Der Crailsheimer Weihnachtscircus ist in der Stadt - und hat mit seinen Elefanten und Seelöwen eine große Diskussion ausgelöst. Nachdem sich bereits Tierschützer, die Stadtverwaltung und der Zirkusdirektor zum Thema „Wildtierhaltung im Zirkus“ zu Wort gemeldet haben, haben wir mit einer Online-Umfrage unseren Lesern das Wort erteilt - und nach ihrer Meinung gefragt.

Das Echo war gewaltig: Über 800 Personen haben bislang an der nicht repräsentativen Umfrage teilgenommen. Und eine große Mehrheit von rund 71 Prozent hat eindeutig ein Problem mit Wildtieren im Zirkus: „Solange ein Zirkus Wildtiere hat, werde ich ihn nicht besuchen“. Dabei gibt es keine Kompromisse: Die Option „Ich habe ein Problem damit, gehe aber trotzdem in den Zirkus“, kam auf nicht mal ein Prozent.

Interessant: Die von den Lesern am zweithäufigsten gewählte Option beträgt zwar lediglich rund 16 Prozent, ist aber der genaue Gegenentwurf: „Nein, im Gegenteil. Da mich die Kontroverse nervt, besuche ich den Zirkus erst recht!“ Zudem gaben mit rund ein Prozent nur sehr wenige Teilnehmer an, sich wegen der Kontroverse für ihre Zirkusbesuche zu schämen. Da etwa acht Prozent meinten: „Das ist mir egal, ich gehe auf jeden Fall in den Zirkus“, scheinen die Ergebnisse Weihnachtscircus-Direktor Wolfgang Frank Recht zu geben: Er hatte beobachtet, dass die Diskussion seine Umsätze eher ankurbelt statt Besucher fernzuhalten.

Auf Facebook tobt die Diskussion um den Weihnachtscircus

Die Umfrage sorgte auf Facebook für über hundert Kommentare und neben reinen Meinungsbekundungen wie „Tierquälerei“, „Ein absolutes No-Go“ oder „Tiere gehören nicht in den Zirkus“ entwickelten sich zwischen Zirkusgegnern und -befürwortern auch einige Diskussionen. So warfen manche Kommentatoren den Tierrechtlern vor, in Bezug auf Zirkustiere auf der einen Seite und Haus- oder Nutztiere auf der anderen Seite mit zweierlei Maß zu messen. „Dann darf man Haustieren aber auch keine Kunststücke mehr beibringen“, schrieb ein Leser. Das Kontra der Zirkusgegner folgte prompt: „Ein Haustier wird im Normalfall anders gehalten. Es muss keine Kunststücke vollbringen, die unter fragwürdigen Methoden antrainiert wurden.“ Ein Leser ergänzte: „Haustiere sind domestiziert. Da sieht das alles etwas anders aus.“

Das überzeugte aber nicht jeden. Eine Leserin meinte: „Den Hasen im Stall und den Vögeln im Käfig geht es sicher prima. Die verfetteten Hunde und Katzen von unwissenden Haltern fühlen sich bestimmt pudelwohl!“ Und eine andere Leserin ergänzte: „Nur weil ein Tier seit Jahren domestiziert ist, darf es also zu Ihrer Unterhaltung auftreten?“

Die Prioritäten der Zirkusgegner wurden mitunter ebenfalls kritisiert: „Ich finde es wichtiger, gegen die Massentierhaltung einzuschreiten als gegen einen kleinen Zirkus.“ Doch die Antwort folgte auf dem Fuß: „Wichtig ist nicht, gegen was zuerst eingeschritten wird, sondern dass immer mehr Menschen ein Bewusstsein dafür entwickeln, was richtig und was falsch ist.“

Wären Zoos oder die Wildnis eine gute Alternative für die exotischen Zirkustiere?

Die langlebige Tradition der Zirkuskultur und der Dressur von Wildtieren war für die Zirkusgegner kein Grund, ihre Kritik abzumildern. Im Gegenteil: „Nur weil es schon immer so war, soll es jetzt auch so weitergehen? Was ist denn das für eine dumme Einstellung?“ Ein Zirkusbefürworter verkündete hingegen: „Ich werden den Zirkus auch dieses Jahr besuchen und unterstützen. Denn die Zirkuskultur ist in aller Welt sehr alt und ich finde es toll, dass es überhaupt noch Familien gibt, die solche Unternehmen führen.“

Schließlich herrschte bei den Kommentatoren auch Uneinigkeit, ob eine „Befreiung“ der Wildtiere aus dem Zirkus und ihre „Entlassung“ in die Wildnis oder in Zoos eine gute Idee wäre. „In jedem Zoo wären die Lebensbedingungen für diese Tiere besser“, meinte ein Leser. Da waren sich aber selbst die Zirkusgegner nicht einig. „Ich finde Zoos schon grenzwertig“, schrieb eine Leserin. „Stellt euch einfach vor, euer Leben lang in einer Gefängniszelle zu sitzen“. Und auch die Zirkusbefürworter teilten aus: „Im Zoo führen Delphine auch Kunststücke vor.“ Manche Gegner erschütterte das aber nicht: „Stimmt! Delphin- und Orca-Haltung in Zoos weltweit steht auch zurecht in der Kritik!“

Und wie sähe es mit der Wildnis aus? Viele Zirkusgegner sahen darin das ultimative Ziel für die Wildtiere: „Diese Tiere gehören in die Natur“. Doch auch hier war nicht jeder überzeugt. Ein Leser fragte: „Tiere gehören in die freie Wildbahn, wo sie dann abgeknallt und zur Schau ins Netz oder sonst wo gestellt werden?“ Eine Leserin kommentierte: „Tiere, die in Gefangenschaft geboren wurden, wildern wir aus. Ganz großes Kino.“