Das Interesse an den Crailsheimer Störchen ist groß in der Bevölkerung. Entsprechend gut gefüllt war der Ratssaal zur Filmpremiere von Waldemar Jauchs Streifen über Meister Adebar. „Der Film bespielt die ganze Palette der Gefühle“, versprach Stadtarchivar Folker Förtsch, nachdem er die Arbeit des Film- und Videoclubs Crailsheim als „bemerkenswerten Farbtupfer im kulturellen Leben der Stadt“, gelobt hatte. Musikalisch stimmte die Gruppe „Handg’macht“ in das Storchenthema ein. Der Filmer führte selbst ein ins Thema, indem er die Entstehungsgeschichte in knappen Worten Revue passieren ließ.

Vier Jahre hat er die Störche in Crailsheim mit der Kamera über den Dächern der Stadt festgehalten, hat sie ins Umland begleitet und sich die Nachbarschaft auf den Dächern der Stadtteile und Nachbarorte angeschaut. Dazu führte er jede Menge Gespräche mit Storchenbeauftragten aus Kreis und Land, mit Zeitzeugen wie Fritz Baier oder Hans Otterbach, als Crailsheim noch Störche hatte oder sich wieder welche wünschte, und mit Fans, die den „Weißröcken“ auf dem Rathaus nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch Gedichte widmen. Entstanden ist so ein Film, der, der Dramaturgie geschuldet, ein Storchenjahr in Crailsheim nachzeichnet.

Storchenfilm deckt viele verschiedene Themen ab

Von der Begattung über den dramatischen Rauswurf eines Jungstorchs aus dem Nest durch die Eltern bis hin zu ersten Flugversuchen und schließlich dem Verlassen des Nests hat Waldemar Jauch seine Linse immer nah drangehalten. Andreas Mundt war die Stimme aus dem Off, die das Filmgeschehen kommentierte.

Aufgelockert wurden die tollen Tier- und Landschaftsaufnahmen durch kleine Anekdoten und Geschichten, Informationen zum Storchenleben und kleinen Gedichten zum Storch. Dabei wurde von Helmut Hasel sogar ein über 50 Jahre lang gehütetes Geheimnis gelüftet: Die vier jungen Männer, die 1964 einen künstlichen Storch auf der Johanneskirche platzierten und so einen kleinen Skandal verursachten bekannten sich im Film zu ihrer Tat, Beweisfoto inklusive.

Nachgezeichnet wurde so auf unterhaltsame, informative und auch humorvolle Weise die Zeitleiste, beginnend beim Nisten der Störche auf den Kaminen des Crailsheimer Schlosses über das Ausbleiben der Störche nach dem Zweiten Weltkrieg bis hin zur Bürgeraktion, die Volker Hasel ini­tiiert hat, der den Stein, Störchen in Crailsheim wieder eine Heimat zu geben, mit einer Spende ins Rollen gebracht hat. Heute sind die Störche ein gewohnter Anblick im Stadtbild, und die Klicks auf der Website der Live-Kamera sind zahlreich.

Stimpfach

Stadtarchivar findet Kochrezept für Störche

Der Film bot übrigens auch eine Lösung an für all jene, die ein Problem damit haben, dass die Störche auf dem Rathausdach im Sommer die Aussichtsplattform blockieren. Gefunden hat sie Stadtarchivar Folker Förtsch im umfangreichen Archiv der Stadt: Ein sehr altes dokumentiertes Rezept für Jungstörche, gebraten mit Speck, Thymian, Lorbeer und reichlich Butter. Dabei stellte der ehemalige OB Michl im Film augenzwinkernd klar, dass seine einzige Sorge der Stadtrat sei, wenn das Dach unter der Last der Scheiße zusammenbricht.

„Der Storch ist ein Sensibelchen und duldet keinen über sich“, erklärte er im Film. Als einziger Großvogel, der sich in den Lebensraum des Menschen eingefügt hat, ist der Storch in Crailsheim wie vielerorts bei den meisten der Überbringer von Glück, Reichtum und Kindern. Angeblich lässt sich das auch an der Geburtenstatistik ablesen. Die Abschlusszeile eines Gedichts, das im Film rezitiert wird, fasst den Stolz der Crailsheimer auf ihre Störche wunderbar zusammen: „So was hat nicht jede Stadt, der eine will, der andere hat.“

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