Seit Jahren schon wird diskutiert, und ein Ende ist nicht absehbar. Wann räumt der Reit- und Fahrverein Crailsheim (RFC) sein Domizil am Rand des Volksfestplatzes? Und zu welchen Konditionen? Erst vor Kurzem hat sich der Gemeinderat in nicht öffentlicher Sitzung mit der Thematik befasst, Am Mittwoch stand sie auf der Tagesordnung der Sitzung des gemeinderätlichen Hauptausschusses.

Stadt will dem Reit- und Fahrverein bei der Umsiedlung helfen

Warum überhaupt soll der Verein weichen? Weil seine Gebäude im Bereich des Sanierungsgebietes „Östliche Innenstadt“ liegen und die Stadt dort Wohnraum schaffen will. Damit der Reitverein den Umzug auf ein Gelände bei Tiefenbach stemmen kann, ist die Stadt bereit, einen Baukostenzuschuss in Höhe von 500.000 Euro zu gewähren. Damit ist für die Stadtverwaltung dann aber auch die „Schmerzgrenze“ erreicht, verdeutlichte Oberbürgermeister Dr. Christoph Grimmer, nachdem CDU-Gemeinderatsfraktionsvorsitzender Gerhard Neidlein beantragte hatte, den Zuschuss auf 750.000 Euro zu erhöhen. Der Antrag wurde vom Hauptausschuss abgelehnt.

Crailsheim

Stadt will ihr Gelände zurück

Neidlein hatte an die Erhöhung die Bedingung geknüpft, dass dann „alles vom Tisch sein muss“, also der Verein dann auch keine Ansprüche mehr aus den Erbbaurechtsverträgen mit der Stadt geltend machen dürfe. Am derzeitigen Standort nutzt der Verein städtisches Gelände, hat mit der Stadt bezüglich Stall und Wohngebäude Erbbaurechtsverträge abgeschlossen, die bis 2060 laufen.

Der Antrag von Neidlein stieß bei anderen Ausschussmitgliedern auf Verwunderung und Verärgerung. SPD-Stadtrat Wolfgang Ansel beispielsweise verwies auf die Beratungen in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Da habe man eine Übereinkunft getroffen, die die Verwaltung in die nun dem Ausschuss vorliegende Sitzungsvorlage übertragen habe. Was den Zuschuss angeht, habe man sich auf 500.000 Euro verständigt. Er könne deshalb überhaupt nicht nachvollziehen, warum nun plötzlich 750.000 Euro gezahlt werden sollen. Peter Gansky (Bürgerliste) wurde grundsätzlich, fragte, ob denn die Stadt das RFC-Gelände überhaupt brauche. Gleich nebenan stünde die Hakro-Arena, und die müsste dann ja genauso im Weg stehen wie Stall und Reithalle. Zuvor hatten Michael Klunker (AWV) und Markus Schmidt (Grüne) dem Antragspaket der Verwaltung grundsätzlich zugestimmt, wollten aber bei einzelnen Punkten Veränderungen.

Nutzungsfrist des Vereins für Gelände wird verkürzt

Der Antrag von Klunker, dem Reitverein am neuen Standort den Pachtzins für zehn Jahre zu erlassen, wurde vom Ausschuss abgelehnt. Angenommen wurde hingegen der Antrag von Ansel, die Pacht für drei Jahre auszusetzen. Die Verwaltung hat den jährlichen Pachtzins für das städtische Gelände am Ortsrand von Tiefenbach auf 5000 Euro festgelegt.

Verkürzt wurde auf Antrag der SPD zudem die Frist, in der der Verein das bisherige Gelände noch nutzen darf. Die Verwaltung hatte vorgeschlagen, dass der RFC noch bis Ende 2023 in der Stadt bleiben darf, der SPD-Antrag legt das Nutzungsende auf 31. Dezember 2022 fest. Die Begründung von Antragsteller Ansel: „Die Umsiedlung muss jetzt endlich über die Bühne gehen.“

Nach der Ausschusssitzung stellt sich die Faktenlage so dar:

  • Der Reit- und Fahrverein erhält einen Baukostenzuschuss in Höhe von 500.000 Euro.
  • Der RFC bekommt zudem für die bisherigen Gebäude auf dem Volksfestplatz eine Restwertentschädigung in Höhe von 93 000 Euro.
  • Dem RFC wird die Nutzung des jetzigen Standorts bis zum 31. Dezember 2022 gestattet.
  • Der jährliche Pachtzins in Höhe von 5000 Euro am neuen Standort in Tiefenbach wird für drei Jahre erlassen.

Ob diese Beschlussfassung Bestand hat, wird sich nächste Woche zeigen. Am 24. Oktober befasst sich der Gemeinderat mit der Thematik – und hat das letzte Wort.

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