Eine Reihung zumeist heiterer Stücke war das Silvesterkonzert des SWR-Swing-­Fagottetts im Crailsheimer Ratssaal vor mehr als 300 Zuhörern. Doch auch Melancholisches durfte sich bisweilen Bahn brechen.

Nach Dvorakschen Klängen zu Beginn stellte Moderator Wolfgang Milde fest, dass einem etwas fehlen würde, wenn Antonin Dvorak Metzger geworden wäre – dem Wunsch der Eltern entsprechend. Dann kamen erste melancholische Momente mit dem zweiten Walzer aus Dmitri Schostakowitschs „Suite für Varieté-Orchester“ auf, den Libor Sima und Georg ter Voert junior zunächst auf Altsaxofonen intonierten.

Mit sanftem Witz gespielt

Zwischendurch wurde in Melodien geschwelgt, auf dem Klavier begleitet von Georg ter Voert senior. Als Kontrast wirkte darauf Claude Debussys „Le petit negre“, dessen Ragtime-Rhythmus die vier Musiker mit sanftem Witz vorführten.

Libor Sima spann den Faden mit Johann Sebastian Bachs „Badinerie“ aus der h-Moll-Orchestersuite weiter. Auf dem Sopransaxofon führte er zusammen mit den anderen das barocke Thema vor, ehe er die „blue notes“ in einem Chorus in den Mittelpunkt des Geschehens rückte.

Blaubeuren

„Wir vermuten, dass Bach die ‚Badinerie‘ nicht für Sopransaxofon komponiert hatte“, so Moderator Milde. Er fügte hinzu, dass das Saxofon 2019 Instrument des Jahres gewesen sei. Komponist des Jahres 2020 ist Ludwig van Beethoven, da sich heuer sein 250. Geburtstag jährt.

Zu viel Kaffeegenuss

Dessen Stück „Die Wut über den verlorenen Groschen“ zeigte Georg ter Voert junior auch noch auf Xylofon und Piccoloflöte. Der Beethovenschen Wut – wohl auf zu viel Kaffeegenuss mit zu viel Kaffeebohnen zurückzuführen – stellten die vier Musiker wieder ein reines Fagottstück entgegen: Robert Stolz‘ „Salomé“-Foxtrott, gefolgt von nicht minder gesanglichen Momenten zu einem Medley mit Melodien aus Frederick Loewes Musical „My Fair Lady“.

Später war Libor Sima noch zweimal als Improvisationskünstler zu erleben, diesmal auf dem Altsaxofon: aufgekratzt zu Bill Haleys „Rock Around The Clock“ und ausgelassen zu Zequinha de Abreus „Tico Tico“. Ob man dazu tatsächlich die vorweg aufgenommene Klangzuspielung gebraucht hätte, darüber ließe sich lange diskutieren.

Wolfgang Milde stellte es als „Modern Fake Quartett“ hin, was den vier Fagotten immerhin die Möglichkeit bot, fast schon wie die Saxofongruppe einer Bigband zu klingen.

„Schwäbische Traditionals“

Viel besser klang allerdings das Arrangement des, so Milde, „schwäbischen Traditionals“ über „Jetzt gang i ans Brünnele.“ Oder Ernst-August Quelles Filmmelodie zu „Kommissar Maigret“, einem, in den Worten von Wolfgang Milde, „wunderschönen Musettewalzer“, den Georg ter Voert senior auf dem Akkordeon zum Klingen brachte.

Humoristisches folgte noch mit dem „Filou virtuos“ mit einem gereimten Milde-Text über den virtuosen Violinspieler Heinz Zupp und einem ganz speziellen „Abba-Medley“ von Libor Sima. „Die eingefleischten Abba-Fans müssen jetzt sehr stark sein“, habe ihm Sima mit auf den Weg gegeben, so Milde.

Denn er hatte die Melodien im Stil von Komponisten bearbeitet, die schon bei den „Donaueschinger Musiktagen“ vertreten waren. Mal klang es nach Igor Strawinski, mal nach Sergej Prokofiev, mal nach Peter Ablinger – alles recht harmlos.

Zugaben am Ende

Am Ende wurde das begeistert applaudierende Publikum mit „Radetzky Stars“ belohnt – dem Radetzky-Marsch, der überraschend überging in John Philip Sousas „Stars and Stripes Forever“ und eine mit Neujahrswünschen verbundenen Tritsch-Tratsch-Polka.