Die Koffer sind schon gepackt, in ein paar Tagen fliegt Süleyman Sami wieder nach Harran in Nordmesopotamien direkt an der syrischen Grenze. Die 7000-Einwohnerstadt in der Türkei ist eine Nachfolgesiedlung des gleichnamigen antiken Orts und bekannt durch seine bienenstockförmigen Häuser. Samis Ziel ist ein Waisenhaus für geistig behinderte Kinder, das er zweimal im Jahr besucht. „Die Herzlichkeit und menschliche Wärme, mit der mich die Kinder jedes Mal empfangen, ist unbeschreiblich“, so der 58-Jährige. „Es ist einfach ein tolles Gefühl. Inzwischen nennen sie mich sogar Vater.“

Zweimal im Jahr fliegt Sami eine Woche in seine Heimatregion, um dort mit den von ihm gesammelten Geldern zu helfen. „Wir haben eine Spendenkasse bei uns in der Gaststätte aufgestellt“, erzählt der Pächter des Wasserturms in Altenmünster. Von dem gesammelten Geld wird hauptsächlich Kleidung, Holz zum Heizen oder Spielzeug für die 167 Waisenkinder in der Südost-Türkei gekauft. „Wenn ich vor Ort bin, setze ich mich mit der Leitung der Schule zusammen und wir machen dann eine Liste, was am dringendsten gebraucht wird.“ Ganz oben auf dem Wunschzettel steht aktuell eine Klimaanlage, im Sommer wird es bis zu 50 Grad heiß.

Türkische Schule ist auf Samis Spendensammlungen angewiesen

Geld gesammelt wird auch bei dem alljährlichen Senioren-Benefiz-Hobbyturnier am 6. Januar in Altenmünster, das Jutta-Kirchherr vor elf Jahren ins Leben gerufen hat. Alle helfen hier ehrenamtlich, ob als Schiedsrichter, an der Kuchentheke oder als Musiker beim anschließenden gemütlichen Beisammensein. Der Erlös geht zur Hälfte an die Fußballakademie des VfR Altenmünster und zur anderen Hälfte an das Hilfsprojekt Samis.

„Ich bin Frau Kirchherr sehr dankbar. Alle Kicker der zwölf Teams unterstützen uns dadurch.“ Besonders gefreut hat er sich darüber, dass in diesem Jahr Crailsheims Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer für das Wasserturm-Team aufgelaufen ist und die Aktion auch im nächsten Jahr unterstützen will. Die Siegerpreise für die zehn Mannschaften spendet übrigens Sami als Hauptsponsor des Turniers.

Auf die Spenden ist das Waisenhaus dringend angewiesen, denn vom Staat gibt es nur wenig Unterstützung. Die Verwandten wenden sich zudem meist von den geistig behinderten Kindern ab. Auch von den Menschen aus der Nachbarschaft werden sie oftmals ausgegrenzt. Vor ein paar Jahren hat Sami sogar einmal einen Hilfstransport mit zwölf Tonnen Kleidung organisiert, aber diese Aktion stellte sich als zu aufwendig heraus. Alle zwei Jahre fährt er nun die über 3000-Kilometer lange Strecke mit dem Auto, um beispielsweise Rollstühle nach Harran zu transportieren.

Knapp 60.000 Euro gespendet

Rund 1000 Euro an Spenden kommen so bei jedem Besuch zusammen. Insgesamt sind es inzwischen wohl an die 60.000 Euro, die Sami gesammelt oder von seinem eigenen Konto gespendet hat. „Ein Freund von mir war Lehrer an der Schule“, erklärt Sami. So sei der Kontakt entstanden. „Als ich dieses Leid erstmals gesehen hatte, wusste ich, dass ich unbedingt sofort helfen muss.“ Das war 2001. Aber seine Hilfe beschränkt sich nicht nur auf materielle Dinge. „Während des Kriegs in Syrien schlugen immer wieder Bomben ganz in der Nähe der Schule ein“, erzählt Sami. Er hat ein Ersatzgebäude weiter im Landesinneren gefunden und den Gouverneur davon überzeugt, dass die Kinder dringend in diese sichere leer stehende Halle umziehen müssen.

Zudem verbringt Sami bei seinen Besuchen immer sehr viel Zeit mit den Kindern und Jugendlichen. „Wir spielen und haben sehr viel Spaß zusammen.“