Denkmal Crailsheimer Wasserturm: Einer der Letzten

Crailsheim / ANDREAS HARTHAN 26.11.2012
Er ist aus der Crailsheimer Stadtsilhouette nicht wegzudenken und ziert an der Autobahn die Hinweisschilder auf die Stadt an der Jagst: der Wasserturm auf dem Bahngelände. In diesem Jahr feiert der Turm, der einer der letzten seiner Art ist und seit 1978 unter Denkmalschutz steht, seinen 100. Geburtstag.

Nach dem Abbruch vieler Gebäude der Crailsheimer Bahnanlagen ist er heute sicherlich das imposanteste Bauwerk auf dem Areal und ein eindrucksvolles Industriedenkmal. 1912 errichtet, diente der Turm der Wasserversorgung der Dampflokomotiven auf dem Eisenbahnknotenpunkt Crailsheim. Noch um 1960 wurden zu Spitzenzeiten bis zu 60, ja 70 Lokomotiven täglich mit Wasser versorgt. Dabei flossen pro Tag 1200 bis 1400 Kubikmeter Wasser durch den Turm. Das Wasser wurde der Jagst entnommen und in den Turm gepumpt. Der Turm, der seit mehr als 30 Jahren gastronomisch genutzt wird, steht auf einem Sockel aus Muschelkalk, hat Außenmauern aus rotem unverputztem Ziegelmauerwerk mit einer Wandstärke von 51 Zentimetern und erreicht eine Höhe von knapp 22 Metern. Bei einem Innendurchmesser von über elf Metern fasst die genietete Stahlblechkugel 600 Kubikmeter Wasser.

Der Turm kann innen über eine Wendeltreppe und eine eiserne Steigleiter bis zu einer Höhe von 18 Metern bestiegen werden. Außen ist in 15 Metern Höhe ein Laufkranz angebracht. Er kann über eine drehbare, rund um die Kugel laufende Leiter erreicht werden. Eine Belüfterkuppel mit Kugel und Fahnenstange krönen den Bau. Mit dem Ende des Dampfbetriebs Ende der 1970er-Jahre wurde der Wasserturm nicht mehr gebraucht. Im Unterschied zum benachbarten Ringlokschuppen und zur Drehscheibe blieb er bei den großen Abbrucharbeiten erhalten. Doch wie lange noch? Diese Frage, die Eisenbahnfreunde in der Region schon umtreibt, wurde nun auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt, als der Crailsheimer Stadtarchivar Folker Förtsch bei der Präsentation des Buches „100 Jahre Wasserturm – Die Geschichte eines Industriedenkmals“ (Baier Verlag Crailsheim) betonte: „Der Wasserturm ist dringend sanierungsbedürftig!“ Buchautor Jochen Weidner pflichtet ihm bei. Er schreibt: „Es wird nicht mehr allzu viel Zeit verbleiben, in der eine Generalsanierung des ,Jubilars’ überhaupt noch möglich ist.“

Das im Bewusstsein der Bevölkerung am besten verankerte Relikt einstiger Eisenbahnherrlichkeit in Crailsheim (die Stadt hatte einen württembergisch-bayrischen Grenzbahnhof mit einem 30 Meter hohen Uhrturm) steht zwar unter Denkmalschutz, doch das hält den Rost nicht davon ab, sein zerstörerisches Werk zu verrichten. Der Stahlbehälter, schreibt Weidner, weist „starke Korrosionsschäden“ auf. Er geht sogar davon aus, dass das Durchrosten „kurz bevorsteht“. Es sei also wichtig für den Fortbestand dieses Industriedenkmals, es in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses zu rücken, ergänzt Stadtarchivar Förtsch. Es wäre ein herber Verlust für die Stadt, wenn der Turm verloren ginge, betont er.

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