Während des Homeschoolings haben die Fünftklässler der Realschule am Karlsberg nicht nur Hausaufgaben in den gängigen Fächern wie Deutsch, Englisch oder Mathe aufbekommen. Auch ihre Kreativität war gefordert: Für den Kunstunterricht sollten sie daheim ein Bild von ihrem Leben vor und während der Coronazeit malen. Kunstlehrerin Sina Eißen wollte wissen, wie die Fünftklässker die Pandemie wahrnehmen. Ihr Gefühl: „Für die Schüler war die schulfreie Zeit anfangs nur Spaß.“ Viele haben sich darunter wohl vorgestellt, den ganzen Tag Zuhause zu sein und fernzusehen. „Sie sollten sich bewusst werden, dass die Situation eine andere ist“, erläutert Eißen die Aufgabe.

Die meisten Materialien, wie Wasserfarbkästen oder Pinsel, lagen zu dem Zeitpunkt noch in der Schule. Gemalt wurde also mit dem, was die Schüler daheim hatten. So entstanden Bilder, die mit Blei-, Bunt- oder Filzstiften gemalt worden waren.
Etwas abgegeben haben allerdings nicht alle der 25 Fünftklässler. Das kann die Lehrerin aber nachvollziehen: „Kunst ist wahrscheinlich für viele gerade nicht die höchste Priorität“, vermutet sie. Außerdem hätten nicht alle Schüler jederzeit Zugriff auf einen Computer, um ihre Bilder einzuschicken oder sich bei ihr zu melden.
Einen weiteren Grund sieht sie in der Motivation. Einige konnten sich vielleicht nicht dazu bewegen, etwas zu malen. Das könnte der Situation im Homeschooling geschuldet sein, die sich sehr vom regulären Schulalltag unterscheide. Die Lernatmosphäre sei eine andere.
Viele Schüler haben allerdings etwas abgegeben, einige sogar sehr schnell, berichtet die Lehrerin. So zum Beispiel die 10-jährige Lina Schürrle. Sie hat gerade einmal 20 Minuten für ihr Bild gebraucht. „Ich wusste sofort, was ich malen will“, erzählt sie. Auf ihrem Werk ist links ihr Leben in 2019 zu sehen und rechts das im aktuellen Jahr.

Schüler zeichnen Vorher/Nachher-Vergleich

Noch vor wenigen Monaten konnte sie einkaufen gehen, sich mit Freunden und Familie treffen und es gab genug Lebensmittel und Toilettenpapier für alle. Aktuell sei allerdings das Gegenteil der Fall: Die Läden haben geschlossen, es herrscht Maskenpflicht und „jetzt haben wir nicht mehr so viel, weil die Leute alles wegkaufen“, sagt sie.
Lina freut sich, seit Montag wieder zur Schule gehen zu dürfen – auch wenn sie nur zwei Mal die Woche Unterricht hat.
Dass die Schüler froh sind, merkt auch Sina Eißen. „Die Eltern haben mir gesagt, dass sich die Kinder freuen, wenn es wieder losgeht“, so die Lehrerin. Die Schüler würden den Präsenzunterricht nun wieder mehr schätzen. Auch für die Eltern habe es mindestens einen Vorteil: Schließlich würden diese entlastet, wenn ihre Kinder nicht mehr den ganzen Tag lang daheim sind.
Lina Müller ist der gleichen Meinung wie ihre Klassenkameradin Lina Schürle. „Ich freue mich, meine Freunde und die Lehrer wiederzusehen“, betont sie. „Aber es hat mich erschrocken, auf wie viel wir achten müssen.“
Hygienemaßnahmen hat Lina auch in ihren Bildern thematisiert. Sie hat zwei Mal die Wilhelmstraße gemalt, „weil ich da nach der Schule jeden Tag war“, sagt die Fünftklässlerin. Während noch vor der Coronazeit sämtliche Läden wie Woha und Müller geöffnet und die Straßen voller einkaufender Menschen waren, sind mittlerweile nur noch wenige Personen draußen. Diejenigen, die unterwegs sind, müssen unter anderem auf Abstand und Mundschutz achten.

Anderer Tagesablauf

Sowohl Lina Schürle als auch Lina Müller haben sich mit der Situation beim Einkaufen auseinandergesetzt. Der 11-jährige Til Weinmann ist die Aufgabe anders angegangen und zeigt seine Tagesabläufe malerisch auf. Vor der Pandemie ging er morgens zur Schule, danach gab es Zuhause Mittagessen, am Nachmittag hat er Klavier gespielt und abends ging es dann ins Tischtennistraining. „Vor Corona war alles noch okay“, fasst er zusammen.

Jetzt sieht das etwas anders aus: Gelernt wird nicht mehr in der Schule sondern Zuhause, das Sporttraining fällt aus und seine Freunde kann er nicht regelmäßig sehen. Til Weinmann wünscht sich seinen alten Tagesablauf zurück: „Ich freue mich auf die Schule und dass ich dann endlich wieder ein bisschen Alltag habe.“