Man kann eigentlich schon die Uhr danach stellen: Kündigt sich ein Zirkus in Crailsheim an, startet in der Stadt eine Diskussion um das Wohl vorgeführter Wildtiere. So auch dieses Mal: Der Crailsheimer Weihnachtscircus lädt vom 20. Dezember bis 5. Januar am Rossfeldkreisel zu seinen Vorstellungen ein – und die Werbeplakate in der Stadt sind vielen Personen ein Dorn im Auge.

So wie der Tierschützerin Clarissa Borchert, deren empörter Facebook-Post zu dem Thema nicht nur über 200 Mal geteilt wurde sondern auch eine direkte Antwort von Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer erhielt. Besonders interessant dabei: Wie Grimmer in seinem FB-Post verriet, möchte die Stadtverwaltung 2020 dem Gemeinderat erneut ein Wildtierverbot für Zirkusse auf städtischen Flächen vorschlagen – 2016 hatte dieser das noch abgelehnt.

Auf den Weihnachtscircus hätte das aber in jedem Fall keine Auswirkungen, da dieser seine Zelte auf Privatgelände aufschlägt. „Wir benutzen die private Fläche in Crailsheim viel lieber, denn so können unsere Tiere von November bis Januar auf einer sehr großen, bequemen Wiese wohnen“, erklärt Wolfgang Frank, Direktor und Pressesprecher des Crailsheimer Weihnachtscircusses, auf Nachfrage von swp.de. „Der Platz der Stadt ist in Crailsheim ein steiniger Schotterplatz.“

Weihnachtscircus-Direktor glaubt nicht, dass ein Dialog mit Tierrechtsaktivisten etwas bringt

Dass Aktivisten mit „Tierquälerei“-Vorwürfen gegen Wildtiervorstellungen seines Zirkusses auf die Barrikaden gehen, ist für Frank nichts Neues, wenngleich er in den vergangenen drei Jahren mehr Ruhe davor hatte. Der Grund: Der Zirkus war in jener Zeit hauptsächlich in Österreich unterwegs, wo Wildtierverbot herrscht – deshalb hatte sein Betrieb keine Tiere dabei, die laut der Definition des Verbots in diese Kategorie fallen.

Dass mit der Rückkehr nach Deutschland – noch ohne Wildtierverbot auf Bundesebene – auch der Konflikt wiederkehrt, lässt ihn aber freilich nicht kalt. Im Gegenteil. „Sie erleben eine Hetzkampagne von Tierrechtsaktivisten, die absolut falsch informiert sind, eine Ideologie verfolgen und glauben, was aufhetzende Tierrechtsorganisationen verbreiten – nicht, was Experten über Tiere im Zirkus sagen“, beklagt der Zirkusdirektor. Er und sein Team sind sich sicher, dass es ihren Tieren bestens geht – was sie sich vom Veterinäramt bestätigen lassen. „Die Kontrollen sind strenger aber auch öfter geworden, was wir befürworten“, präzisiert Wolfgang Frank. „Wir bestehen auf unangemeldete Kontrollen durch sachkundige Veterinärärzte.“

Zudem steht er in der Diskussion um Wildtierhaltung und -verbote auch dem Begriff „Wildtier“ kritisch gegenüber - da dieser seiner Meinung nach oft ungerechtfertigt auf Zirkustiere angewendet wird: „Alle unsere Tiere, die dieses Jahr dabei sind, einschließlich der Seelöwen und der Elefanten, sind nie in der Wildnis gewesen und damit als rein exotisch und nicht als Wild anzusehen.“ So seien beispielsweise die Elefanten Jumbo, Mala und Baby in einem italienischen Zoo, einem italienischen Zirkus sowie einer Aufzuchtstation in Sri Lanka zur Welt gekommen.

Würde es eventuell helfen, den Dialog mit den Aktivisten zu suchen? Wolfgang Frank ist nicht zuversichtlich: „Leider habe ich in meinen jetzt 30 Jahren als Pressesprecher und Zirkusdirektor erleben müssen, dass Tierrechtsaktivisten nicht in der Lage sind, ein normales Gespräch über Tiere im Zirkus zu führen.“ Auch die zahlreichen Bescheinigungen über die artgerechte Haltung der Zirkustiere seien in der Regel nicht genug, um die Gegner zu überzeugen. „Ich bin eigentlich immer guter Dinge gewesen“, so Frank. „Aber ich bin leider immer nur beschimpft worden.“

Wolfgang Frank sieht keinen Grund, exotische Tiere abzuschaffen

Dass Zirkusvorstellungen ohne sogenannte Wildtiere möglich sind, haben die Verantwortlichen des Weihnachtscircusses bei ihren Tourneen in Österreich und auch in Deutschland bereits unter Beweis gestellt.

Wolfgang Frank sieht aber keinen Grund dafür, „Wildtiere“ grundsätzlich abzuschaffen. „Ich habe mit meinem Zirkus in Deutschland auch ohne Wildtierarten kaum Gastspiel-Erlaubnis erhalten, so dass wir zu mindestens 70 Prozent auf private Grundstücke zurückgreifen müssen“, so Frank. Im Hinblick auf die Unterstützung durch die Kommunen mache es also keinen Unterschied, ob er ohne oder mit exotischen Tieren Zirkus mache.

Und im Hinblick auf langfristigen wirtschaftlichen Erfolg ist er überzeugt, dass Zirkusunternehmen wie Charles Knie oder Circus Krone auch insbesondere durch ihre Vielfalt an exotischen Tieren so erfolgreich sind: „Das ist der Grund, warum auch wir unserem Publikum gerne ausgefallene Tier-Acts bieten möchten. Es ist ganz einfach die Nachfrage.“

Zumal er ohnehin nicht der Ansicht ist, dass seine Gegner und der öffentliche Druck wirklichen Einfluss auf seine potenzielle zahlende Kundschaft haben. Eine „Scham“ der Bevölkerung, den Zirkus zu besuchen, kann er nicht beobachten: „Die Besucherzahlen der Vergangenheit und der momentane Vorverkauf beweisen das Gegenteil. Die Kontroverse kurbelt die Umsätze seltsamerweise an.“

Sollte der Zirkus innerhalb Deutschlands einmal nur auf städtischem Gelände gastieren können und es dort ein Wildtierverbot geben, könnte sich Wolfgang Frank daher gut vorstellen, dagegen zu klagen – wie es Zirkusse schon einige Male erfolgreich getan haben. „Es ist nicht gerecht, uns das Leben so zu erschweren“, meint der Zirkusdirektor.