Auch bei einer 53. Auflage kann es noch eine Premiere geben. Am Montag stellte sich zum ersten Mal ein Rollstuhl-Tischtennisspieler der Konkurrenz beim Dreikönigsturnier in Crailsheim. Der Lindauer ist Mitglied in der Kornwestheimer Rollstuhl-Bundesligamannschaft. Als er in die Crailsheimer Großsporthalle einfährt, ist von den anderen Spielern Lob und Anerkennung zu hören: „Der kann was“ oder „Gegen den ist es schwierig“ ist zu vernehmen. Thomas Brückle (43) sieht es gelassen: „Ich habe von Anfang an gegen Nichtbehinderte gespielt.“

Brückle kann sich zuerst einmal mit einer hausgemachten Gulaschsuppe stärken, während andere Spieler schon mitten im Wettbewerb stecken. Für Walter Haag von der TSG Kirchberg ist das Städtepokalturnier wie für fast alle Akteure der sportliche Auftakt des Jahres: „Es ist ideal als Training. In der Liga haben wir ja zwischen Weihnachten und 6. Januar Pause.“ Außerdem treffe man auf Gegner aus dem Bayerischen oder Württembergischen, gegen die man sonst praktisch niemals antreten könnte. „Da muss man sich neu einstellen.“ Der 59-Jährige hat kurz zuvor bei den Herren C gegen einen über 70-Jährigen verloren. „Das ist das Interessante an unserem Sport. Die Älteren sind oft besser in Taktik und Technik. Da hilft auch die bessere Athletik nicht.“ Obwohl Haag seit 40 Jahren an der Platte steht, hat er festgestellt, dass gerade die Jüngsten in der Augen-­Hand-Koordination klare Vorteile haben. Trotz keiner vorderen Platzierung ist er zufrieden: „Mich motiviert so ein Wettkampf mehr als nur das Training.“

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Rangendingen

Sportlicher Marathon

Wolfgang Siewert aus dem bayerischen Insingen kommt zum achten Mal zum Turnier nach Crailsheim und hat sich 2020 bereits einen sportlichen Marathon zugemutet. Beim Mitternachtsturnier in Kalbensteinberg stand er bei den Herren C am 4. Januar bis um 4 Uhr an der Platte. „Danach gab es zuerst einmal eine Dosenwurst, bevor es am Vormittag in Scheinfeld bei Neustadt/Aisch weiterging.“ Dort lief es dann allerdings nicht ganz so rund. Auch in Crailsheim verlor er die ersten beiden Partien und hatte somit keine Chance mehr auf einen vorderen Platz. „Aber ich bin nicht traurig, ich hatte es so erwartet.“

Kurz vor 14 Uhr wird es auch für Thomas Brückle ernst. Gemeinsam mit seiner Freundin Anika Müller und seinem Teampartner Michael Roll fährt er mit dem Hallenaufzug nach unten auf die Hallenfläche. Während sich die beiden einspielen, wird klar, was Brückle im Vorgespräch gemeint hatte: „Wenn man gegen mich schnell spielt, kommen die Bälle umso schneller zurück.“ Brückle ist seit dem zehnten Lebensjahr nach einer Blutung im Rückenmark ab der Hüfte gelähmt. Doch behände spielt er die scharf gezogenen Bälle des deutschen Behindertenmeisters Roll zurück. Da er mit seinem Rollstuhl eng am Tisch steht, kommen die Bälle extrem schnell. Schwierig wird es bei kurzen Bällen. Roll, der sonst für den SC Staig in der Oberliga an der Platte steht, hat von Geburt an nur einen Unterarm. Dadurch muss er sein Gleichgewicht innerhalb von Bruchteilen von Sekunden ausgleichen.

Die beiden schaffen es nicht ins Halbfinale. Frust kommt deshalb aber nicht auf. „Ich spiele ansonsten in der Oberliga bei den Nicht-Behinderten“, berichtet Brückle. „Doch meine Mannschaft wurde aufgrund Spielermangels aufgelöst.“ So bekam er in Crailsheim bei den Herren A Spielpraxis. „Und es hat Spaß gemacht!“