"Die Adresse lautet cr-storch24.de", sagt Volker Hasel und drückt auf seinen Buzzer. Das ist der offizielle Startschuss für die Crailsheimer Storchenseite, die einen direkten Blick ins Nest gestattet. Das Bild kommt von der Webcam der Stadt, die auf dem Rathausturm moniert ist - und ist nun weltweit zu sehen. Genau wie auf einem Bildschirm in der Langen Straße - "damit die Kinder das Nest sehen können. Nicht alle Eltern gehen ja mit ihnen ins Netz", sagt Hasel, bittet aber gleichzeitig um Gelassenheit im Angesicht von Mutter Natur.

"Jetzt ist dort oben die Welt noch in Ordnung", sagt er. Vier Eier, das sei wunderbar. Eher unwahrscheinlich ist allerdings, dass alle Küken überleben. "Wenn zwei durchkommen, wäre das schon ein großer Erfolg", sagt dazu die Storchenbeauftragte Ute Reinhardt. Mit anderen Worten: Die Webcam-Gemeinschaft wird wohl live verfolgen können, was sonst niemand sehen würde: sterbende Küken.

Oftmals bekommt nämlich das Kleinste nicht genug Futter und stirbt. Manchmal verheddern sich die Kleinen auch an eingetragenen Schnüren. Bisweilen geht auch sonst irgendetwas schief. "Die Natur ist grausam", sagt Hasel - und kündigt gleich an: "Wenn die Leute das nicht aushalten und es Aufregungen und Anfeindungen gibt, dann wird die Cam ausgeschaltet." Denn ohne Kamera wüsste ja niemand, was da oben los ist.

Die Beobachtungen seien ein Geschenk, das man aber nicht missbrauchen dürfe, sagt Hasel. Dem stimmt auch die Storchenbeauftragte zu. "Störche sind Wildtiere", sagt sie. "Sie sollen und müssen ungestört bleiben. Wenn eine Brut ausfällt, ist das zwar schade, aber völlig normal." Deshalb gilt: "Bitte ja nicht füttern", sagt sie.

Doch noch verläuft in der Storchenstadt Crailsheim alles nach Plan. Drücken wir den Störchen und uns allen die Daumen, dass es so bleibt.