Im Doppelhaushaltsplan 2019/20 sind vier Millionen Euro für den sozialen Wohnungsbau eingestellt. Was machen mit diesem Geld? Diese Frage muss der Gemeinderat beantworten. Entscheidungshilfen sollen Vorträge geben, die am Freitag im Rahmen einer Sondersitzung des Stadtparlamentes im Rathaus (14 Uhr) gehalten werden. Unter anderem stellt das Hamburger Institut für Wohnen und Stadtentwicklung seine Wohnraum-Bedarfsanalyse für Crailsheim vor. Die Experten kommen zu interessanten Ergebnissen. Sie empfehlen der Stadt, die Rahmenbedingungen für den Bau von bis zu 2900 Wohnungen zu schaffen, und bezeichnen die Stärkung des geförderten Wohnungsbaus als „zentrale Aufgabe“ der städtischen Sozial- und Wohnungspolitik.

Die Grundsatzfrage, ob die Stadt selbst bauen soll, soll geklärt werden

Von großem Interesse für die Stadträte ist sicherlich auch der Vortrag von Wolf Giesecke, Geschäftsführer der Grundstücks- und Wohnungsbaugesellschaft Schwäbisch Hall (GWG). Aufgabe der städtischen Tochtergesellschaft ist Bau, Vermietung und Verkauf von Wohnungen und Häusern. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben in den letzten 25 Jahren mehr als 600 Wohnungen gebaut. Zudem vermietet die GWG mehr als 1700 Wohneinheiten, das entspricht etwa jeder fünften Mietwohnung in Hall. Gieseckes Thema am Freitagnachmittag: „Die Stadt als Wohnungsunternehmer?“

Die Frage, ob die Stadt selbst bauen soll, wird in Crailsheim kontrovers diskutiert. Noch nicht vergessen sind die eher schlechten Erfahrungen mit der CBE, der Crailsheimer Bau- und Entwicklungsgesellschaft. Dieser städtische Eigenbetrieb war 1995 gegründet worden, um die ehemaligen Militärkasernen im Westen der Stadt zu vermarkten. Ende 2007 wurde der Eigenbetrieb aufgelöst, ging mit Schulden in Höhe von 600.000 Euro an die Stadt über. Doch sie wurde damals auch Besitzerin von 38 Wohnungen.

Baubürgermeister will Klarheit

Die Sondersitzung soll, schreibt Baubürgermeister Jörg Steuler in einer Vorlage für die Stadträte, die Grundlage schaffen für die Entscheidung des Gemeinderates darüber, ob die Stadt selbst am Wohnungsmarkt aktiv wird, oder sich auf die Förderung privater Aktivitäten beschränkt. Wenn die Stadt erneut aktiv werden will, hat sie drei Möglichkeiten: Sie baut selbst, organisiert vom Ressort Bauen & Verkehr, sie gründet einen Eigenbetrieb (wie bei der CBE geschehen), oder ein eigenes Unternehmen (wie es Schwäbisch Hall mit der GWG gemacht hat). Geeignete Grundstücke zum Bebauen, so Steuler, sind vorhanden – etwa im Neubaugebiet „Heckenbühl“ in Roßfeld –,aber auch in weiteren Gebieten, die zur Bebauung anstehen. Steuler möchte die seit längerem im Raum stehende Grundsatzfrage, wie in Crailsheim verfahren wird, jetzt entschieden wissen, denn im Vorfeld der anstehenden Haushaltsberatungen müsse klar sein, „ob und in welchen Umfang und zu welchem Zeitpunkt die Stadt Crailsheim auch weiterhin Mittel für den sozialen Wohnungsbau bereitstellen wird“.

Etliche Experten zum Thema Wohnen kommen in den Ratssaal

Mit dabei ist auch das Architekturbüro foundation 5+ aus Kassel. Es hat den Bebauungsplan für die Grundwegsiedlung in Altenmünster erarbeitet. In diesem Neubaugebiet sollen in einigen Jahren bis zu 750 Menschen leben. Im zweiten Bauabschnitt sollen moderne, innovative Wohnformen verwirklicht werden – etwa Hybrid- und Modulhäuser, die sich wechselnden Bedürfnissen ihrer Bewohner anpassen können. Matthias Foitzik aus dem Kasseler Architekturbüro spricht am Freitagnachmittag über „kostengünstiges und nachhaltiges Bauen“. Weitere Vorträge über Förderung durch das Land und die Berechnung von Mieten runden das Programm heute im Crailsheimer Ratssaal ab.

Info


Die Sondersitzung des Gemeinderates im Ratssaal beginnt am Freitag um 14 Uhr.