Nicht wenige Stadträte waren skeptisch, ob sich Bauträger für städtische Grundstücke finden lassen, wenn der Bau von Sozialwohnungen zwingend vorgeschrieben wird. Das Ergebnis der Ausschreibung für die Mehrfamilienhaus-­Grundstücke im Neubaugebiet auf dem Sauerbrunnen zeigt, dass die Skepsis fehl am Platz ist, denn zwölf (!) Unternehmen haben sich für die vier Lose beworben. Mit dem Ergebnis der Ausschreibung befasst sich der gemeinderätliche Hauptausschuss in seiner Sitzung am morgigen Donnerstag.

Crailsheim

Zwölf Interessenten bewerben sich um Bauplätze

Im Frühjahr hatte der Gemeinderat Vergabekriterien für den Verkauf von städtischen Grundstücken, auf denen Mehrfamilienhäuser gebaut werden können, festgelegt. Danach kommt nur der Interessent zum Zug, der in jedem zu erstellenden Mehrfamilienhaus ab sieben Wohneinheiten eine Sozialmietwohnung mit mindestens 60 Quadratmetern und bei Mehrfamilienhäusern ab zwölf Wohneinheiten zwei Sozialmietwohnungen mit jeweils mindestens 60 Quadratmetern errichtet – bei einer Belegungsbindung von 15 Jahren. Für jeweils sechs weitere Wohneinheiten ist dann jeweils eine weitere Sozialwohnung vorzuweisen.

Wer mehr Sozialwohnungen anbietet als von der Stadt vorgeschrieben, erhält weitere Punkte. Kriterien für die Vergabe von Punkten sind außerdem die Dauer der Belegungsbindung, die architektonische und städtebauliche Qualität sowie besondere konzeptionelle und innovative Ansätze. Den Zuschlag erhält der Anbieter, der unter dem Strich die meisten Punkte hat. Während es bei den Losen 1, 3 und 4 jeweils einen klaren Gewinner gibt, ging das Rennen beim Los 2 sehr knapp aus: Nur 0,5 Punkte trennen den ersten vom zweiten Platz. Zwölf Interessenten aus Crailsheim und der Region haben sich um die Mehrfamilienhaus-Bauplätze im östlichen Teil des Neubaugebietes auf dem Sauerbrunnen beworben.

Bietergemeinschaft will nur Sozialwohnungen bauen

Beim Los 1 setzte sich mit dem Blaufeldener Architekten Dr. Alexander Beck und Andreas Mosgallik-Keitel (Geschäftsführer der Firma Keitel-Haus) aus Rot am See eine Bietergemeinschaft aus dem nördlichen Altkreis durch. Sie holte sich die meisten Punkte mit einem radikalen Ansatz: Sie will nur Sozialwohnungen bauen. Zudem beeindruckte sie, so heißt es in einer Sitzungsvorlage für die Stadträte, mit architektonischen und städtebaulichen Qualitäten. Auch bei den Stichworten Konzeption und Innovation hat die Bietergemeinschaft auf sich aufmerksam gemacht.

Bei Los 2 liegt die Öhringer Firma Kern-Bau ganz knapp vor einem Crailsheimer Bieter. Bei Los 3 ist die Crailsheimer Firma VT Generalbau vorne, bei Los 4 das Crailsheimer Unternehmen H.S. Bau. Das letzte Wort hat der Gemeinderat nächste Woche.