermobbing ist eine Sonderform des Mobbings. Die Täter nutzen Internet und Handy zum Schikanieren ihrer Opfer. Anlässe sind meist banal, die Folgen fatal. Betroffene sollen sich Hilfe holen, rät die Polizei.

Mobbing oder Mobben (von englisch to mob: "anpöbeln, über jemanden herfallen") ist ein aggressives Verhalten gegenüber einem Menschen, der dadurch über einen längeren Zeitraum geschädigt wird. Meist agieren Täter nicht allein, sondern in der Gruppe, etwa als Schulklasse. Cybermobbing ist eine neue Form des Mobbings, wie auf der Internetseite www.polizei-beratung.de nachzulesen ist. Die Tatbestände sind die gleichen wie beim "klassischen" Mobbing, nur die Mittel sind andere.

Beim Cybermobbing wird das Opfer über das Internet oder das Mobiltelefon schikaniert und bloßgestellt. Das Opfer kann überall erreicht werden, und ist daher im wahrsten Sinne des Wortes nirgendwo sicher.

Das Internet scheint die Hemmschwelle für Mobbingaktivitäten zu senken, heißt es auf der Seite der Polizei weiter. Viele Kinder und Jugendliche trauen sich in der scheinbar anonymen virtuellen Welt eher, andere anzugreifen oder zu beleidigen. Der Übergang von Neckereien zur Gewaltausübung in Form von Mobbing ist fließend.

Cybermobbing selbst ist keine Straftat - die sich darin vereinigenden Handlungen dagegen schon. Das sind zum Beispiel üble Nachrede, Beleidigungen, Bedrohungen und die Verletzung des persönlichen Lebensbereichs durch Bilder und Videos. Vorbeugen könne man, indem man keine persönlichen Daten und Fotos ins Netz stelle.

Die Opfer sind in den meisten Fällen Jugendliche und junge Erwachsene. Mehr als 36 Prozent werden im Laufe ihres Lebens Opfer von Mobbing, wie aus der aktuellen JIM-Studie zum Umgang mit Medien und Information hervorgeht. Die Täter stammen meist aus dem näheren Umfeld wie der Schule oder dem Arbeitsplatz.

Mobbingopfer weisen Symptome wie Bedrücktheit, Anspannung und ungewöhnliche Schweigsamkeit oder Nervosität auf. Die Betroffenen leiden oft unter psychischen Folgeerscheinungen, wie zum Beispiel Schlaf- und Lernstörungen, Depressionen und Schulangst. Die gravierenden Folgen können Selbstverletzung oder körperliche Erkrankung sein.

Die Polizei rät Opfern, nicht auf beleidigende E-Mails oder SMS zu antworten, sie aber auch nicht zu ignorieren. Wichtig sei, Eltern oder andere Vertrauenspersonen einzubeziehen. In Extremfällen solle man bei der Polizei Anzeige erstatten.

"Bei der Polizeidirektion Schwäbisch Hall sind kaum Fälle von Cybermobbing bekannt, da die Opfer sich eher an ihre Eltern oder Lehrer wenden", sagt Jürgen Merwald, Referent für Prävention. Melden sich Opfer doch bei der Polizei, meldet diese den Vorfall entweder der Staatsanwaltschaft oder dem Jugendamt. Sonderbeauftragte der Polizei informieren an Schulen zum Thema Mobbing und Cybermobbing und versuchen, Eltern, Lehrer und Schüler für die Themen zu sensibilisieren.

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