Nur eines wirkt sich besonders negativ auf einen Wandertag aus. Das weiß Fritz Illig, der erfahrene Vorsitzende der Wanderfreunde Crailsheim, ganz genau: „Regen wäre schlecht“, sagt er am Samstag kurz vor Mittag in der Hirtenwiesenhalle. Dort starten und landen die Teilnehmer der 62. Crailsheimer Wandertage, des 41. Europa-Marathons und der 28. Jugendwanderung an diesem Wochenende. Dass allerdings samstags etliche Tropfen vom Himmel auf Hohenlohe fallen, hat doch keine Auswirkungen auf die Teilnehmerzahl: Bis zum Anmelde- und Startschluss am Sonntag sind es über 2000 Besucher, die auf Strecken zwischen fünf Kilometern und der Marathonstrecke über 42,195 Kilometer starten. „Die Temperatur ist ideal“, so der Fachmann. Tropische Hitze wäre ja auch nicht gut für die Freizeitsportler.

Illig sieht eher eine leicht sinkende Tendenz beim Ansturm, weil es an Nachwuchs fehle. „Weil Ältere nicht mehr können, werden es weniger“, lautet seine Beobachtung. Ohnehin seien bereits rund 60 Prozent der Teilnehmer im Seniorenalter. Der Verein schreibt zwar eine Jugendwanderung aus – diese werde aber fast ausschließlich von Sechs- bis Zwölfjährigen gemeinsam mit ihren Eltern oder Verwandten besucht. Im Teenageralter verliere sich das Interesse, an einem offiziellen Wandertag teilzunehmen.

Freizeit Crailsheimer Wandertage

Chinesen in Hohenlohe

Für die Crailsheimer gebe es aber noch keinen Grund, zu klagen. Das Hohenloher Spektakel sei beliebt. Einzelne Starter kämen aus dem benachbarten Ausland, sogar aus China seien Wanderer angereist. Das könnte mit dem gemeinsamen Cup der beiden Weltwanderverbände IVV und IML zusammenhängen, für den sich in diesem Jahr die Crailsheimer erfolgreich beworben haben. „Er wird jedes Jahr in einem anderen Land irgendwo auf der Welt angeboten“, berichtet Illig. Teilnehmer müssten dabei am Samstag und auch am Sonntag – also an zwei Tagen hintereinander – auf die Strecke gehen. Das erklärt zusätzlich auch die etlichen Wohnmobile, die rund um die Hirtenwiesenhalle stehen.

Und die Wanderfreunde kümmern sich um alle Besucher. Denn es ist kein geringer Aufwand, der – für viele Teilnehmer nicht sichtbar, also hinter den Kulissen – dafür betrieben wird, und das schon alleine in der Woche vor der Veranstaltung. „Montags werden die Strecken gemäht“, beginnt der Vorsitzende seine Aufzählung. Viel Arbeit haben Siegfried und Thomas Albig. Sie beschildern dienstags bis freitag die Strecken, damit sich auch niemand verirrt. „Und wir bekommen viel Lob für unsere gute Ausschilderung“, betont Illig.

Hinter der Halle haben die Wanderfreunde ein Zelt errichtet. „Hier gibt es keine Küche. Die gesamte Verpflegung wird dort vorbereitet“, verrät er. Und die wird gerne angenommen. Die meisten sitzen vor allem nach der Wanderung noch in der Hirtenwiesenhalle zusammen, reden, trinken und laben sich an Braten, Kartoffelsalat oder nachmittags an den selbst gebackenen Kuchen.

Pfullingen

Erste Starts um 5.30 Uhr

Auch am frühen Samstagmittag sitzen schon etliche Besucher an den Tischen. „Die haben früh angefangen und sind jetzt schon fertig“, so der Vorsitzende. Allerdings sind es eher einige der rund 250 Teilnehmer, die über die Marathonstrecke von 42,195 Kilometern gehen, die bereits den frühesten Starttermin um 5.30 Uhr am Samstag und Sonntag nutzen. „Die meisten gehen normal zwischen acht und zehn Uhr los“, berichtet er.

Am Sonntagmittag gibt’s eine feierliche Übergabe der Ehrenpreise für die Gruppen mit den meisten Teilnehmern. Der Spielmannszug der Bürgerwache begleitet sie. Nur eins wird diesmal zum Bedauern Illigs fehlen: ein Grußwort der Stadt. „Mir wurde mitgeteilt, das gibt’s jetzt nur noch bei Jubiläen“, berichtet der Vorsitzende enttäuscht.

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