Mit der Entwicklung der Crailsheimer Schullandschaft beschäftigt sich der Gemeinderat in einer Sondersitzung – am Donnerstag um 17 Uhr im Ratssaal des Rathauses. Große Umwälzungen sind bei den weiterführenden Schulen geplant: Die beiden Realschulen und die beiden Gemeinschaftsschulen sollen an jeweils einem Standort zusammengelegt werden.

Ausgangspunkt für die Neugestaltung ist eine schulorganisatorische Untersuchung, die die Projektgruppe Bildung und Region Biregio aus Bonn durchgeführt hat. Bereits im Frühjahr wurden die Ergebnisse der Studie öffentlich vorgestellt. Seither führte die Stadtverwaltung Gespräche mit Schulleitern, Elternvertretern, Vertretern des Staatlichen Schulamts in Künzelsau und des Regierungspräsidiums in Stuttgart.

Jetzt ist der Gemeinderat an der Reihe: Er soll über die Zukunft der Schullandschaft entscheiden. Folgt er dem Verwaltungsvorschlag, wird er als Erstes die Aufgabe der Realschule zur Flügelau (RzF) beschließen, da das Schulgebäude als nicht mehr sanierungsfähig gilt. Die RzF soll in die Realschule am Karlsberg (RaK) integriert werden. Da die Rak aber schon jetzt aus allen Nähten platzt, ist hier ein Erweiterungsbau nötig.

Die beiden Gemeinschaftsschulen sollen ebenfalls fusionieren. Die Leonhard-Sachs-Schule (LSS) soll an den Standort der Eichendorffschule (EDS) umziehen. Dafür müsste hier ein dreigeschossiger Erweiterungsbau entstehen. Nachdem das Schulhaus der Leonhard-Sachs-Schule saniert ist, soll die LSS-Grundschule in die sanierten Räume einziehen. Die Räume der bisherigen LSS-Grundschule werden in einem zweiten Bauabschnitt dann ebenfalls saniert. Hier soll später die Käthe-Kollwitz-Schule unterkommen.

Crailsheim

Schulleiter sehen das Campus-Vorhaben unterschiedlich

Die Stellungnahmen der Schulleiter zur geplanten Neuorganisation fallen unterschiedlich aus. Rektor Ulrich Kern (Rak), dessen Schulstandort ausgebaut werden soll, sieht den anvisierten Campus-Lösungen positiv entgegen. „Wir sind sehr froh, dass der Blick von außen unsere Raumsituation aufgedeckt und bestätigt hat“, schreibt er in seiner Stellungnahme. Bedenken dass die Systeme bei einer Fusion zu groß oder zu anonym werden könnten, hat Kern nicht.

EDS-Schulleiter Oliver Grau weist darauf hin, dass seine Schule bei einer Zusammenlegung der Gemeinschaftsschulen 950 Schüler zählen wird. Bei dieser Größenordnung sei es wichtig, dass „genügend Ganztagesräume und etliche Räumlichkeiten zur Differenzierung“ zur Verfügung stehen. Es könnte Engpässe bei den Sporthallen geben, warnt Grau.

An der Realschule zur Flügelau und der Gemeinschaftsschule Leonhard-Sachs-Schule, den beiden kleineren Schulstandorten, die aufgegeben werden sollen, überwiegen die Bedenken. Beide stellen den finanziellen Aspekten der Schulorganisation pädagogische Argumente entgegen. „Die beiden Crailsheimer Realschulen zeichnen sich durch unterschiedliche Profilierungen aus“, führt die stellvertretende Rektorin der RzF Anja Brückner aus und zählt neben der niedrigen Klassenfrequenz und dem gut funktionierenden Differenzierungskonzept das familiäre Miteinander an. Ein Neubau der Realschule sei auch auf städtischen Flächen hinter dem Lise-Meitner-Gymnasium denkbar. Auch so gebe es Synergieeffekte, wenn Mensa und Schülerhaus, Fachräume und Hirtenwiesenhalle gemeinsam genutzt würden.

Crailsheim

Standort erhalten

„Im Bewusstsein, dass unsere Vorschläge die Stadt finanziell stärker als in den Biregio-Empfehlungen dargestellt belasten würden, fordern wir dennoch den Erhalt des Sekundarstandortes Leonhard-Sachs-Schule, deren umfassende, zeitnahe Sanierung und die schnellstmögliche Schaffung der dringend in beiden Stufen benötigten Ganztagesräume“, schreibt LSS-Rektor Michael Ullrich. Er erwähnt das Sportprofil der LSS, für das die Nähe zu den Sportstätten wesentlich sei.

Als Verlierer der Umstrukturierung sieht sich auch die Käthe-Kollwitz-Schule (KKS). Die Schüler des Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums kooperieren in verschiedenen Projekten seit Jahren erfolgreich mit der benachbarten Eichendorffschule. „Bei einem Standortwechsel an die LSS gehen alle gewachsenen Strukturen verloren. Alltägliche, inklusive Begegnungen sind nicht mehr möglich“, beklagt Sonderschulrektorin Sigrun Lutz-Sigg.

Das könnte dich auch interessieren:

Schrozberg

Info


Die Gemeinderatssitzung beginnt am Donnerstag um 17 Uhr im Ratssaal.