Immer wieder gibt es massive Klagen über die Verkehrssituation im Stadtteil Türkei, die nicht selten von Stadträtinnen und Stadträten in Gemeinderatssitzungen zum Thema gemacht werden. Zuletzt hatte Gernot Mitsch (SPD) eine ganze Reihe von Fragen zur Verkehrs- und Parksituation.

Aus Sicht der Türkei-Bewohner, so Mitsch, gebe es zu wenig Parkflächen beziehungsweise ungenutzte Flächen, die sich in Parkflächen umwandeln ließen. Das Parken in Kurven sei Thema. Und der Lkw-Verkehr habe in erheblichem Maß zugenommen. Zusätzlich habe sich eine Spedition angesiedelt, die auch nachts erhebliche Emissionen verursacht. Damit sind die Klagen aus dem Stadtteil zusammengefasst. Mitsch räumte ein, es gebe keine Patentrezepte oder schnellen Lösungen, sprach sich aber für eine Verkehrsschau und ein Gespräch mit den Betroffenen aus.

Bürger meint: Entlastung der Türkei kann nicht bis zur Landesgartenschau warten

Einem HT-Bericht zu Crailsheims Landesgartenschau-Bewerbung war zu entnehmen, dass die aktuelle Planung nach Beendigung dieser Gartenschau eine zusätzliche Zufahrt zum Stadtteil Türkei vorsieht: eine Bahnbrücke in Richtung Altenmünster, die viele Verkehrsprobleme dort lösen würde. Daraufhin wandte sich ein Bewohner der Türkei an Bürgermeister Jörg Steuler und die Fraktionen im Gemeinderat: Die derzeitigen Probleme würden in erster Linie durch den Industrieverkehr verursacht; deshalb werde die Entlastung jetzt benötigt, nicht erst nach der Gartenschau, die ja ohnehin die Probleme in der Türkei angehen werde.

Der Bürger, der seinen Namen nicht in der Zeitung sehen will, führt das Problem ebenfalls vor allem auf die Ansiedlung einer Spedition mit derzeit rund 20 Lkw zurück, die nach dem Be- und Entladen bei Crailsheimer Firmen oft mehrmals täglich zur Spedition zurückgebracht würden, „rund um die Uhr im Übrigen“. An Wochenenden und Feiertagen würden diese Fahrzeuge in der Türkei geparkt, zum Teil verbrächten auch die Fahrer dort die freien Tage.

Wollen Anwohner freie Parkflächen an der Friedensstraße und Pistoriusstraße nicht nutzen?

Der Verkehr bereits ansässiger Unternehmen und neu angesiedelter Kleinbetriebe sowie der zusätzlichen Wohnungen der Baugenossenschaft habe nur geringfügig zugenommen, so heißt es weiter. Eine Spedition dieser Größe aber gehöre nicht in ein Industriegebiet, das nur über ein Wohngebiet zu erreichen sei.

Zweites großes Problem: „Unvernünftige Anwohner“ trügen durch verkehrswidriges Parken „sehr stark zur teils chaotischen Verkehrssituation bei“. Anwohner seien nicht bereit, freie Flächen am Ende der Friedens- oder Pistoriusstraße zu nutzen. Auch der Parkplatz vor der Unterführung stehe zur Verfügung, werde aber kaum in Anspruch genommen. Ein weiteres Problem seien Gebäude, die, historisch bedingt, kaum Stellplätze für viele motorisierte Bewohner hätten – dabei wäre Fläche für zu errichtende Stellplätze vorhanden.

Auf Bitten aus der Türkei hat die Stadtverwaltung mittlerweile in den Kreuzungsbereichen Markierungen angebracht, um ans dortige Parkverbot zu erinnern.

Crailsheim

Bürgermeister Steuler: Eine schnelle Lösung für die Türkei ist nicht möglich

Bürgermeister Jörg Steuler zeigt in seiner Antwort Verständnis dafür, dass Türkei-Bewohner mit einer Lösung nicht bis zur Durchführung der Landesgartenschau warten wollen. „Allerdings sind die strukturellen Probleme im Stadtteil Türkei nicht ohne erhebliche finanzielle Mittel zu lösen und eine Gartenschau wäre ein geeignetes Instrument, um diese Mittel zu generieren.“

Der Standort des Industriegebietes, die Erschließung durch ein bestehendes Wohngebiet und die „Insellage“ des Ortsteils seien ein historisch gewachsener Zustand. In Anbetracht der vorliegenden städtebaulichen Problematik und rechtlichen Tatsachen, wie des Bestandschutzes, sei eine schnelle Lösung der Gesamtproblematik wohl kaum realisierbar, so Steuler. Eine zweite Zufahrt in die Türkei sei auch nach einer Landesgartenschau sinnvoll, „da auf den heute noch industriell genutzten Flächen Wohnungsbau in erheblichem Maße“ stattfinden würde.

Stadtverwaltung beschäftigt sich mit Lkw-Verkehr

Dennoch müsse die Problematik der Zunahme des Verkehrs und insbesondere des Lkw-Verkehrs im Stadtteil selbstverständlich auch heute schon kritisch betrachtet werden. Das Problem beschäftige die Verwaltung der Stadt Crailsheim bereits seit einiger Zeit. Die Nutzung eines derzeit leer stehenden Firmengebäudes und dessen Außenflächen als Park- und Dauerstellplatz für Lkw sei aber baurechtlich in einem per Bebauungsplan festgesetzten Industriegebiet grundsätzlich zulässig und könne daher nicht ohne Weiteres untersagt werden.

In Anbetracht der offensichtlichen Belastung der Anwohner im Stadtteil prüfe die Verwaltung aber derzeit, welche rechtlichen Möglichkeiten dafür bestehen. „Eventuell wird die neue Nutzung Gegenstand eines entsprechenden baurechtlichen Verfahrens.“

Hinsichtlich der Verkehrsprobleme im öffentlichen Raum habe es bereits einen Vor-Ort-Termin mit ihm und Raimund Horbas, Leiter des Ressorts Sicherheit und Bürgerservice, gegeben – mit dem Ziel, durch kleinere Maßnahmen für Linderung und Entlastung zu sorgen.

Das könnte dich auch interessieren:

Crailsheimer Gartenschau Aus dem Blickwinkel der Bürger

Crailsheim