Die Sandbecken vor der Kirche sind den Katholiken fremd. In einem werden für die Morti, die Verstorbenen, Kerzen entzündet, im anderen tragen brennende Kerzen Gebete für die Lebenden. Die Becken stehen seit geraumer Zeit; die Heilig-Geist-Kirche in Westgartshausen ist seit Jahren an die rumänisch-orthodoxe Gemeinde teilvermietet. Seit Mittwoch im Crailsheimer Notariat die Verkaufsurkunde unterzeichnet wurde, ist sie in jeder Beziehung Pfingstkirche der orthodoxen Gemeinde Heiliger Prophet Elias der Tischbiter.

Andernorts wehren sich Gemeinden, wenn ihre Kirche in Wohnhäuser oder gar in Vergnügungsstätten umgewandelt werden sollen. Das seit dem Nikolaustag 2015 praktizierte Miteinander der Gemeinden in Westgartshausen hingegen nimmt dem Kirchenverkauf das Konfliktpotenzial. Kerzen werden auch bei den Katholiken gelegentlich entzündet; theologisch gibt es ohnehin kaum Unterschiede zwischen den beiden Kirchen: Das große Schisma, die Aufspaltung der Kirche im Jahr 1054, zeigt einfach, wie sehr sich die Christen im lateinischen und im griechischen Kulturraum damals auseinandergelebt hatten.

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Der Verkauf sei nicht auf eine aktuelle Entwicklung zurückzuführen, sagt Pfarrer Franz-Josef Konarkowski – seit Jahren versammeln sich die Katholiken dort nur noch selten. Vielmehr sei der Bau an der Landesstraße mit seinen vielen Parkplätzen Wunschkirche der orthodoxen Gemeinde, die ja einen enormen Einzugsbereich habe. Verkauft wurde das Grundstück, nicht der Kirchenbau selbst. „Wir haben ihn der befreundeten Kirche für einen symbolischen Euro überlassen“, sagt Konarkowski, der am Mittwoch gemeinsam mit Kirchengemeinderat Günter Fahlbusch die katholische Kirche Crailsheim vertrat.

Neue Eigentümerin ist die Rumänische Orthodoxe Metropolie für Deutschland, Zentral- und Nordeuropa. Metropolit Dr. Serafim Joanta ist seit einem Vierteljahrhundert zuständig für mehrere Bistümer und damit einem Erzbischof vergleichbar. Die rumänisch-orthodoxe Gemeinde in Crailsheim, die die Kirche nutzt, war durch ihren Priester Daniel Simionescu und Kirchengemeinderat Alfred Kremer vertreten.

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Die Heilig-Geist-Kirche in Westgartshausen wurde 1967 aus Fertigbauteilen  gebaut, in einem Baustil, der damals in der Diözese Rottenburg-Stuttgart mehrfach genutzt wurde. Besonderheiten sind das Glasfenster, das das Patronat aufgreift – „Der Heilige Geist schwebte über den Wassern“ – und der Kreuzweg der Ministranten. Die rumänisch-orthodoxe Gemeinde hat bereits konkrete Vorstellungen für eine Ikonostase (Ikonenwand).

Info Am Sonntag, gegen 12 Uhr, nach dem rumänisch-orthodoxen Gottesdienst, werden beide Gemeinden auf dem Vorplatz ein gemeinsames Fest feiern.