Gegen den Widerstand eines Entsorgungsbetriebes vor Ort hat der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung grünes Licht für die Errichtung einer Reihenhaussiedlung mit 38 Wohneinheiten im Stadtteil Türkei gegeben. Dort, wo derzeit noch Kleingärten sind, will die Deutsche Reihenhaus AG preisgünstigen Wohnraum schaffen.

Doch nicht nur der Entsorgungsbetrieb hat Bedenken, sondern auch das Landratsamt. Anlass ist die nur geringe Entfernung vom Südrand der Siedlung bis zum Betrieb – es sind gerade mal um die 100 Meter. Der Betrieb befürchtet Beschwerden der neuen Anlieger, die zu betrieblichen Beschränkungen führen könnten. Zudem wird auf die Verkehrsproblematik im Stadtteil verwiesen. Der durch die Bewohner der Reihenhaussiedlung zusätzlich entstehende Verkehr werde zu „unerträglichen Verhältnissen“ führen. Deshalb sei eine weitere bauliche Entwicklung der Türkei erst denkbar, wenn die Verkehrsproblematik gelöst ist.

Zu einem regelrechten Schlagabtausch entwickelte sich der Schriftverkehr zwischen Stadtverwaltung und Landratsamt hinsichtlich des Lärms, der auf die Reihenhäuser einwirkt. Mit Verweis auf eine schalltechnische Untersuchung, die eine Überschreitung des zulässigen Immissionswertes am Tag um zwei Dezibel ergab, trug die Behörde „massive Bedenken“ gegen das Bauvorhaben vor, und verwies auf den Vorsorgegrundsatz des Bundesimmissionsschutzgesetzes.

Bad Mergentheim/Crailsheim

Stadtverwaltung und Landratsamt sind bei den Reihenhäusern unterschiedlicher Meinung

Als das Rathaus antwortete, die Grenzwertüberschreitung sei geringfügig, wurde der Ton ruppiger, betonte das Landratsamt, die Aussage der Stadtverwaltung sei „irreführend“. Die Behörde verwies darauf, dass es sich bei Dezibel, also der Maßeinheit, mit der Lärm gemessen wird, um eine logarithmische Größe handelt. Zwei Dezibel mehr sei also keine geringfügige Erhöhung des Lärms, sondern eine 67-prozentige Überschreitung des Immissionsrichtwertes. Schließlich lenkte die Stadt ein und konstatierte, dass die Ausführungen des Landratsamtes „nachvollziehbar“ seien und „zur Kenntnis“ genommen werden.

Siedlung darf keine Schlafzimmer im Süden haben

Das Einlenken der Stadt führte aber nicht zum Scheitern des Reihenhausprojekts. Vielmehr wurde so geplant, dass auf der südlichen, dem Entsorgungsbetrieb zugewandten Seite eine geschlossene Riegelbebauung festgelegt wurde. Dort sind nur nicht schutzbedürftige Funktionen zugelassen, etwa die Zufahrt, Stellplätze und Vorgärten. Für die Wohnhäuser selbst wurde verfügt, dass alle schutzbedürftigen Räume, etwa Wohn- und Schlafzimmer, auf die lärmabgewandte Seite kommen müssen. So will die Stadt vermeiden, dass auf der Südseite eine bis zu sieben Meter hohe Lärmschutzwand gebaut werden muss.

Eine Lärmschutzwand an den Gleisen ist unerlässlich

Doch nicht nur der Entsorgungsbetrieb ist eine Lärmquelle, sondern auch die Bahnlinie, die das Baugebiet begrenzt. Die Züge sorgen tags wie nachts für einen Lärmpegel von bis zu 63 Dezibel, in einem allgemeinen Wohngebiet sind am Tag aber nur 55 und nachts nur 45 Dezibel zulässig. Um die Werte einzuhalten, hilft hier nur eine Lärmschutzwand. Die muss mindestens vier Meter hoch sein und sich auf eine Länge von fast 200 Metern erstrecken, um die Bewohner vor zu viel Lärm schützen zu können.

Aber nicht nur Lärm sorgt für Probleme. Schon jetzt ist die Verkehrsproblematik in der Türkei groß, weil der Stadtteil nur eine Zufahrt hat und die Fahrzeuge, die ins Industriegebiet im südlichen Teil wollen, durch das Wohngebiet fahren müssen. Was zu einem erheblichen Verkehrsaufkommen in der schmalen Friedenstraße führt. Immer wieder verweist die SPD-Gemeinderatsfraktion auf die Problematik, fordert die Stadtverwaltung auf, durch veränderte Verkehrsregelungen für Entlastung zu sorgen.

Verkehrsproblem im Stadtteil Türkei bleibt vorerst

Es gebe keine schnelle Lösung des Problems, hob nun noch einmal Bürgermeister Jörg Steuler in einer Bekanntgabe an die Stadträte hervor. Auch die Ausweisung der Friedenstraße als Einbahnstraße helfe nicht weiter, ist er sich sicher. Eine „durchgreifende Verbesserung“, so Steuler, sei nur mit einer weiteren Zufahrt (Brücke über die Jagst), wie sie in der Landesgartenschauplanung vorgesehen ist, erreichbar. Die Türkei ist zentraler Bestandteil der Bewerbung der Stadt um eine Landesgartenschau in den 2030er-Jahren.

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