Die „Initiative Erinnerung und Verantwortung“, bestehend aus Gemeinderäten und engagierten Bürgern in Crailsheim, bemüht sich seit vielen Jahren, das Erbe der Geschwister Scholl und der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ zu ehren und lebendig zu halten. Ein Vorfall bei der jüngsten Demonstration der Gruppe „Querdenken 795“ gegen die Einschränkungen der Corona-Verordnung ist den Mitgliedern daher sauer aufgestoßen - ein Redner hatte die Gruppe mit der Weißen Rose verglichen. Im Netz löste der zugehörige Artikel des Hohenloher Tagblatts einen kleinen „Shitstorm“ aus - die Empörung über den Vergleich war groß.

Auch die „Initiative Erinnerung und Verantwortung“ äußert sich jetzt - und hat uns eine Stellungnahme mit dem Titel „Hans Scholls Name missbraucht“ geschickt, die wir hiermit im Wortlaut veröffentlichen:

„Bei den in diesen Tagen abgehaltenen Demonstrationen gegen die Corona-Beschränkungen geschehen unverständliche, um nicht zu sagen empörende Dinge. So sollen in Stuttgart Demonstranten den ,Judenstern‘ getragen haben.
Und bei uns in Crailsheim soll nach einem Bericht des Hohenloher Tagblatts einer der Redner eine Parallele gezogen haben zwischen den heutigen Demonstrationen und den Aktivitäten der Widerstandsgruppe ,Weiße Rose‘ im NS-Staat. Er habe dabei aus einem Flugblatt der ,Weißen Rose‘ zitiert und die Frage gestellt, ob die Geschwister Scholl und ihre Mitstreiter von damals heute als ,Verschwörungstheoretiker‘ abgestempelt würden. Dann habe er Hans Scholls letzte Worte zitiert: ,Es lebe die Freiheit!‘
HT-Redakteur Erwin Zoll hat ja bereits in einem Kommentar auf zutreffende Weise Stellung genommen. Auch wir, die Mitglieder der ,Initiative Erinnerung und Verantwortung‘ in Crailsheim, können diese Vergleiche, können diese Instrumentalisierung des Widerstandes gegen das NS-Regime nicht unwidersprochen stehen lassen.

„Wie kann es zu solchen, völlig abwegigen Äußerungen kommen?“

Ist dem Redner, ist den Veran­staltern und Teilnehmern dieser Demo der Unterschied zwischen den zeitweisen, coronabedingten Einschränkungen in einer funk­tionierenden Demokratie mit ­Demonstrationsrecht und Redefreiheit und der damaligen ­Nazi-Diktatur, die jeden Gegner verfolgte und tötete, nicht bewusst? Das kann doch wohl nicht sein! Wie kann es zu solchen, völlig abwegigen Äußerungen kommen?

Die Mitglieder der ,Weißen Rose‘ haben gegen die Nazi-Herrschaft gekämpft und ihren unerschrockenen Einsatz mit ihrem noch jungen Leben bezahlt! Hat sich das der Redner klargemacht, wenn er in Ausübung seines staatlich garantierten Demonstrationsrechts und völlig unbehelligt Hans Scholls letzte Worte auf dem Weg zum Schafott zitiert?
Wir, die unterzeichnenden Mitglieder der ,Initiative Erinnerung und Verantwortung‘, arbeiten seit vielen Jahren daran, die Erinnerung an die Vergangenheit, vor allem auch an die Widerstandskämpfer gegen die Nazi-­Diktatur, wachzuhalten, um Verantwortung für die Zukunft im Sinne einer humanen Gesellschaft mit zu übernehmen und uns dafür einzusetzen. Dazu gehört es auch, dann die Stimme zu erheben, wenn das Erbe der ,Weißen Rose‘ in völlig unzulässiger Weise missbraucht wird.
Für die Crailsheimer „Initiative Erinnerung und Verantwortung“: Christiane Pappenscheller-Simon, Karl Druckenmüller, Karin Durst, Peter Erler, Folker Förtsch, Peter Gansky, Hannes Hartleitner, Roland Klie, Sebastian Klunker, Anja Koppermann, Ursula Mroßko, Charlotte Rehbach, Konrad Schneider und Anne Technau.