Alles ist dabei, bei der Waldbegehung des Crailsheimer Gemeinderats und der Verwaltungsspitze. Der lichte Eichenwald, der Platz lässt für Labkraut und Johanniskraut, ein uralter Eiskeller, in dem Bechsteinfledermäuse daheim sind, ein zum Untergang verurteilter Fichtenwald, in dem Dank der Eichelhäher-Saat schon jetzt jeder 20. Baum eine Eiche ist, ganz ohne teure Kulturen. Mit eigenen Augen sehen die Waldwanderer aus der Kommunalpolitik, was Ulrich Friedhoff, Forsteinrichter des Regierungspräsidiums, die „gut bewirtschafteten“ Crailsheimer Wälder nennt. Durchforstungsrückstände etwa gebe es allenfalls in angekauften Bereichen. Vom gutem Zustand dieser Wälder spricht er, fügt aber eben auch ein „den Umständen entsprechend“ an. Gut ist nämlich relativ.

Ungebetene Bewohner

Auch der Eichenprozessionsspinner begegnet den Stadträtinnen und Stadträten, gleich mehrmals kommen sie ihm ganz nah. Hier hat das Eschentriebsterben eine Schneise geschlagen, dort steht eine tote Fichte mit unzähligen, nach einer starken Baumblüte gewachsenen Zapfen, die den Baum im vergangenen Trocken-Jahr zu viel Kraft gekostet haben: „Jedes legt noch schnell ein Ei, Und dann kommt der Tod herbei“ wird angesichts der Baumtragödie Wilhelm Busch zitiert. Aber richtig lustig ist es nicht, was Friedhoff und insbesondere Crailsheims Revierförster Karl Kolb über die jüngsten Entwicklungen in den Wäldern berichten und was sie an einer eigentlich tief wurzelnden toten Tanne festmachen: „Das zeigt, wie tief ausgetrocknet der Boden mittlerweile ist.“

Eine Station in Jagstheim ist der Ebenrain, ein alter Eichenwald, in dem früher Schweine gemästet wurden. Das Alt- und Totholzkonzept des Landes ist am Mittwoch unter diesen alten Eichen durchaus Thema, aber für ein Waldrefugium, das mindestens einen Hektar groß sein muss, ist der alte Hütewald mit seinen Resten historischer Bewirtschaftung zu klein. Über eine Verbesserung der Biotopqualität durch Beweidung könnte sich aber ein Schonwald ausweisen lassen, so Friedhoff, der Crailsheim wertvolle Ökopunkte einbringe. Was für ein Schatz dieses Wäldle darüber hinaus ist, davon kann sich der Gemeinderat selbst überzeugen. Die tote Eiche, so eine Erkenntnis, passt da wunderbar rein, so voller Leben wie sie ist. In einer zweiten Begehung stellen Raisch und Karl Kolb die Arrondierung eines Gebiets im Auberg-Wald vor – durch einen Ankauf verfügt die Stadt jetzt über eine geschlossene Fläche.

Heidenheim

Wo muss neu justiert werden?

Die beiden Forstmänner sind im Rahmen der Forsteinrichtung den gesamten Bestand durchgegangen – alle zehn Jahre wird in den Wäldern festgelegt, wo Probleme auftreten, wo gegebenenfalls neu justiert werden muss. Sie bestätigen den aus Stuttgart angereisten Leitenden Forstdirektor Dr. Wolfgang Raisch, der sagt, Deutschlands Wälder hätten „ein massives Problem mit dem Wetter“: „So trocken, wie es ist, gehen alle Wälder in die Knie.“

„Die Fichte passt nicht mehr hierher“, bestätigt Friedhoff, auch die anderen Bäume litten; nur die Eiche sei relativ stabil, und auch sie brauche dringend Regen. Auf die Douglasie wird noch immer gesetzt, überhaupt lohne ein Blick in die Welt, etwa auf Tulpenbaum oder Atlaszeder. Förster hätten „nie ein Problem mit Migrationshintergrund“.

In Crailsheims Wäldern gibt es derzeit rund 60 Prozent Laubbäume, ein guter Wert; die Fichte macht nur noch 18 Prozent aus. Nach den Stürmen der 90er-Jahre mussten große Flächen aufgeforstet werden, somit fehlt alter Baumbestand und entsprechend gibt es eine unglückliche Verbindung von weniger Ertrag, schwindenden Vorräten und größeren Kosten für die Aufforstung. In den vergangenen Jahren hat die gefürchtete „ZN“ kontinuierlich und stark zugenommen, die zufällige Nutzung, im Crailsheimer Fall weitgehend Käferholz. Dass Kolb mit 15.529 Erntefestmeter Holz trotz 25 Prozent „ZN“ praktisch eine Punktlandung gelungen ist – der Plan hatte 15.100 Festmeter vorgesehen –, wurde von Friedhoff und Raisch gleichermaßen als bemerkenswerte Leistung gewürdigt. Für die kommenden zehn Jahre werden 12.700 Erntefestmeter vorgeschlagen.

Zunächst geht es um Schadensbegrenzung. Karl Kolb sagt, derzeit seien 18 Harvester im Einsatz, um das Käferholz schnell aus den Wäldern bringen zu können, „und wir kommen immer noch nicht nach“; in Hessen seien ganze Bestände aufgegeben worden. Forstarbeit war schon einfacher.

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