Hurra, der Frühling kommt, denn die Störche sind wieder da. Das heißt: Die beiden Störche, um die es geht, waren nie weg. Sie überwintern schon seit mehreren Jahren in der Region und werden immer wieder auf den Wiesen zwischen Ingersheim und Onolzheim gesehen. Das Besondere ist, dass sie sich schon für ein Nest interessierten und dort auch gleich in flagranti erwischt wurden.
Das wiederum ist kein Wunder, denn eine Webcam hat das Nest auf dem Crailsheimer Rathausdach Tag und Nacht im Blick. Deshalb blieb keinem verborgen, was die Störche da trieben – kann man es „störcheln“ nennen? Jedenfalls nicht „für Nachwuchs sorgen“. Denn dazu ist es noch viel zu kalt. Immerhin liegt im Nest noch Schnee. Würden da Eier hineingelegt, erfrören diese. Ein Storch ist ja kein Kaiserpinguin, der sein Ei auf den Füßen liegend ausbrüten könnte.
Weil den Crailsheimern die verfrühten Paarungen auf dem Dach des Rathauses nicht entgangen sind, meldeten sich besorgte Storchenliebhaber beim Storchenbetreuer Helmut Vaas. Der beruhigt. Paarungen außerhalb der Paarungszeit seien selten, aber nicht ungewöhnlich, schreibt er auf  Facebook, wo er seine Beobachtungen teilt. Es stehe auch nicht zu befürchten, dass die Störchin schon Eier legt: „Das geschieht erst, wenn die Nahrungsgrundlage für Nachwuchs vorhanden ist. Störche sind halt auch nur Menschen. Auch ihnen macht das Spaß, ohne dass da gleich Nachwuchs entstehen muss.“

Für die Störche in Crailsheim war 2020 ein turbulentes Jahr

Das Paar ist übrigens kein unbekanntes: Von 2013 bis 2015 brütete es schon einmal in Crailsheim, wechselte dann über nach Ingersheim. Im vergangenen Jahr hat „der Franzose“ – das Storchenmännchen ist im Elsass beringt worden – allerdings für Wirbel gesorgt. Er wechselte im Frühjahr 2020 munter zwischen den Nestern von Ingersheim und Crailsheim hin und her und beglückte beide ansässige Storchendamen gleichermaßen – mit der Folge, dass es in keinem der Nester eine erfolgreiche Brut gab.
Nachdem die Crailsheimer Störchin im April tot aufgefunden wurde, folgte die Ingersheimer Störchin ihrem Franzosen dann aufs Crailsheimer Rathausdach, zu Nachwuchs kam es nicht mehr. In diesem Jahr hat es das Paar offenbar gleich von Anfang an nach Crailsheim gezogen.