Sie waren nicht allein, die rund 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Crailsheimer Elektronikunternehmens Elabo, die sich am Donnerstag bei einem Warnstreik mit Pfeifen und Rätschen vor dem Betriebstor einfanden. Die IG Metall war vertreten, die zum Streik eingeladen hatte, und Kollegen der Firmen Voith Turbo und Constellium zeigten sich solidarisch.

Der Elabo-Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Glasbrenner widmete sich in erster Linie kritisch dem Vergütungssystem der Vorstandsmitglieder, das vom Erfolg weitgehend unabhängig sei.

Steffen Schmidt, Constellium-Betriebsratsvorsitzender, erzählte den Streikenden vom Austritt seines Betriebes aus dem Arbeitgeberverband im vergangenen Jahr und damit vom Verlust der Tarifbindung: Ein halbes Jahr habe man bei Constellium gekämpft, schließlich eine Woche lang die an sechs Tagen rund um die Uhr laufende Produktion „komplett hingestellt“. Das Ganze habe sich gelohnt. Von Flexibilisierung sprach Schmidt; das Unternehmen sei wieder tarifgebunden, es gebe „fairen Lohn für gute Arbeit“, zudem eine fünfjährige Standortsicherung. „Es lohnt sich zu kämpfen.“

Auch Alfons Kuhnhäuser, zweiter Bevollmächtigter der IG Metall im Kreis, der am Donnerstag Geburtstag feierte, sprach den Elabo-Leuten Mut zu: „Mein Wunsch heute: Haltet durch.“

Ziel ist ein Tarifvertrag für die rund 180 Elabo-Beschäftigten; erste Verhandlungen haben wohl keine Ergebnisse gebracht. Das Unternehmen will keinen Tarifvertrag, die Belegschaft hält an ihrer Forderung nach einem einheitlichen Eingruppierungssystem, regelmäßigen Tarifanpassungen und weiteren Leistungen des Tarifvertrages wie zum Beispiel einer Alterssicherung für ältere Beschäftigte fest.

IG-Metall-Gewerkschaftssekretär Lukas Bürger berichtete von den Verhandlungen. Die Geschäftsleitung stimme einem bei 3,5 Prozent gedeckelten Inflationsausgleich und Urlaubsgeld zu, freilich unter dem Vorbehalt der Finanzierung und der Budget-­Freigabe durch die Euromicron, deren Tochterunternehmen die Elabo GmbH ist. „Sollen wir unseren nächsten Urlaub unter dem Vorbehalt planen, wie viel die Euromicron und ihre Aktionäre bereit sind abzugeben?“, fragte Bürger – von dem mithin, was Mitarbeiter erwirtschaftet hätten. „Sollen wir weiterhin meilenweit hinterherhinken hinter dem, was andere Kolleginnen und Kollegen in Crailsheim verdienen?“ Durch den Warnstreik werde deutlich, dass die Strategie der Geschäftsleitung – „aussitzen“ nämlich, sowie das „Hin- und Herschieben von Verantwortung von der Euromicron zu Elabo und umgekehrt“ – nicht aufgehe.

Kreis Göppingen

Die Geschäftsleitung behaupte, die IG Metall wolle ein Gießkannensystem einführen, in dem „jeder das gleiche Geld“ erhalte; das zeuge beim Blick auf die Tarifverträge von „Unwissenheit, fast schon Ignoranz“. Was sich Gewerkschaften und Beschäftigte wünschten, seien „klare Regelungen hinsichtlich der Arbeitszeit, der Entgelte, des Entgeltsystems und sicherer Beschäftigung“. Man werde sich nicht mit billigen Tricks abspeisen lassen.

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