Wir wollen Crailsheim als Teil der Region und als bunte, offene, tolerante und gleichzeitig dynamische Stadt präsentieren.“ Mit diesen Worten lud Bürgermeister Jörg Steuler am Samstag beim Regionaltag in Heilbronn die Bürgerinnen und Bürger in der Region Heilbronn-­Franken nach Crailsheim ein. In der nach Heilbronn und Schwäbisch Hall drittgrößten Stadt findet am 5. Juli 2020 der nächste Regionaltag statt.

Hinter der Veranstaltung steht die 1997 auf Initiative des Unternehmers Reinhold Würth und des Gewerkschafters Frank Stroh gegründete Bürgerinitiative Pro Region. Ihr Ziel ist es, bei den Menschen in einer Region, die von Heilbronn bis Crailsheim reicht, ein Wir-Gefühl zu erzeugen. Der Regionaltag ist der jährliche Höhepunkt des Veranstaltungsreigens. In Crailsheim fand er zuletzt 2005 statt.

Crailsheim

Dass in der Region Heilbronn-­Franken von privater Seite aus versucht wird, das Wir-Gefühl zu stärken, imponiert Steuler besonders. Der Crailsheimer Bürgermeister präsentierte sich in Heilbronn als Verfechter des Regionalgedankens: „Gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben endet nicht an den Stadtgrenzen.“ Es gebe vielmehr vielfältige Verflechtungen. Den Wert der Region unterstrich Steuler mit einem Hinweis auf den Genossenschafts­pionier Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Dessen Leitsatz, dass das, was einer nicht schafft, viele schaffen können, gelte nicht nur für Menschen, sondern auch für Kommunen. Der Regionaltag sei eine „herausragende Möglichkeit“, die Vielfalt der Region präsentieren zu können. Deshalb sei Crailsheim als Gastgeberin gerne dabei.

Crailsheim zeigt sich

Im nächsten Sommer will sich Crailsheim, so Steuler, als eine Stadt präsentieren, die offen und tolerant ist, die in ihrer Vielfältigkeit bunt ist, und die, was Stadtgesellschaft und Wirtschaft betrifft, dynamisch ist. Das Selbstbewusstsein in Crailsheim scheint zu wachsen, denn Crailsheim hat sich nicht nur um den Regionaltag (2020) beworben, sondern auch um die baden-württembergischen Heimattage (2023–2026) und die Landesgartenschau (2031–2035).

Crailsheim

Apropos Landesgartenschau: Steuler betonte in Heilbronn, dass er fest mit einem Zuschlag rechne und beim Regionaltag im nächsten Jahr die Menschen aus der Region darüber informieren könne, wie sich die Stadt mithilfe der Landesgartenschau weiterentwickeln will. Am vergangenen Wochenende hat im Rathaus der Ideensprint stattgefunden. In Workshops entwickelten Bürgerinnen und Bürger zusammen mit Experten aus ganz Deutschland Ideen für eine Landesgartenschau an der Jagst.

Kritik an „Schneckentempo“

Beim Regionaltag in Heilbronn wurde nicht nur gefeiert, es wurden auch politische Botschaften formuliert. Insbesondere der ehemalige Wissenschaftsminister Peter Frankenberg, der heute Vorsitzender der Gesellschafter­versammlung der Dieter-­Schwarz-Stiftung ist, kritisierte das „Schneckentempo“ in der ­Politik. Er befürchtet, dass Deutschland Megatrends wie Industrie 4.0 und die Veränderungen bei Mobilität und Klima verschläft.

„Großer Aufschlag“

Der einstige Landesminister mahnte einen „großen Aufschlag“ an, der nur gelinge, wenn sich Bildung, Wissenschaft und Forschung enger verzahnen. Die Ansiedlung der Technischen Universität München auf dem Heilbronner Bildungscampus sei ein Schritt in die richtige Richtung, weitere müssten jedoch folgen. Der Blick des einstigen Landesministers geht auch in Richtung Bundeshauptstadt. Durch das politische Berlin müsse ein Ruck gehen, fordert der Hochschulexperte.

Dr. Rudolf Luz, IG-Metall-­Funktionär und stellvertretender Vorsitzender von Pro Region, appellierte an die Politiker, sich mehr um die Themen Mobilität und Digitalisierung zu kümmern, „denn wir leben in Zeiten großer Umbrüche“. Und auch Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel sieht „große Herausforderungen“ auf die Region zukommen.

Das könnte dich auch interessieren: