Gleich mehrere schwer geschädigte Forste im Landkreis waren dieser Tage Ziel einer Waldbegehung – keiner so heftig betroffen wie der Wald bei Onolzheim am Fuß des Burgbergs. Zu diesem Waldspaziergang der etwas anderen Art hatten der FDP-Landtagsabgeordnete Stephen Brauer, Forstdirektor Dr. Andreas Wickel und Revierleiter Karl Kolb auch die betroffenen Waldbesitzer eingeladen. Drastische Veränderungen wurden da augenfällig.

Die Sache mit dem Plastik

„Das sieht wirklich aus wie ein Soldatenfriedhof“, stimmte Dr. Lukas Braun, parlamentarischer Berater unter anderem für Umwelt, Klima und Energie, einigen der Onolzheimer Waldbesitzern beim Blick auf die durch Plastikhüllen geschützten Neuanpflanzungen zu. „Unglaublich hässlich“, findet Revierförster Karl Kolb das Plastik. Lange habe er sich gewehrt gegen diese Neuerung, die er als Verschandelung seines Waldes sah, zuletzt aber habe er sich überzeugen lassen: Ein neuer Wald wachse ungleich schneller mit dieser Hilfe. Das Plastik, das natürlich nach den ersten Jahren wieder aus dem Wald gebracht werden müsse, diene als Mäuse- und als Fegeschutz – Böcke, die sich die Geweihhaut abreiben, sind das Todesurteil für junge Bäume –, schaffe ein günstiges Mikroklima und zeige nicht zuletzt dem Waldbesitzer, wo ein junger Baum wächst. Letzteres hilft entscheidend beim Freischneiden der ansonsten zuwuchernden Jungpflanzen sowie bei der Kontrolle und beim Nachpflanzen.

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Schlat

Solche Baum-Kinderstuben – ein Meer von weißen Plastikpfosten als Zeichen von Neubeginn in einem Baumfriedhof – werden künftig vielfach zu sehen sein. Das war die zentrale Aussage dieser Waldbegehung. Kaum ein Baum werde verschont, so Forstdirektor Wickel; im Trockenjahr 2018 habe es sogar die tiefwurzelnde Weißtanne erwischt. Ab einer Tiefe von 30 Zentimetern sei der Waldboden noch immer staubtrocken. Derzeitige Regenfälle brächten den Waldbäumen keine Erleichterung: „Es braucht bis zu sieben normale Jahre, bis die Trockenheit der vergangenen Jahre ausgeglichen ist.“ Weitere Folge des Waldumbaus: Haben Waldbesitzer früher für die Enkel gepflanzt, muss heute eine Generation weiter gedacht werden, weil Laubbäume deutlich langsamer wachsen.

Hilfe tut not

Für ganze Nadelholzbestände gibt es keine Hoffnung. Viel ist davon zu hören derzeit: Wer sich, etwa bei einer Waldbegehung in Onolzheim, selbst von den massiven Schäden überzeugt, versteht, was verloren geht. Und kann verstehen, dass vor allem Besitzer kleinerer Waldstücke keine Lust mehr haben, weiterzumachen. Nicht nur, dass es kaum noch Geld gibt fürs Holz: Die Aufarbeitung kostet, gar nicht zu reden von den Folgekosten für neue Kulturen. Hinzu kommen immer neue Schädlinge. Derzeit, waren sich alle Beteiligten einig, helfe nur Not- und Direkthilfe auch für Kleinwaldbesitzer, langfristig sei an eine steuerfreie Risikoausgleichsrücklage für Forstbetriebe zu denken. Am Beispiel Onolzheim werden auch Möglichkeiten gefordert, Waldbesitzer, die ihr Käferholz nicht aus dem Wald schaffen, in die Pflicht zu nehmen oder an deren Stelle – und auf deren Kosten – aktiv zu werden.

Herausforderungen

Welche Bäume zueinanderpassen, einander Licht und Luft lassen, ist eine Wissenschaft für sich, für die sich in Zukunft zwangsläufig immer mehr Waldbesitzer interessieren müssen. Ein funktionierender Mischbestand ist immer über viele Jahre gewachsen und geprägt. An welchen Standorten aber vielgepriesene Alternativen aus wärmeren, trockeneren Gefilden mit welchem Tongehalt im Boden zurechtkommen oder ob sie einen richtig harten Winter überstehen, das alles muss erst noch in Erfahrung gebracht werden, buchstäblich, und macht die von einem nie da gewesenen Waldumbau betroffene Forstwirtschaft der Gegenwart nicht unbedingt einfacher.

Landespolitik

„Wir sind froh, wenn unsere Probleme in den Landtag gebracht werden“, sagte der Forstdirektor im Rahmen dieser Waldbegehung. Der FDP-Landtagsabgeordnete des Wahlkreises Schwäbisch Hall, Stephen Brauer, erklärte, als Mitglied im Finanzausschuss des Landtages sei es ihm mit Blick auf die im Herbst anstehenden Haushaltsberatungen im Parlament wichtig, „aus erster Hand über die Schäden in unseren heimischen Wäldern informiert“ zu sein und „Maßnahmen zu erörtern, die zeitnah und nachhaltig Abhilfe schaffen können“.

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