Kein Bildnis, kein Stich, nicht einmal eine Zeichnung ist von Adam Weiß überliefert. Wie sah er wohl aus, der Mann, der überzeugter Christ und Theologe war und sich der neuen, protestantischen Richtung seiner Kirche verschrieb? Wir wissen es nicht.

Bekannt ist aber, dass der Sohn des damaligen Crailsheimer Tuchscherers und Bürgermeisters Burckhard Weiß, der vermutlich um 1490 geboren wurde, in der lokalen Reformationsgeschichte eine nicht unwesentliche Rolle spielte.

Adam Weiß entstammte der privilegierten Oberschicht der Stadt. Im Jahr 1507 begann er sein Studium in Basel, 1512 ist er an der Universität Mainz zu finden, wo er als Professor an der theologischen Fakultät unterrichtete. In dieser Zeit kam der Theologe in Kontakt mit den Humanisten und begeisterte sich nach und nach für deren Ideen. Aus den Büchern, die Adam Weiß hinterließ, genauer gesagt aus den Anmerkungen, die er an den Rand wichtiger Textpassagen schrieb, hat der Theologe und Reformationsforscher Professor Martin Brecht Weiß" Wandlung vom konservativen Kirchenlager zur modernen Richtung, der auch Martin Luther angehörte, nachgewiesen.

Interessant wird die Geschichte für Crailsheim mit der Berufung von Adam Weiß als Stadtpfarrer an die Johanneskirche. "Weiß hat in Crailsheim offenbar in evangelischem Sinn gepredigt und ist damit auch gut angekommen. Wiederum ist auch er damit ein sehr früher Repräsentant der Reformation", urteilt der Kirchenhistoriker Martin Brecht.

Nicht alle Kirchgänger waren mit den Neuerungen des Pfarrers und Dekans einverstanden. "In der Gemeinde drang Weiß auf eine konsequente Verwirklichung des christlichen Lebens auch im sittlichen Verhalten durch die Unterlassung von Fluchen, Saufen, Huren", so Martin Brecht. Entgegen aller Widerstände wurde Ostern 1526 in Crailsheim das erste evangelische Abendmahl gefeiert und noch im selben Jahr heiratete Adam Weiß gar, was ihn fast sein Amt gekostet hätte.

In den folgenden Jahren erarbeitete Adam Weiß die Grundlagen für die künftigen Kirchenvisitationen. Im Gefolge des Markgrafen Georg reiste er anno 1530 zum Reichstag nach Augsburg, wo er vor den evangelischen Reichsständen predigte.

Adam Weiß starb am 25. September 1534 in Crailsheim. Er wurde in der Johanneskirche beigesetzt. Die Benennung der Adam-Weiß-Straße nahe der Johanneskirche erfolgte im Jahr 1934 zur Erinnerung an die Einführung der Reformation in Württemberg 400 Jahre zuvor. Das Jahr 1534 war auch das Todesjahr des Reformators.

Die heutige Adam-Weiß-Straße hieß zuvor Kirchstraße und trug vor 1876 den Namen Bauerngasse. Dieser erste Name stammt noch aus den Ursprüngen der Siedlung Crailsheim. An dieser Straße lagen früher die Bauernhöfe, aus denen sich die spätere Stadt Crailsheim entwickelte.

Info In der nächsten Woche lesen Sie die Geschichte der Crailsheimer Brenzstraße im HT.