„Es tut mir wirklich weh, Sie so wieder hier sitzen zu sehen“ – ungewöhnliche Worte gab es von Richterin Uta Herrmann während der Urteilsverkündung bei einem Prozess, der jüngst vor dem Crailsheimer Amtsgericht verhandelt wurde. Eine 41-jährige Crailsheimerin war wegen Urkundenfälschung in drei Fällen und Diebstahl in mehreren Fällen angeklagt.

Die Richterin kannte die Beschuldigte bereits. Diese war in der Vergangenheit immer wieder mit dem Gesetz in Konflikt geraten, saß zeitweise auch im Gefängnis. Der Grund: Ihre Abhängigkeit von einem Opioid-­Schmerzmittel. In den meisten Fällen versuchte die 41-Jährige, die im medizinischen Bereich tätig war, mit gefälschten Rezepten an das Medikament zu kommen.

Angeklagte hatte Entschuldigen „nur schlampig gefälscht“

Das war dieses Mal anders: Die Mutter mehrerer Kinder wurde beschuldigt, im Jahr 2018 zwei Entschuldigungen für sich und eine Krankschreibung für ihren Sohn gefälscht zu haben. Als Mitarbeiterin einer medizinischen Praxis nahm sie für ihre Entschuldigungen den Stempel ihres Arbeitgebers und fälschte dessen Unterschrift. Bei der Krankschreibung ihres Sohnes für die Schule veränderte sie das Datum, „das war nur schlampig gefälscht“, so die 41-Jährige. Darüber hinaus bediente sie sich aus der Praxis- und Kaffeekasse und aus Geld­umschlägen – insgesamt eine dreistellige Summe, wenn man der Beschuldigten glaubt. Überführt wurde sie durch das Auslesen der Türschlösser der Praxis und eine Kamera.

Die meisten Anschuldigungen, außer einige Diebstähle, räumte die Angeklagte ein. Sie dachte, sie sei stabil gewesen, und danach sah es zunächst auch aus. Doch dann traf sie in der Praxis auf Bekannte aus vergangenen Tagen. Die hätten ihr gedroht, ihrem Arbeitgeber zu sagen, dass sie im Gefängnis war, wenn sie nicht mit ihnen konsumiere.
Ab diesem Punkt ging es wieder abwärts. Für die Angeklagte sprach, dass sie das gestohlene Geld und noch mehr ihrem Arbeitgeber zurückbezahlt hatte. Außerdem habe sie einen Plan für die Zukunft, so Verteidigerin Britta Muck, und sei seit eineinhalb Jahren nicht mehr mit dem Gesetz in Konflikt geraten. In ihrem letzten Wort entschuldigte sich die 41-Jährige bei ihrem Arbeitgeber und seinen Angestellten, die ebenfalls im Gerichtssaal waren.

41-Jährige war in alte Muster zurückgefallen

„Sie sind eine Frau, die aufzutreten weiß, die sich in gesunden Phasen um alles kümmert“, erklärte Richterin Herrmann in ihrem Urteil. Doch dann gebe es auch die Gegenwelle, wenn es nicht so läuft, „dann geht alles kaputt. Dann fallen sie in alte Muster zurück, statt einen Trennstrich zu ziehen.“

Herrmann verurteilte die Angeklagte zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten – ohne Bewährung. Die Vorstrafen und die aktuellen Taten ähnelten sich „gravierend“, erklärte die Richterin. Auflagen aus bisherigen Verurteilungen, wie Therapien und eine Suchtberatung, seien nur begrenzt wirkungsvoll gewesen. Bei der Hafterfahrung hingegen sei ein Eindruck da gewesen, aber wohl nicht lange genug.