Crailsheim / Julia Vogelmann In der Bob-Ross-Technik hat Thomas Johnson seine künstlerische Heimat gefunden. In Kursen gibt er sein Können und seine Begeisterung weiter.

Ein Bleistift war ständiger Begleiter des kleinen Thomas Johnson, als er zuerst in Indianapolis und später in Montgomery (Alabama) aufwuchs. Comicfiguren waren seine Leidenschaft. Kein Blatt oder Zettel, kein Schulheft und keine weiße Wand waren vor ihm sicher. Gefördert wurde sein Talent innerhalb der Familie nicht, sondern eher belächelt. Erst am Ende seiner Schulkarriere fiel einer Lehrerin die Begabung auf und sie ermutigte Johnson, sich für ein Kunststipendium zu bewerben.

Doch die jahrelang angehäuften Zweifel am eigenen Talent waren zu groß. So hielt er sich nach dem Abschluss mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Mit 19 Jahren, auf der Suche nach Struktur, verpflichtete er sich schließlich bei der US Army, wo er nach der Grundausbildung auf Hawaii stationiert war. „Ich habe mich dort fremd gefühlt und hatte Heimweh, also habe ich gezeichnet“, erinnert er sich an die vielen Bilder, die dort entstanden sind. Doch keines davon ist mehr in seinem Besitz. Er hat sie alle an Kollegen und Freunde verschenkt, die von seinem Talent, Landschaft abzubilden, beeindruckt waren. Es folgten Stationen in Südkorea, Guam, Neuseeland und schließlich an verschiedenen Orten in den USA, bevor er 1982 den Einsatzbefehl nach Hessental in Deutschland bekam. Im Marschgepäck natürlich immer der Bleistift.

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Thomas Johnson kam aus Zufall auf Bob Ross

In Deutschland gefiel es dem jungen Mann. Nach seiner Dienstzeit dauerte es nur ein halbes Jahr, bis er den USA den Rücken kehrte und als Zivilist zurückkam. „Mir hat das Land immer gefallen, ich habe viele nette Menschen kennengelernt“, erklärt er diesen Schritt, den er ohne konkreten Plan wagte. Was folgte, waren viele unterschiedliche Arbeitsplätze. Die einzige Konstante war das Zeichnen. 1996 lernte er seine Frau kennen und zeigte ihr seine Zeichnungen. Ihre Reaktion: „Wenn du zeichnen kannst, dann kannst du auch malen.“

Zum Geburtstag schenkte sie ihm eine Grundausrüstung für Ölmalerei. Durch einen Umzug nach Nürnberg und die Bekanntschaft mit einer inzwischen verstorbenen Künstlerin dort kam er schließlich in Berührung mit der Bob-Ross-Technik. Tatsächlich kam Zufall auf Zufall. „Da ist ein Amerikaner mit Afro im Fernsehen, der malt und dabei redet“, mit diesen Worten weckte er eines Nachts völlig aufgeregt seine Frau. Und wie es der Zufall wollte, gab die neue Bekannte Kurse in genau jener Maltechnik, die ihn so ansprach.

„Das war genau das, was ich wollte. Ich habe immer etwas gemacht, doch es hat immer etwas gefehlt“, erinnert er sich an seine Zeit vor Bob Ross. Rund sieben Jahre intensiver Ausbildung in der Technik später war Thomas Johnson so weit, seiner Kunst einen eigenen Stempel aufzudrücken. Seine Begeisterung für Bob Ross ist ungebrochen. „Ich spüre eine tiefe Verbindung, weil er weiß, was er tut. Es entspannt mich und macht mich glücklich“, schwärmt er auch heute noch vom verstorbenen Star.

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Genau dieses Gefühl wollte Johnson irgendwann an andere weitergeben und wendete sich an die VHS in Hall mit dem Angebot, dort Kurse zu geben. Das war vor über zehn Jahren. Inzwischen gibt er Kurse auch im Brenzhaus und an der VHS in Crailsheim. „Ich fühle mich jedes Mal erneuert, es ist nie langweilig“, sagt er über seine Kurse. Immer noch gefällt ihm die Verblüffung auf den Gesichtern seiner Kursteilnehmer, wenn er die Technik demonstriert. Lachend verrät er: „Sie schauen grundsätzlich auf das Falsche, nämlich auf das entstehende Bild anstatt auf die Hand mit dem Pinsel.“

Gründlich aus- und fortgebildet

Im Laufe der Jahre hat sich der Künstler, der das Malen und Zeichnen aber immer noch nur als Hobby betreibt, gründlich fort- und ausgebildet, hat von Bleistiftzeichnungen über Pastellkreide bis hin zur Aquarellmalerei eine Ausbildung durchlaufen. Inzwischen hat auch die Familie in Amerika sein Talent erkannt und besitzt stolz Bilder von ihm. Eine späte Genugtuung nach dem Spott aus seiner Kindheit.

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Zu Hause in Schwäbisch Hall hat er sich ein kleines Atelier eingerichtet, in dem er für sich malt. An der Wand hängt eine große Folie, damit es keine Farbspritzer gibt, wenn er die Bob-Ross-typische Handbewegung beim Abstreifen des Pinsels macht. Gleich gegenüber hängen jede Menge Urkunden. Drei schwarze Gürtel in Karate trägt der 62-Jährige nämlich auch.

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