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Crailsheim / SEBASTIAN UNBEHAUEN  Uhr
Aus der "Anstalt" auf den Olymp der Fernsehschaffenden: Der aus Crailsheim stammende Dietrich Krauß hat den Grimme-Preis erhalten.

Dietrich Krauß gehört mit Claus von Wagner und Max Uthoff zum Autorenteam der ZDF-Kabarettsendung "Die Anstalt". Im Gegensatz zu seinen Kollegen steht er dabei nicht selbst auf der Bühne.

Am Freitag hat die Show in Marl die wichtigste deutsche Fernsehauszeichnung bekommen: den Grimme-Preis.

Für preiswürdig erachtete die Jury die November-Ausgabe der "Anstalt". Darin hatten die Satiriker sich mit der Flüchtlings-Thematik befasst - und die Abschottung der EU mit jener der DDR verglichen. Am Ende ließen sie einen Chor syrischer Flüchtlinge auftreten.

"An bestimmten Punkten läuft sich Satire eben tot. Da führt ironische Distanz nicht weiter, da braucht man einen Moment von Authentizität. Erst wenn man Betroffene vor sich hat, macht man sich den Zynismus unserer Flüchtlings-Diskussion bewusst", sagt Dietrich Krauß.

Die Jury des Grimme-Preises schreibt in ihrer Begründung , die Sendung habe "ein kleines Erdbeben ausgelöst". Max Uthoff und Claus von Wagner hätten mit Hilfe Ihres Ko-Autors Dietrich Krauß zu einer Form gefunden, die dem politischen Kabarett in Deutschland gut zu Gesicht stehe.

Dietrich Krauß, geboren 1965 in Gerabronn, wuchs in Crailsheim auf. In den 1980er-Jahren war er ein Jahr lang Praktikant beim Hohenloher Tagblatt. Seine ersten Schritte als Kabarettist machte er gemeinsam mit Wolfgang Kröper als "Die Märchenprinzen" - und mischte damit Crailsheim auf. Der frühere Oberbürgermeister Karl Reu forderte die beiden in einem legendären Brief zu "sachlicher Satire" auf. Lange Jahre arbeitete Krauß als Journalist beim SDR und dann beim SWR. Furore machte zum Beispiel sein Film "Die Rentenlüge", in dem er das Dogma privater Vorsorge aufs Korn nahm.